Lido in Salurn reserviert eine Stunde für muslimische Frauen

Schwimmen im Burkini erlaubt

Mittwoch, 22. Juli 2026 | 11:06 Uhr

Von: Matthias Knapp

Salurn – Das Lido in Salurn ist ab 27. Juli jeden Montag von 18.30 bis 19.30 Uhr gleich nach offizieller Sperrstunde für den Verein „Armonia“ und für muslimische Frauen reserviert. Betreiber Luca Lechthaler hat ein entsprechendes Abkommen getroffen.

Ziel ist es, die Integration von Frauen mit Migrationshintergrund und das Wohlbefinden von Frauen muslimischen Glaubens zu fördern.

So ist etwa auch das Schwimmen im Burkini erlaubt. Das Klammerwort, das sich aus den Begriffen „Burka“ und „Bikini“ zusammensetzt, beschreibt die typische Badebekleidung für Frauen aus muslimischen Ländern. Ähnlich wie beim Hijab bleiben Körper und Haupt bedeckt – mit Ausnahme des Gesichts, der Arme und der Beine.

Der Betreiber des Lido hat auch mit anderen Gruppen ähnliche Vereinbarungen getroffen. Während einmal in der Woche im Lido Yoga für Frauen angeboten wird, steht das Beachvolleyball-Feld dem Jugendsektor der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung. Die muslimischen Frauen bezahlen für die Nutzung des Schwimmbads regulären Eintritt.

Während einige den Vorstoß zur Förderung von Integration begrüßen, gibt es von anderen auch Kritik. „Derartige Praktiken öffnen Tür und Tor für ein Frauenbild, das auf Unterdrückung, Verschleierung und Zwang hinausläuft und Frauen grundsätzlich nur als Sexualobjekte auffasst“, kritisieren etwa die Freiheitlichen. Es werde Zeit für ein Integrationskonzept, das auf Fordern statt auf linke Phantasien hinausläuft. „Zudem ist die Frage aufzuwerfen, welche so genannten Integrationskonzepte in Südtirol öffentlich gefördert werden“, so Obmann Roland Stauder.

SVP-Senatorin Julia Unterberger begrüßt unterdessen die Möglichkeit. „Die Initiative ermöglicht Frauen, die das Schwimmbad sonst wahrscheinlich nicht besuchen würden, das Haus zu verlassen, sich zu treffen, Sport zu treiben und einen öffentlichen Raum zu nutzen. Sie trennt diese Frauen nicht von der Gesellschaft, sondern schafft vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Ich verstehe nicht, wie man – wie es Teile der politischen Rechten tun – behaupten kann, eine solche Initiative fördere die Geschlechtertrennung oder reduziere Frauen auf ein Sexualobjekt.“

Emanzipation entwickle sich nicht durch Ausgrenzung, sondern durch mehr Freiheit und mehr Teilhabe. „Muslimischen Frauen zu sagen, sie dürften nur dann dazugehören, wenn sie genauso leben wie wir, ist das Gegenteil von Integration. Die Initiative des Lidos von Salurn eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe – und genau darin liegt ihr Wert“, betont Unterberger.

Bürgermeister Roland Lazzeri stellt gegenüber der Zeitung Alto Adige klar, dass der Betreiber in so einem Fall machen dürfe, was er für richtig halte.

Bezirk: Überetsch/Unterland

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