Im Niger entführte Österreicherin offenbar wieder frei

Im Niger entführte Österreicherin offenbar frei

Donnerstag, 22. Oktober 2026 | 11:03 Uhr

Von: importer

Die Anfang 2025 im Niger entführte Österreicherin Eva G. ist offenbar wieder frei. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete am Mittwochabend unter Berufung auf zwei anonyme offizielle Quellen, die Österreicherin und eine Schweizerin seien in der ostlibyschen Stadt Benghazi eingetroffen, nachdem sie nach mehreren Monaten Gefangenschaft befreit worden waren. Auch die APA erhielt entsprechende Informationen von Insidern. Das Außenministerium bestätigte die Berichte vorerst nicht.

Das österreichische Außenministerium sprach am Donnerstag lediglich von “ermutigenden Informationen” über das Schicksal der im Jänner 2025 entführten Frau. “Der komplexe und sehr gefährliche Prozess der Freilassung und Übergabe ist jedoch noch nicht positiv abgeschlossen”, hieß es von Seiten des Ministeriums auf APA-Anfrage. Bereits im September hatte es Berichte über die Freilassung der beiden Niger-Geiseln gegeben.

Libyscher Sender verweist auf Intervention von Khalifa Haftar

“Zwei Geiseln, eine Österreicherin und eine Schweizerin, sind nach eineinhalb Jahren Gefangenschaft im Niger freigelassen worden und dank der Intervention des stellvertretenden Oberbefehlshabers Saddam Haftar in Benghazi eingetroffen”, berichtete der libysche Sender al-Masar. Generalleutnant Saddam Khalifa Haftar habe sich auf Bitten der Familien für ihre Freilassung eingesetzt, teilte der Sender auf der Plattform X weiter mit.

In einem vom ostlibyschen Fernsehsender al-Masar ausgestrahlten Video wirkten die beiden Frauen erschöpft. Unter einem Porträt von Marschall Khalifa Haftar sitzend, bedankten sie sich auf Französisch bei ihren Befreiern.

“Ich bin Schweizerin. Ich bin 69 Jahre alt. Ich wurde vor einem Jahr und sechs Monaten als Geisel genommen. Jetzt bin ich froh, frei zu sein, und danke Marschall Khalifa Haftar und seinem Sohn, General Saddam Haftar, für alles, was sie für meine Freilassung getan haben”, sagte die eine. “Ich … bin Österreicherin und 76 Jahre alt. Ich danke Marschall Khalifa Haftar und seinem Sohn Saddam, der uns befreit hat, von ganzem Herzen. Ein Jahr und neun Monate als Geisel”, sagte die zweite Frau.

Die Freilassung der beiden Frauen erfolgte wenige Wochen nach der Befreiung des US-Amerikaners Kevin R. und zweier ehemaliger Mitglieder der russischen Wagner-Truppe, bei der ebenfalls Haftar eine Rolle gespielt haben dürfte. Der Sohn der Österreicherin hatte im Sommer in einem Video Saddam Haftar gebeten, sich für die Freilassung seiner Mutter einzusetzen, und ihre Beziehungen zu Libyen hervorgestrichen. Das Video wurde auf dem X-Account der Plattform Sahel Alerte veröffentlicht.

Entführung am 11. Jänner 2025

Beide Frauen hatten seit vielen Jahren in dem westafrikanischen Land gelebt und sich unter anderem in Bildungs- und Entwicklungsprojekten engagiert. Die Wienerin lebte vor ihrer Entführung seit fast drei Jahrzehnten in der Wüstenstadt am Rande der Sahara.

Bewaffnete Männer waren laut Augenzeugen am Abend des 11. Jänners 2025 in das Haus der damals 73-jährigen Eva G. in der nigrischen Wüstenstadt Agadez eingedrungen. Sie verfrachteten die Frau in einen Geländewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die Österreicherin an eine terroristische Gruppe weitergereicht haben. Es könnte sich um einen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Sahelzone oder eine Gruppe mit Verbindung zum IS gehandelt haben. Über die Umstände in Geiselhaft ist wenig bekannt. Zu ihrem Geburtstag im April gab es im Vorjahr ein Lebenszeichen von Eva G. in Form eines Fotos. Im Mai dieses Jahres kursierten Berichte über eine schwere Infektion der 75-Jährigen.

Viele Entführungen in der Sahelzone

Die Sicherheitslage in der Sahelzone ist nach Militärputschen in Mali, Burkina Faso und Niger 2021, 2022 und 2023 sehr angespannt. Das österreichische Außenministerium sprach wegen der Anschlags- und Entführungsgefahr eine Reisewarnung für den Niger aus. Die Zahl der Entführungen von ausländischen Staatsbürgern stieg in der jüngeren Vergangenheit stark an.

Der Niger ist seit rund zehn Jahren mit tödlicher Gewalt durch Jihadistengruppen konfrontiert, die mit Al-Kaida und der Miliz Islamischer Jihad in Verbindung stehen. Auch andere Islamistenorganisationen wie etwa Boko Haram sind in der Region aktiv, hinzu kommen russische Söldner. Bei politisch motivierter Gewalt in Burkina Faso, Mali und Niger starben nach Angaben der Konfliktbeobachtungs-Organisation ACLED allein im Jahr 2025 mehr als 10.000 Menschen.

Libyen gespalten

Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 und dem darauffolgenden Bürgerkrieg gespalten. In Tripolis, im Westen des Landes, sitzt die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdel Hamid Dbaiba. Der Osten und Süden des Landes wird beherrscht von General Khalifa Haftar und seinen Verbündeten mit Sitz in Benghazi. Die beiden Regierungen, unzählige Milizen sowie ausländische Staaten ringen um Ressourcen und Macht in dem ölreichen Wüstenstaat südlich des Mittelmeers. Jüngst hatten die USA Bemühungen unternommen, die verfeindeten Regierungen zu versöhnen – Außenminister Marco Rubio empfing im Juni Saddam Haftar in Washington.

Khalifa Haftars Rolle habe sich in den vergangenen zehn Jahren vom Militärkommandanten im Osten Libyens zu der eines politischen und militärischen Akteurs mit erheblichem Einfluss entwickelt, nicht nur im Osten, sondern auch in wichtigen Teilen Süd- und Zentrallibyens sowie in Teilen Westlibyens, erklärte der libysche Journalist Ali Al-Badwi gegenüber der APA. Sein Sohn Saddam Haftar fungiert als stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte im Osten Libyens und übernimmt gleichzeitig wichtige Führungsaufgaben innerhalb des Sicherheitsapparats.

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