Eine ukrainische Antonov am Flughafen Leipzig/Halle.

Deutsche Bundesanwaltschaft ermittelt zu Drohnenvorfall

Donnerstag, 06. August 2026 | 19:52 Uhr

Von: importer

Die deutsche Justiz bewertet den Vorfall mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig als schwerwiegenden Angriff auf die Infrastruktur. Wie die deutsche Bundesanwaltschaft am Donnerstagabend in Karlsruhe mitteilte, übernahm sie die Ermittlungen zum Vorfall von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden. Die Bundesanwaltschaft wird bei schwerwiegenden Delikten tätig, die die innere oder äußere Sicherheit des Landes betreffen.

Sie werde wegen der besonderen Bedeutung des Falles tätig, hieß es von der Behörde. Es bestehe der Verdacht des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Es lägen zureichende Anhaltspunkte vor, dass am Abend des 4. August 2026 auf dem Gelände des Flughafens mittels einer Drohne eine Explosion verursacht werden sollte. Hierzu seien an der Drohne professioneller Sprengstoff und ein Zünder angebracht worden. Eine Frachtmaschine, die wegen des Vorfalls durchstarten musste, sei im erweiterten Bereich des Flughafens in der Luft mit einem Gegenstand kollidiert. Dabei habe es sich mutmaßlich um eine weitere Drohne gehandelt.

Widersprüchliche Meldungen über Landung

Über die Ladung des ukrainischen Flugzeugs, neben dem in der Nacht auf Mittwoch auf dem Flughafen Leipzig eine Drohne mit Sprengstoff gefunden wurde, hat es am Donnerstag widersprüchliche Meldungen gegeben. NDR, WDR und “Süddeutsche Zeitung” (SZ) berichteten unter Berufung auf vertrauliche Polizeiangaben, als Bord sei Munition aus Frankreich gewesen, die weiter in die Ukraine gebracht werden sollte. Im Magazin “Focus” hieß es hingegen später, dies sei nicht der Fall gewesen.

In “Focus” hieß es unter Berufung auf Teilnehmende einer Obleute-Runde im Deutschen Bundestag, von Seiten des deutschen Innenministeriums sei auf Nachfragen hin mitgeteilt worden, es habe sich keine Munition an Bord der ukrainischen Antonov-Maschinen befunden, die zum Zeitpunkt des Drohnenfundes in Leipzig parkten. Der letzte entsprechende Transportflug sei am 29. Juli erfolgt.

Zuvor hatte es geheißen, die Munition sei aus Frankreich nach Leipzig transportiert worden, um von dort in die Ukraine geflogen zu werden. Mitarbeiter des Flughafens hätten die Drohne nach Erkenntnissen der Ermittler am späten Dienstagabend bemerkt, als sie zwischen zwei Maschinen der ukrainischen Gesellschaft Antonov Airlines schwebte, berichteten diese Medien weiter. Nach einem Kontakt mit einem Mitarbeiter sei das Fluggerät am Boden gelegen. An der Drohne sei ein faustgroßes Paket mit hochexplosivem Sprengstoff befestigt gewesen.

Semtex im Spiel

Nach dpa-Informationen ist inzwischen bestätigt, dass für den Sprengsatz, mit dem die Drohne bestückt war, auch Semtex verwendet wurde. Der Plastiksprengstoff wird bei kommerziellen Sprengungen eingesetzt. Semtex gelangte während es Kalten Kriegs mehrmals in die Hände von Terroristen – so wurde der Sprengstoff beim Lockerbie-Bombenanschlag auf ein Verkehrsflugzeug über Schottland im Dezember 1988 verwendet.

Kreise: Flughafenmitarbeiter trat Drohne mit Fuß zu Boden

Der Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle, der in der Nacht auf Mittwoch eine Drohne mit Sprengstoffvorrichtung auf einer Start- und Landebahn entdeckt hatte, hat großes Glück gehabt. Er holte das Fluggerät nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus Sicherheitskreisen mit einem Fußtritt aus der Luft und brachte es zu Boden.

Nach Angaben des Landeskriminalamts des ostdeutschen Bundeslandes Sachsen hatte er die Drohne auf der Start- und Landebahn “Südpiste” bemerkt. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe der ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Generalstaatsanwaltschaft: Höchste Priorität

Zunächst hatte die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt. “Das Ermittlungsverfahren und die polizeilichen Maßnahmen werden mit höchster Priorität geführt und dauern an”, teilte ein Sprecher mit. Weitere Auskünfte würden derzeit nicht erteilt.

Beim Bundesamt für Verfassungsschutz beschäftigt sich eine Sondereinheit mit dem Vorfall, wie ein Sprecher mitteilte. “Das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und die Landessicherheitsbehörden stimmen sich aktuell im gemeinsamen Zentrum zur Abwehr Hybrider Bedrohungen (GAZ-Hybrid) ab und analysieren den Sachverhalt gemeinsam”, hieß es.

Deutscher Innenminister will gemeinsame Verteidigungsstrategie mit anderen Staaten

Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Mittwoch von einer “neuen Gefahrenqualität” gesprochen. Wer für den mutmaßlichen Anschlagsversuch verantwortlich ist, ist unklar.

Dobrindt lud mehrere Amtskollegen zu einem Treffen ein, um über eine gemeinsame Verteidigungsstrategie zu beraten. Zu dem Treffen Ende August in der Flensburger Marineschule Mürwik sollen den Angaben zufolge Minister der osteuropäischen EU-Staaten sowie der Ostsee-Anrainerstaaten kommen. Mit dabei wären demnach die Minister aus den baltischen Staaten, Polen, Schweden, Norwegen und Dänemark. Alle diese Staaten gehören auch dem nordatlantischen Verteidigungsbündnis NATO an.

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