Von: Martin Geier
Bozen – „Ist das normal?“, fragt Dieter Peterlin seine Leserschaft auf der Social-Media-Plattform X. Der Landesmeteorologe, der sonst mit nüchternen und sehr sachlichen Wetteranalysen und -vorhersagen glänzt, scheint selbst erstaunt zu sein, wie heiß der Südtiroler Sommer geworden ist.
Während es in den 1960/70er Jahren höchstens einen Tag gab, an dem Temperaturen von über 35 Grad herrschten – in manchen Jahren gab es gar keinen solchen Tag – sind es in den letzten Sommern mittlerweile durchschnittlich zehn Tage, an denen es so richtig heiß ist. Doch auch diesen Rekord dürfte das Landl dieses Jahr reißen, denn im Sommer 2026 wurde bereits zum dritten Mal eine Temperatur von 38,9 Grad gemessen.

Manche werden sich darüber freuen, denn der sommerliche Badespaß und das Bergwandern in kurzen Hosen und T-Shirts kann immer länger genossen werden, aber für viele Menschen, die sich der Hitze nicht entziehen können – insbesondere für unsere älteren Mitbürger – wird sie zur Qual.

Ganz zu schweigen von den neuen Herausforderungen, die die immer heißeren Sommer für unsere Verwalter auf Landes- und Gemeindeebene mit sich bringen. Größere Grünflächen mit schattenspendenden Bäumen samt begrünten Hausfassaden und Dächern sollen verhindern, dass die Städte zu Hitzeblasen werden. Zudem gilt es, kühlende Hotspots und frische Ruhezonen in Flussnähe zu schaffen, in die sich die hitzegeplagten Einwohner zurückziehen können.

Es wird jedoch schwieriger werden, die bereits jetzt herrschenden Verteilungskämpfe um das Wasser zu schlichten, denn trockene und heiße Sommer gehen fast immer mit Wasserknappheit einher. Einheimische und die vielen Touristen, aber auch Industrie und Landwirtschaft beanspruchen immer größere Mengen des kühlen Nasses, was bei knapperen Reserven kaum ohne Reibereien abgehen kann. Südtirol wird, den Beispielen in mediterranen Ländern folgend, kaum umhinkommen, größere Speicher für Trink- und Brauchwasser anzulegen. Auch in diesem Fall ist der Streit vorprogrammiert, denn über Notwendigkeit, Größe und Standort scheiden sich die Geister.

Doch das Land ist zu Entscheidungen gezwungen, denn die kühlen Sommer von vor einem halben Jahrhundert kehren nicht zurück – an das neue „Normal“ müssen wir uns noch gewöhnen. Ein Mix aus größerer Wassersparsamkeit aller Verbraucher und den durch Speicher gewonnenen größeren Spielräumen könnte die Lösung sein.




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