Am Mittwoch wurden die Chemie-Nobelpreisträger 2026 bekannt gegeben

Chemie-Nobelpreis 2026 an Forscher aus Frankreich und Japan

Mittwoch, 07. Oktober 2026 | 12:36 Uhr

Von: importer

Der Chemie-Nobelpreis 2026 geht an den französischen Forscher Henri B. Kagan und seinen japanischen Kollegen Kenso Soai. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm bekannt. Sie werden für die “Entdeckung nichtlinearer Effekte und Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese” ausgezeichnet. Sie lösten das Rätsel, warum Moleküle in lebenden Organismen nur in einer Variante und nicht in spiegelbildlicher Form vorkommen.

Aminosäuren, die grundlegenden Bausteine von Proteinen, existieren in zwei Varianten, die spiegelbildlich zueinander sind – ähnlich wie die menschlichen Hände. In lebenden Organismen existiert allerdings nur eine dieser Varianten – Chemiker nennen dies “homochiral”.

Die Chemiker hätten lange Zeit gerätselt, wie diese Homochiralität entstehen kann, hieß es seitens des Nobelkomitees. Denn in chemischen Reaktionen, die spiegelbildliche Moleküle bilden können, erhielten sie in ihren Reagenzgläsern stets gleiche Anteile beider Molekülvarianten.

Unterschiedliche Wirkung der Spiegelbilder

Angestrebt wird allerdings meist die Herstellung nur einer Variante. Denn die beiden spiegelbildlichen Formen eines Moleküls können – eingesetzt etwa in einem Arzneimittel – völlig unterschiedliche biologische Wirkungen haben.

Berühmtestes Beispiel dafür ist der Contergan-Skandal Anfang der 1960er Jahre: Thalidomid, der Wirkstoff des Schlafmittels Contergan, existiert in spiegelbildlichen Formen und wurde auch so hergestellt. Allerdings hat nur eine Form die schlaffördernde Wirkung, das spiegelbildliche Gegenstück greift dagegen in die Entwicklung des Embryos ein und führt zu schweren Fehlbildungen.

“Spektakuläre Reaktionen”

Henri Kagan und Kenso Soai werden für ihre Entdeckungen gewürdigt, die es Chemikern ermöglicht haben, chemische Reaktionen voranzutreiben, die zur Homochiralität führen. “Die von ihnen entwickelten chemischen Reaktionen sind spektakulär”, sagte Heiner Linke, Vorsitzender des Nobelkomitees für Chemie. Er bezeichnete die Arbeiten von Kagan und Soai “vielleicht als das coolste Experiment in der organischen Chemie”.

Kagan (95) von der Université Paris-Sud entdeckte 1986 eine neue Methode zur Manipulation chemischer Reaktionen, die es ermöglichte, einen Überschuss einer Molekülvariante zu erzeugen. Soai (Jahrgang 1950) entwarf 1995 die erste chemische Reaktion, die potenziell homochiral sein konnte. 2003 gelang ihm schließlich der Durchbruch mit einer Reaktion, bei der nur eines der beiden möglichen Spiegelbilder entstand.

“Außer dem Leben selbst war dies zuvor noch niemandem gelungen”, so das Nobelkomitee. Die Entdeckungen der beiden Laureaten “waren wegweisend für Chemiker, die Reaktionen für die Herstellung von Arzneimitteln entwickeln”.

“Stolzer” Soai durchlebt “aufregendsten Tag” in seinem Leben

Soai selbst strich im Rahmen der Präsentation hervor, dass die Homochiralität in der Natur ein entscheidender Faktor dafür ist, dass Leben überhaupt in der bekannten Form existiert. Er sei “sehr stolz”, dazu beigetragen zu haben, dass man einen Prozess etablieren konnte, mit dem er die spontane Chiralität brechen konnte.

Der japanische Forscher habe die Nachricht der Zuerkennung beim Einkaufen in der Nähe seines Hauses erfahren. Er sei seither “sehr aufgeregt”: “Es ist der aufregendste Tag in meinem Leben.” Soai zeigte sich erfreut, die Auszeichnung mit Kagan zu teilen. Seit dem Durchbruch im Jahr 1995 hätten die “vielen talentierten Forschenden” auf dem Gebiet nicht nur viele Herstellungsprozesse realisiert, sondern auch einiges über das Wesen der Homochiralität in der Natur herausgefunden. Dass man es mit nur wenigen Schritten in der Reaktion geschafft habe, zu einem Ergebnis zu gelangen, wo nahezu alle Produkte in eine Richtung orientiert sind, gebe auch Einblick darin, wie die Natur das bewerkstelligt.

Die Auszeichnung ist heuer mit zwölf Millionen Schwedischen Kronen (1,06 Mio. Euro) dotiert. Übergeben wird der Preis traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Im vergangenen Jahr teilten sich die Auszeichnung der Japaner Susumu Kitagawa, der in Australien tätige Brite Richard Robson und der in den USA tätige, gebürtige Jordanier Omar M. Yaghi für die “Entwicklung metallorganischer Gerüstverbindungen” und damit einer neuartigen Molekülarchitektur, sogenannte MOFs.

(S E R V I C E – https://www.nobelprize.org/ )

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