Von: apa
Ein 43 Jahre alter Mann ist in Bologna in Italien nach einem Polizeieinsatz gestorben. Die Polizei war am Samstag in den Stadtteil Pilastro gerufen worden, nachdem Anrainer gemeldet hatten, der aus Marokko stammende Mann habe sich aggressiv verhalten. Der Mann starb laut Berichten von Augenzeugen, nachdem sich zwei Polizisten längere Zeit auf ihn gesetzt hatten, während er am Boden lag. Wegen des Todesfalls kam es Montagabend zu gewaltsamen Protesten.
Die Beamten setzten eigenen Angaben zufolge Pfefferspray ein und fixierten den Mann mit Handschellen beziehungsweise Kabelbindern an den Handgelenken. Kurz darauf habe der Festgehaltene aber einen medizinischen Notfall erlitten und sei trotz des Eingreifens des Rettungsdienstes gestorben. Die Tageszeitung “La Repubblica” veröffentlichte ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der Mann mehrfach um Hilfe ruft, ohne dass die beiden Polizisten von ihm ablassen. Später gibt er keine Lebenszeichen mehr von sich.
Familie des Verstorbenen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei
Die Familie des Verstorbenen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Seine Schwester erklärte, ihr Bruder sei misshandelt worden und forderte Aufklärung. Sie sprach von einem gewaltsamen Vorgehen der Beamten und forderte Gerechtigkeit. Auch ein Augenzeuge erklärte, der Mann habe während des Einsatzes wiederholt um Hilfe gerufen.
In einer ersten Reaktion wies die Polizei die Vorwürfe entschieden zurück. Man sei auf Anforderung und aufgrund von Beschwerden seitens von Nachbarn eingeschritten. Die Polizisten hätten den Mann unter schwierigsten Umständen fixieren müssen. Der 43-Jährige war polizeibekannt und litt nach Angaben von Angehörigen unter gesundheitlichen Problemen. Ob diese letztlich für seinen Tod ausschlaggebend waren, soll nun eine Obduktion klären.
Außerdem dürften die Aufnahmen der von den Polizisten getragenen Körperkameras (Bodycams) zur vollständigen Aufklärung des Einsatzes beitragen. Die Ermittlungen dauerten unterdessen an. Geprüft wird die Lage von den beiden am Einsatz beteiligten Polizisten sowie von vier Mitarbeitern des Rettungsdienstes. Die Ermittlungen werden wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung geführt.
Mann war Inhaber einer Umzugsfirma
Der Mann hatte marokkanische Wurzeln, lebte aber seit seiner Kindheit in Italien. Er war verheiratet und Inhaber einer Umzugsfirma. Indes hat sich die Senatorin Ilaria Cucchi von der links-grünen Partei AVS eingeschaltet. Sie forderte eine restlose Aufarbeitung dieser jüngsten Vorfälle in Bologna.
Der sozialdemokratische Bürgermeister von Bologna, Matteo Lepore, rief zu einer öffentlichen Gedenk- und Solidaritätskundgebung mit der Familie des Verstorbenen am Montagabend auf. Ziel der Versammlung sei es, “Wahrheit und Gerechtigkeit im Todesfall zu fordern” sowie gemeinsam innezuhalten und über die Tragödie nachzudenken. “Lassen Sie uns dieser Tragödie geschlossen begegnen, so wie Bologna es immer getan hat”, so der Bürgermeister.
Bei der Kundgebung kam es zu gewaltsamen Protesten. Sicherheitsbeamte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, nachdem Protestierende unter anderem einen Feuerwerkskörper in der Nähe eines Polizeigebäudes gezündet hatten. Hunderte Menschen versammelten sich zur Demonstration im Zentrum Bolognas.
Europaminister Tommaso Foti bezeichnete Sprechchöre wie “Polizisten sind Mörder” und “Die ganze Welt hasst euch” als beschämend. Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, er habe volles Vertrauen, dass die Untersuchung den Sachverhalt aufklären werde. Die Polizei in Bologna kündigte an, den Ermittlern die Aufnahmen der Bodycams der beteiligten Beamten zur Verfügung zu stellen.




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