Von: importer
Die Anfang 2025 im Niger entführte Österreicherin Eva G. ist nach mehr als 21 Monaten in Geiselhaft wieder zurück in Wien. Ein der APA vorliegendes Bild zeigt sie nach ihrer Ankunft am Flughafen Wien-Schwechat beim Empfang durch ihren Sohn. Zuvor hatte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) am Donnerstag ihre Freilassung bestätigt. “Ich konnte bereits mit Eva G. telefonieren. Es scheint ihr so weit gut zu gehen und ich bin sehr beeindruckt von dieser starken Frau.”
Die am 11. Jänner 2025 entführte Österreicherin wurde am Donnerstag von einem österreichischen Krisenteam in Empfang genommen. Bereits am Mittwochabend hatte die Nachrichtenagentur Reuters die Freilassung der 75-jährigen Wienerin vermeldet.
“Zwei Geiseln, eine Österreicherin und eine Schweizerin, sind nach eineinhalb Jahren Gefangenschaft im Niger freigelassen worden und dank der Intervention des stellvertretenden Oberbefehlshabers Saddam Haftar in Benghazi eingetroffen”, hatte der libysche Sender al-Masar berichtet. Generalleutnant Saddam Khalifa Haftar habe sich auf Bitten der Familien für ihre Freilassung eingesetzt, teilte der Sender auf der Plattform X weiter mit.
Eva G. und die Schweizerin hatten seit vielen Jahren in dem westafrikanischen Land gelebt und sich unter anderem in Bildungs- und Entwicklungsprojekten engagiert. Sie wurden beide 2025 aus Agadez entführt. Bereits im September hatte es Berichte über die Freilassung der beiden Niger-Geiseln gegeben.
“Große Erleichterung”
Meinl-Reisinger sprach in einer Aussendung und in Online-Plattformen von “großer Erleichterung nach mehr als 21 Monaten”. Für Eva G. und ihre Familie sei diese Zeit “eine unvorstellbare Belastung” gewesen. Die Außenministerin dankte allen, die zur Befreiung beigetragen haben: internationalen Partnern, dem Sonderbeauftragten des Bundeskanzlers, Botschafter Peter Launsky-Tieffenthal, sowie den involvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Verteidigungs- und Außenministerium. “Heute ist ein besonderer Tag, der uns alle bewegt”, erklärte Meinl-Reisinger.
Auch der Sohn von Eva G. zeigte sich erleichtert. Nach über 21 Monaten sei er “überglücklich”, dass “der Spuk und die Geiselnahme beendet sind und unsere Mutter nach Hause kommt”, sagte Christoph G. in einer Videobotschaft, die der APA vorliegt. Auch er bedankte sich bei allen Beteiligten, wie dem Krisenstab und den Ministerien, “herzlich” und nannte außerdem die Länder Mali, Niger, Algerien und “allen voran Saddam und die Familie Haftar”. Er sei “überwältigt” und werde seine Mutter demnächst in Empfang nehmen können. “Es ist natürlich eine Riesen-Erleichterung.”
Seit Bekanntwerden der Entführung der Österreicherin im Jänner 2025 habe die Sicherheit von Eva G. für das Außenministerium oberste Priorität gehabt, hieß es in einer Aussendung des Außenministeriums. Dem unmittelbar nach der Kenntnis der Entführung im Außenministerium eingerichteten Krisenstab gehörten neben dem Außenministerium Vertreterinnen und Vertreter des Verteidigungsministeriums sowie des Innenressorts an. Österreich tauschte sich von Anfang an mit internationalen Partnern – insbesondere der Schweiz – intensiv aus, hieß es weiter. Auf allen diplomatischen Ebenen sei mit Nachdruck an einer sicheren Lösung gearbeitet worden.
Entführung am 11. Jänner 2025
Bewaffnete Männer waren laut Augenzeugen am Abend des 11. Jänners 2025 in das Haus der damals 73-jährigen Eva G. in der nigrischen Wüstenstadt Agadez eingedrungen. Sie verfrachteten die Frau in einen Geländewagen. Lokale Medien berichteten, dass es sich bei den Kidnappern um Kriminelle handelte, die die Österreicherin an eine terroristische Gruppe weitergereicht haben. Es könnte sich um einen Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der Sahelzone oder eine Gruppe mit Verbindung zum IS gehandelt haben. Über die Umstände in Geiselhaft ist wenig bekannt. Zu ihrem Geburtstag im April gab es im Vorjahr ein Lebenszeichen von Eva G. in Form eines Fotos. Im Mai dieses Jahres kursierten Berichte über eine schwere Infektion der 75-Jährigen.
Viele Entführungen in der Sahelzone
Die Sicherheitslage in der Sahelzone ist nach Militärputschen in Mali, Burkina Faso und Niger 2021, 2022 und 2023 sehr angespannt. Das österreichische Außenministerium sprach wegen der Anschlags- und Entführungsgefahr eine Reisewarnung für den Niger aus. Die Zahl der Entführungen von ausländischen Staatsbürgern stieg in der jüngeren Vergangenheit stark an.
Der Niger ist seit rund zehn Jahren mit tödlicher Gewalt durch Jihadistengruppen konfrontiert, die mit Al-Kaida und der Miliz Islamischer Jihad in Verbindung stehen. Auch andere Islamistenorganisationen wie etwa Boko Haram sind in der Region aktiv, hinzu kommen russische Söldner. Bei politisch motivierter Gewalt in Burkina Faso, Mali und Niger starben nach Angaben der Konfliktbeobachtungs-Organisation ACLED allein im Jahr 2025 mehr als 10.000 Menschen.
Libyen gespalten
Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 und dem darauffolgenden Bürgerkrieg gespalten. In Tripolis, im Westen des Landes, sitzt die von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdel Hamid Dbaiba. Der Osten und Süden des Landes wird beherrscht von General Khalifa Haftar und seinen Verbündeten mit Sitz in Benghazi. Die beiden Regierungen, unzählige Milizen sowie ausländische Staaten ringen um Ressourcen und Macht in dem ölreichen Wüstenstaat südlich des Mittelmeers. Jüngst hatten die USA Bemühungen unternommen, die verfeindeten Regierungen zu versöhnen – Außenminister Marco Rubio empfing im Juni Saddam Haftar in Washington.
Khalifa Haftars Rolle habe sich in den vergangenen zehn Jahren vom Militärkommandanten im Osten Libyens zu der eines politischen und militärischen Akteurs mit erheblichem Einfluss entwickelt, nicht nur im Osten, sondern auch in wichtigen Teilen Süd- und Zentrallibyens sowie in Teilen Westlibyens, erklärte der libysche Journalist Ali Al-Badwi gegenüber der APA. Sein Sohn Saddam Haftar fungiert als stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte im Osten Libyens und übernimmt gleichzeitig wichtige Führungsaufgaben innerhalb des Sicherheitsapparats.




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