Dann tauchte er unter

Falsche Sprachzertifikate: Ex-SASA-Fahrer soll Kollegen um Tausende Euro gebracht haben

Samstag, 19. September 2026 | 10:30 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Mehrere SASA-Fahrer sollen einem Kollegen jeweils 1.600 Euro für die Vermittlung einer Deutschprüfung gezahlt haben. Der Mann habe Prüfungen in Schulen in Mittel- und Süditalien organisiert, anschließend jedoch gekündigt und sei mit dem Geld verschwunden. Die Staatsanwaltschaft Bozen ermittelt bekanntermaßen im Zusammenhang mit mutmaßlich gefälschten Zweisprachigkeitsnachweisen.

Die Geschichte soll 2024 innerhalb der SASA ihren Anfang genommen haben. Unter den Fahrern habe sich herumgesprochen, dass ein Kollege Kontakte zu bestimmten Telc-Schulen habe, bei denen Deutschprüfungen auf den Niveaus B2 bis C1 abgelegt werden konnten. Der Busfahrer trat als Vermittler auf und soll von den Interessierten jeweils 1.600 Euro kassiert und im Gegenzug die Anmeldung sowie die Terminvereinbarung für die Prüfungen zugesagt haben.

Die Termine seien jedoch nie zustande gekommen. Nach mehreren Monaten habe der Fahrer laut der Zeitung Alto Adige gekündigt und sei untergetaucht – auch weil Ermittlungen in der Sache aufgenommen wurden.

Wie viele SASA-Mitarbeiter Geld bezahlt haben und ob jemand über diese Schulen tatsächlich einen Zweisprachigkeitsnachweis erlangt hat, ist bislang unklar. Einige Betroffene haben sich inzwischen an Anwälte gewandt, die den Ex-Kollegen zur Rückzahlung der Beträge auffordern.

Der Fall steht im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bozen zu mutmaßlich manipulierten Sprachprüfungen. Im Zentrum stehen dabei unter anderem akkreditierte Telc-Schulen in Rom und Caserta. Laut den bisherigen Ermittlungen sollen Prüfungen teilweise manipuliert, gar nicht abgelegt oder von anderen Personen als den tatsächlich angemeldeten Kandidaten durchgeführt worden sein.

Für die Betroffenen könnte die Rückforderung der 1.600 Euro allerdings Fragen aufwerfen: Reguläre Sprachprüfungen kosten üblicherweise um die 150 Euro. Zudem stellt sich die Frage, weshalb Kandidaten für eine Prüfung nach Mittel- oder Süditalien reisten, obwohl entsprechende Prüfungen auch in Südtirol angeboten werden.

Das Unternehmen SASA betont unterdessen, dass die Zweisprachigkeitsnachweise ihrer Mitarbeiter vom zuständigen Landesdienst anerkannt werden. Das Unternehmen prüfe die Zertifikate zudem regelmäßig gemeinsam mit dem Land. Dabei seien bislang keine Unregelmäßigkeiten hinsichtlich ihrer Echtheit festgestellt worden. SASA verfolgt den Fall nach eigenen Angaben aufmerksam und will mögliche weitere Schritte zum Schutz der eigenen Interessen prüfen.

Bezirk: Bozen

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