Von: Martin Geier
Mailand – Nachdem es am Samstag und Sonntag zu schweren Ausschreitungen, Plünderungen und Gewaltexzessen gekommen war, bei denen Dutzende Sicherheitskräfte verletzt worden waren, herrschte am Montag in der lombardischen Metropole Katerstimmung. Besonders gedrückt war die Atmosphäre unter den Eltern, die geduldig vor der Mailänder Quästur auf ihre „Kinder” warteten.
Unterdessen wird immer deutlicher, dass es vielen „Demonstranten“, wenn nicht gar dem Großteil, kaum darum ging, für bessere Schulen und gegen die Teuerung zu demonstrieren, sondern dass von Anfang an das Plündern und Randalieren im Vordergrund stand. Giovanni Favia, der sich im Wahlkampf in Bologna engagiert, veröffentlichte den Screenshot einer Umfrage aus einer der Online-Gruppen, in denen sich die Demonstranten organisieren. Darin stimmen die Randalierer darüber ab, welche Geschäfte überfallen und geplündert werden sollen: „Keine politischen Ideen, nur Vandalismus, Rowdytum, Plünderungen und Gewalt!“
Evelyn León Palacios, eine 43-jährige Pädagogin und Mutter von zwei Kindern, die in diesen Tagen zum Symbol für Zivilcourage in Mailand geworden ist, sieht das ähnlich: „Die Teuerung hat damit nichts zu tun, sie wollten einfach alles verwüsten!“

Am Tag nach dem gewalttätigen Wochenende spielten sich vor der Mailänder Quästur in der Via Fatebenefratelli Szenen der Wut und Verzweiflung ab. Die von Reportern gesammelten Zeugenaussagen schildern eine Atmosphäre tiefer Verzweiflung, Scham und Ohnmacht der Eltern, die herbeigeeilt waren, um die über 200 Minderjährigen abzuholen, die nach den Plünderungen am Wochenende festgenommen worden waren.
Der Vorplatz der Quästur wurde zur Bühne für das Drama dutzender Familien – sowohl italienischer als auch ausländischer Herkunft –, die durch denselben Schock vereint waren. Keine von ihnen wusste, dass sich ihre Kinder im Stadtzentrum aufhielten und dort für Verwüstungen sorgten.
Die Verzweiflung dieser Eltern, für die in der Nacht auf Montag eine Welt zusammenbrach, ist angesichts der Härte der angewandten Maßnahmen nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft Mailand hat nämlich bereits Anträge auf Untersuchungshaft wegen schwerer Verwüstung, Plünderung und mehrfach erschwertem Widerstands gestellt. Darüber hinaus wurde für über 170 der beteiligten Jugendlichen die polizeiliche Präventivhaft angeordnet, die durch das letzte Sicherheitsdekret auch auf Minderjährige ausgedehnt wurde. Die Eltern mussten daher stundenlang warten, bevor sie ihre Kinder wieder in die Arme schließen oder mit ihnen sprechen konnten.
Vor den Kameras brachen viele Mütter in Tränen aus. Eine sichtlich erschütterte Mutter erzählte Milano Today: „Mein Sohn war einfach mit Freunden ausgegangen. Um 2.00 Uhr in der Früh rief mich die Polizei an und teilte mir mit, dass er auf der Quästur sei und festgehalten werde. Ich weiß nicht, was ich tun soll, ich weiß nicht, was mit ihm passieren wird.“ Eine andere Mutter fand erst mitten in der Nacht durch die Geolokalisierung des Smartphones heraus, wo sich ihr Sohn befand.
Besonders hart waren die Worte der Väter, die seit Jahren in Italien leben und am Boden zerstört sind. Ein aus Como angereister rumänischer Vater erklärte wütend gegenüber La Stampa: „Ich arbeite als Grenzgänger in der Schweiz und jetzt ist seinetwegen auch meine Arbeit in Gefahr. Ich bin seit 30 Jahren in Italien und schäme mich zutiefst dafür, heute Morgen hier sein zu müssen. Wenn er einen Fehler gemacht hat, ist es richtig, dass er dafür bezahlt.“ Ein anderer Vater aus Tunesien äußerte dieselbe Fassungslosigkeit: „Er hätte heute in der Schule sein müssen, ich weiß nicht, was ihm durch den Kopf gegangen ist.“
Einige Eltern suchten keinerlei Entschuldigung für ihre Kinder und reagierten beim Verlassen der Quästur äußerst streng. Journalisten von La Repubblica dokumentierten den Wutausbruch eines italienischen Vaters gegenüber seinem minderjährigen Sohn, der gerade in einem schwarzen Trainingsanzug freigelassen worden war: „Ich wäre froh gewesen, wenn sie dir den Kopf eingeschlagen hätten. Schau mal!“
Andere wiederum wussten von nichts: „Er ist mit Freunden gekommen, alle sind zurückgekommen, nur er nicht“, so die überraschte Reaktion eines Vaters, der aus Parma angereist war. „Um 2.00 Uhr in der Früh rief mich die Polizei an und sagte mir, ich solle mir einen Anwalt suchen, weil er im Gefängnis landen könnte.“

Viele Väter und Mütter waren davon überzeugt, dass ihre Söhne „nur zugeschaut“ hätten oder mit jemand anderem verwechselt worden seien, und betonten die Diskrepanz zwischen dem alltäglichen Leben der Jugendlichen und den Akten der Randale. „Er gehört zu der Gruppe von Dummköpfen, die stehen bleiben und zuschauen, nur weil sie Angst haben. Heute hatte er sogar ein Vorstellungsgespräch für einen neuen Job“, versuchte eine verzweifelte Mutter zu erklären.

