Von: importer
Über 40 EU-Abgeordnete aus 15 EU-Ländern – darunter auch aus Österreich – und sechs politischen Fraktionen fordern die EU-Verkehrsminister in einem mit Oktober 2026 datierten Brief dazu auf, die vom EU-Parlament bereits 2019 geforderte, im Rat der EU-Länder aber blockierte Abschaffung der Zeitumstellung erneut zu diskutieren. Gestartet wurde die neue Initiative vom deutschen EVP-EU-Abgeordneten und Arzt Peter Liese, der auch auf gesundheitliche Bedenken hinweist.
“Im September 2018 legte die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag zur Abschaffung der saisonalen Zeitumstellung vor. Das Europäische Parlament verabschiedete seinen Standpunkt im März 2019 mit großer Mehrheit. Doch mehr als sieben Jahre später hat der Rat noch immer keinen gemeinsamen Standpunkt gefunden”, heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben. In einer Konsultation der Kommission im Jahr 2018 hätten sich 84 Prozent der rund 4,6 Millionen Befragten für die Abschaffung ausgesprochen.
Schlafstörungen und Müdigkeit
Als Arzt betont Liese insbesondere die gesundheitlichen Auswirkungen der zweimal jährlichen Zeitumstellung. Viele Menschen litten darum unter Schlafstörungen, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Gleichzeitig hätten sich die ursprünglich von den Zeitumstellungen erwarteten Energieeinsparungen nicht in nennenswertem Umfang eingestellt. “Es gibt keinen vernünftigen Grund, den Tagesrhythmus von Millionen von Menschen zweimal im Jahr zu stören. Die Verantwortlichen müssen endlich handeln”, sagte Liese.
Jede Lösung müsse “sorgfältig zwischen den Mitgliedstaaten abgestimmt werden, insbesondere um unnötige Komplikationen für den Verkehr, grenzüberschreitende Aktivitäten und das Funktionieren des Binnenmarkts zu vermeiden”, wird aber in dem Schreiben betont. “Dennoch sind wir der Ansicht, dass es an der Zeit ist, die inhaltlichen Diskussionen wieder aufzunehmen und auf eine gemeinsame europäische Lösung hinzuarbeiten”, werden die Verkehrsminister zum Handeln aufgefordert.
Kircher, Mandl und Schieder unterschrieben
Zu den Unterzeichnern des Briefes zählen die ÖVP-EU-Abgeordneten Sophia Kircher, die auch Verkehrssprecherin ist, und Lukas Mandl sowie SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder, Mitglied im Ausschuss für Verkehr des EU-Parlaments.
“Das Europaparlament hat sich vor gut siebeneinhalb Jahren für die Abschaffung der zweimal jährlichen Zeitumstellung ausgesprochen. Es liegt seit damals bei den Verkehrsministern, dafür eine sinnvolle Lösung zu finden, die für die Menschen in Europa spürbaren Mehrwert bringt. Nötig ist eine enge Koordination der Mitgliedstaaten, um zu viele unterschiedliche Zeitzonen zu vermeiden. Weniger Jetlag vor allem für ältere Menschen und Kinder durch die Zeitumstellung, dauerhafte Sommerzeit für Österreich – das ist unser Ziel”, erklärte Kircher der APA.
“Das sinnlose halbjährliche Drehen an der Uhr muss endlich ein Ende finden. Als Europäisches Parlament sind wir uns einig, nur im Rat steht die Zeit still und die Mitgliedstaaten können sich zu keiner Einigung durchringen. Der Zeitumstellung lässt sich wenig Positives abgewinnen: Zwei Mal im Jahr werden Mensch und Tier mit teils schwerwiegenden Folgen aus ihrer Routine geworfen und der Biorhythmus durcheinandergebracht. Auch die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht von der Hand zu weisen”, so Schieder zur APA.
Kommission kündigte neue Studie an
Die EU-Kommission will bis Ende des Jahres eine neue Studie zum Thema vorlegen, wie eine Sprecherin kürzlich auf Anfrage der APA erklärte. Die Kommission betont aber, dass die Mitgliedstaaten entscheiden sollten, ob sie die Sommer- oder die Winterzeit dauerhaft behalten wollen: Nach deren Forderungen einer weiteren Analyse habe die Kommission eine Studie in Auftrag gegeben, um die Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Das Europäische Parlament hat zwar schon 2019 das “Aus” der Zeitumstellung beschlossen, umgesetzt wurde das bisher nicht. Eine qualifizierte Mehrheit aus Anzahl der Bevölkerung und Mitgliedsländern müsste für eine Abschaffung stimmen. Die Mitgliedsländer sind in der Frage jedoch nicht einer Meinung.




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