Welttag des Flüchtlings

Kinder auf der Flucht sind die Verletzlichsten von allen

Mittwoch, 20. Juni 2018 | 10:08 Uhr

Bozen – Kinder auf der Flucht müssen mit allem rechnen: Vergewaltigung, Zwangsehe, Beschneidung, Gefängnis, Tod. Der Prozentsatz der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Italien steigt ständig an: Bis Juni sind heuer 14.330 Asylsuchende auf Booten und Schiffen angekommen, 15 Prozent von ihnen waren minderjährig (insgesamt 2.171 Mädchen und Jungen). Vor zwei Jahren waren es noch 13 Prozent. Sie sind vielfach traumatisiert, aber noch lange nicht sicher, auch wenn sie auf italienischem Boden sind. Seit Jahren kümmert sich die Kinder- und Jugendanwaltschaft um unbegleitete Minderjährige. Im vergangenen Jahr hat sie unter anderem 65 freiwillige Vormunde ausgebildet, 36 von ihnen sind im entsprechenden Verzeichnis beim Jugendgericht eingetragen. Sie übernehmen für unbegleitete Minderjährige eine Art sozialer Elternschaft.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind Kinder – meistens im Alter zwischen 15 und 17 Jahren –, die ohne eine erwachsene Begleitperson aus ihrer Heimat fliehen. Manche sind mit ihren Eltern aufgebrochen, haben diese aber schon an der ersten Grenze verloren. Sie bewältigen gefährliche Wege durch Länder Afrikas oder Asiens, erleben den Tod anderer Flüchtlinge und haben ständig Angst um ihr Leben. Ständig besteht die Gefahr, an Menschenhändler zu geraten oder zurückgeschickt zu werden. Oft sind sie mehrere Jahre auf der Flucht. Auf ihrem beschwerlichen Weg ertragen sie Kälte, Hitze und Hunger. Auch wenn sie auf italienischem Boden ankommen, droht ihnen weiterhin Gefahr, ausgebeutet zu werden. Auf ein besseres Leben können sie zunächst nur hoffen, so Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter.

Sie weiß aus vielen Gesprächen mit betroffenen Jugendlichen: „Die Minderjährigen müssen allein zwischen Freund und Feind unterscheiden“. Ihr Alltag sei von Angst und Verzweiflung geprägt. Paula Maria Ladstätter freut sich über die große Bereitschaft von Südtirolerinnen und Südtirolern, sich im Rahmen von Freiwilligen Vormunden für minderjährige Flüchtlinge zu engagieren. Ein freiwilliger Vormund verbringt mit den minderjährigen Flüchtlingen gemeinsame Zeit, kümmert sich bei bürokratischen Problemen, organisiert Freizeitangebote, bringt sie mit anderen Jugendlichen in Kontakt, begleitet sie zu Arztbesuchen, unterstützt sie bei der Suche nach Arbeit, lernt Deutsch oder Italienisch mit ihnen. „Das ist eine Möglichkeit, um junge eingewanderte Menschen nachhaltig zu fördern, um ihnen in Südtirol ein Leben in Würde und Sicherheit zu ermöglichen“, erklärt die Kinder- und Jugendanwältin.

Um freiwilliger Vormund zu werden, durchlaufen interessierte Menschen, die älter als 25 sind, eine 17-stündige Ausbildung und werden dann im entsprechenden Verzeichnis beim Landesgericht eingetragen.

Weitere Informationen erhalten sie bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft unter  Tel. 0471 946 050 und per Mail an info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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8 Kommentare auf "Kinder auf der Flucht sind die Verletzlichsten von allen"


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Orschgeige
Orschgeige
Superredner
1 Monat 19 h

Wie ist es möglich, dass im wohlhabenden Südtirol, mit unseren katholischen Wurzeln, viele Leute moralisch so abgestumpft sind, dass Sie für notleidende Kinder kein Hilfe-Bedürfnis mehr verspüren.

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
1 Monat 16 h

weil sie gerade ihren Hund gassi führen… ich finde es auch traurig!

Staenkerer
1 Monat 16 h
des reiche lond mit seine leit mit den katolischen wurzeln hot johrhundertelond schun oft bewiesen wie groß de hilfsbereitschaft isch wenns drauf un kimmt, wenn not am mann isch ober a wenns um longfristige hilfe geat oder um spenden, ober seit a pooe johr ischs nie genua, de hilfe werd nimmer gedonkt, es werd ollm no und no und mehr und mehr gfordert, insre hilfsbereitschaft werd überstrapaziert und ausgenutz, und deswegn wern sicher a über kurz oder long wirklich hilfsbedürftige zu kurz kemmen! i glab nit das erpressung der gemeinden zur aufnahme und des gezaudre ban steofn von kriminelle und… Weiterlesen »
Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
1 Monat 14 h

wenn das für Dich nicht zutrifft ,dann hilf doch.Wenn mal selbst im Dreck steckst kommst drauf…..warum.

Waltraud
Waltraud
Superredner
1 Monat 19 h

Die Kinder aufnehmen, in gute Familien geben, wo sie ein gesichertes Leben haben. Gute Ausbildung garantiert. Ich bin überzeugt, dass solche Kinder mal ihr Land aufbauen können.

sepp2
sepp2
Tratscher
1 Monat 17 h

Die Kinder werden aber nicht mehr in ihre Heimatländer zurück gehen.
Ich habe einmal mit einen Mann aus dem Irak zusammengearbeitet der nach 20 Jahren wiedereinmal in den Irak fuhr und als er wieder hier war sagte er zu mir nie weider will er dahin alles verrückte, auch seine Familie

krakatau
krakatau
Universalgelehrter
1 Monat 13 h

Immer auf die schwächsten. Das Problem ist dass diese Kinder in ihrer Heimat keine Zukunft haben. Flucht ist aber der falsche Weg. Die regierenden Banditen in diesen Ländern sind eine korrupte Verbrecherbande. Die klassischen Fluchtländer könnten reicher wie Europa sein, sie haben ein Klima das mehrere Ernten möglich machen würde, sie haben Bodenschätze aber alles fällt der Korruption zum Opfer. Man soll endlich die Entwicklungshilfen für diese Länder stoppen, bei den Bedürftigen kommt ohnehin nichts an und deren Politiker damit zu mästen ist hinausgeworfenes Geld. Auch die “Gutmenschen” und Schlepper machen mit der Not gute Geschäfte.

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
1 Monat 16 h

Wenn ich diese Bilder sehe kann ich nur sagen, dass die Menschheit versagt hat, komplet!

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