Unterdessen wird immer deutlicher, dass es vielen „Demonstranten“, wenn nicht gar der Mehrheit, nicht um bessere Schulen und die Bekämpfung der Teuerung ging, sondern dass von Anfang an Plündern und Randalieren im Vordergrund standen.
Der Unternehmer Giovanni Favia, der sich im Stadtgemeindewahlkampf in Bologna engagiert, veröffentlichte einen Screenshot einer Umfrage aus einer der Telegram- und WhatsApp-Gruppen der Demonstranten. Darin stimmen die Randalierer darüber ab, welche Geschäfte überfallen und geplündert werden sollen. Sein Fazit: „Keine politischen Ideen, nur Vandalismus, Rowdytum, Plünderungen und Gewalt.“
Laut Favia befinden sich unter den jugendlichen Verantwortlichen der Zusammenstöße und Sachbeschädigungen der vergangenen Tage in Bologna und anderen italienischen Städten „sehr junge Menschen, die sich schnell über Telegram- und WhatsApp-Gruppen mit teils 200 bis 300 Personen organisieren, um zu diskutieren, welche Schäden sie anrichten, welche Geschäfte sie plündern und was sich am meisten zu stehlen lohnt“.

Der Screenshot, den er „von einem Schüler einer Bologneser Fachoberschule erhalten und anschließend auf dessen Telefon überprüft“ hat, lässt kaum Zweifel aufkommen. Giovanni Favia veröffentlichte ihn daraufhin in den sozialen Medien. Das Bild zeigt eine Umfrage mit den Namen verschiedener Ladenketten, mit der die Jugendlichen darüber abstimmen, welche Geschäfte sie bei der nächsten Demonstration angreifen wollen.
„Ich erspare euch die anderen Chats, in denen sie mit der Zerstörung von Ampeln und anderen Dingen prahlen. Diese Taten sind in den online kursierenden Videos zu sehen.“ Diese „Einzeltäter und losen Gruppen“ hoffen laut Favia darauf, dass eine Demonstration einberufen wird, um sich darin zu verstecken. Ich habe diese Chats mit eigenen Augen gesehen und gelesen. Sie sind ebenso dumm wie naiv und unbedarft, weil sie mit ihren öffentlich sichtbaren Telefonnummern über Straftaten diskutieren.

Abschließend betont Favia: „In ihren Gesprächen gibt es nichts Politisches und es handelt sich nicht zwangsläufig um Menschen in finanzieller Not. Es sind einfach Jugendliche, die sich an Vandalismus und Gewalt berauschen und sich beim Plündern und Randalieren filmen wollen. Sie haben keinerlei Absicht, die Regeln des zivilisierten Zusammenlebens zu respektieren, über die sie sich erhaben fühlen.“
„Die Teuerung hat damit nichts zu tun, sie wollten einfach alles verwüsten!”
Evelyn León Palacios, eine 43-jährige Pädagogin und Mutter von zwei Kindern, die in diesen Tagen zum Symbol für Zivilcourage in Mailand geworden ist, sieht es ähnlich: „Die Teuerung hat damit nichts zu tun, sie wollten einfach alles verwüsten!“

Die 43-Jährige nahm mit ihrer 14-jährigen Tochter an der friedlichen Demonstration gegen die hohen Lebenshaltungskosten teil. Als die Lage eskalierte, schickte sie ihre Tochter nach Hause. Während der heftigen Ausschreitungen und straßenkampfartigen Krawalle stellte sie sich in der Via Torino etwa 20 Jugendlichen entgegen, die Barrikaden errichteten und Geschäfte zerstörten und plünderten. Während Gewerbetreibende und Passanten machtlos zusahen, griff Evelyn entschlossen ein, um die Straßensperren wegzuräumen und die Randalierer zu stoppen. Das Video ihrer verbalen Auseinandersetzung mit der Gruppe wurde in den sozialen Netzwerken millionenfach aufgerufen.

In einem Interview mit dem Corriere della Sera erklärte sie ihre Beweggründe: „Ich habe aus einem Impuls heraus gehandelt. Das Einzige, woran ich dachte, war, dass ich mich durch Gleichgültigkeit nicht mitschuldig machen durfte. Ich musste meinen Schülerinnen und Schülern sowie den Jugendlichen ein Vorbild sein.“








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