Land setzt erneut auf Sitzabbau

Fahrradboom bringt Regionalzüge an ihre Grenzen

Samstag, 06. Juni 2026 | 08:42 Uhr

Von: fra

Bozen – Wer in Südtirol mit dem Fahrrad und der Bahn unterwegs ist, stößt vor allem in den Sommermonaten regelmäßig auf Platzprobleme. In den Regionalzügen stehen derzeit meist zwischen 15 und 20 Stellplätze für Fahrräder zur Verfügung. Nach Ansicht vieler Fahrgäste reicht dieses Angebot jedoch nicht aus.

Gerade in der warmen Jahreszeit setzt Südtirol verstärkt auf Radtourismus. Das Konzept, Ausflüge mit dem Fahrrad zu unternehmen und die Rückfahrt bequem mit der Bahn anzutreten, erfreut sich großer Beliebtheit. In der Praxis geraten die Züge dadurch jedoch häufig an ihre Kapazitätsgrenzen.

Übergangslösung einzige Alternative

Das Problem sei bekannt, erklärt Mirko Waldner, Amtsdirektor für Personenverkehr. Neue Lösungen liegen derzeit allerdings noch nicht vor. Daher greift das Land auch heuer auf eine bereits bekannte Maßnahme zurück: In mehreren Zügen werden während der Sommersaison Sitzplätze entfernt, um zusätzliche Stellflächen für Fahrräder zu schaffen.

Durch den Umbau erhöht sich die Kapazität auf rund 30 Fahrradplätze pro Zug. Gleichzeitig stehen den übrigen Fahrgästen entsprechend weniger Sitzplätze zur Verfügung.

Blick auf langfristige Lösungen

Für eine dauerhafte Verbesserung setzt das Land auf neue Zuggarnituren. Bis Ende des Jahres sollen insgesamt 16 neue Züge in Betrieb genommen werden. Laut Waldner sind diese mit einer Länge von 128 Metern deutlich größer als die derzeit eingesetzten Flirt-Züge und bieten sowohl mehr Sitzplätze als auch zusätzliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Von der Einführung reservierbarer Fahrradplätze hat man inzwischen wieder Abstand genommen. Waldner verweist dabei auf Fahrgäste, die sich erst kurzfristig für die Rückfahrt mit dem Zug entscheiden. Ein Reservierungssystem könnte diese Nutzer benachteiligen. Auch zusätzliche Fahrradwagen nach dem Vorbild von Trenitalia sind derzeit keine Option. Die modernen, landeseigenen Triebzüge seien technisch nicht dafür ausgelegt, einzelne Waggons anzukoppeln.

Nach Angaben von Zugreisenden sollen in den vergangenen Tagen zudem einzelne Regionalexpresszüge von Trenitalia ohne die vorgesehenen Fahrradwagen unterwegs gewesen sein.

Bezirk: Bozen

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