Von: mk
Bozen – Im Rahmen Operation „Alpenkohle“ zum illegalen Abfallhandel gibt es eine erste juristische Kehrtwende: Der Haftprüfungsrichter hat die Untersuchungshaft für drei prominente Beschuldigte aufgehoben, wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt.
Konkret betrifft dies Giulio Angelucci, den Leiter des Landesamtes für Abfallwirtschaft, seine Mitarbeiter Andreas Marri sowie den Leeg- Verwaltungsratspräsidenten Andreas Tappeiner. Die drei Männer waren am 19. Mai zusammen mit zwei weiteren Südtirolern inhaftiert worden. Wie das Gericht bezüglich der verbleibenden Inhaftierten entschieden hat, ist aktuell noch unklar.
Das Verfahren, das von der Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft in Trient und der Umweltschutzeinheit der Carabinieri Noe geleitet wird, umfasst insgesamt 19 Verdächtige aus mehreren europäischen Ländern, darunter Italien, Kroatien, Serbien, aus der Schweiz sowie aus Österreich und Deutschland. Den Beschuldigten werden organisierter, grenzüberschreitender illegaler Abfallhandel sowie Handelsbetrug vorgeworfen.
Ebenfalls im Fokus der Ermittlungen steht der Direktor der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz, Flavio Ruffini. Gegen ihn wurde eine einjährige Suspendierung vom Dienst angeordnet. Sein Verteidiger hat gegen diese Maßnahme bereits Rechtsmittel eingelegt. Die entsprechende Anhörung vor Gericht findet am kommenden Dienstag, den 9. Juni, statt.
Erleichterung im Raiffeisenverband Südtirol und im Südtiroler Energieverband
„Mit großer Erleichterung nehmen wir zur Kenntnis, dass Andreas Tappeiner, Obmann des Fernheizwerkes Laas, und Hugo Trenkwalder, Heizwart des Werkes, in die Freiheit entlassen worden sind. Wir waren stets überzeugt von der Integrität aller Beteiligten und sind hoch erfreut, dass der Alptraum für alle Beteiligten und deren Familien heute zu Ende geht“, erklären Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes Südtirol, und Thomas Gasteiger, Obmann des Südtiroler Energieverbandes SEV, in einer Aussendung.
„Der gute Leumund aller hat sich bestätigt – und mit Blick auf die Arbeit, welche Andreas Tappeiner und Hugo Trenkwalder stets für die Genossenschaften geleistet haben, sind wir erleichtert, dass sich die verantwortungsvolle Arbeit all der Jahre auch heute mit der Überstellung in die Freiheit zeigt.“
Als Raiffeisenverband Südtirol und Südtiroler Energieverband SEV habe man die Ereignisse rund um die Ermittlungen der Operation „Alpenkohle“ mit großer Aufmerksamkeit und Betroffenheit verfolgt.
„Umso mehr freut es uns, dass Andreas Tappeiner und Hugo Trenkwalder, die sich über viele Jahre hinweg mit Engagement, Verantwortungsbewusstsein und persönlichem Einsatz für ihre Genossenschaft eingesetzt haben, heute die Untersuchungshaft hinter sich lassen konnten“, so Von Leon und Gasteiger.
Als genossenschaftliche Organisationen fühle man sich den Menschen verbunden, die Verantwortung übernehmen und sich für das Gemeinwohl engagieren. „Gerade in herausfordernden Zeiten ist es uns wichtig, Menschlichkeit, Mitgefühl und Zusammenhalt zum Ausdruck zu bringen.“
Auch SVP-Obmann Dieter Steger zeigt sich erleichtert
„Die Erleichterung ist groß – vor allem mit Blick auf die fünf Betroffenen, ihre Familien und ihr persönliches Umfeld“, betont SVP-Obmann Dieter Steger.
Er zeigt sich weiterhin von der Unschuld der Betroffenen überzeugt: „Ich kenne nahezu alle persönlich – als verlässliche, redliche und unbescholtene Bürger. Gerade deshalb bin ich überzeugt, dass sich die erhobenen Vorwürfe vollständig aufklären lassen. Dass hier jemand bewusst rechtswidrig oder gar zur persönlichen Bereicherung gehandelt haben soll, kann ich mir nach allem, was ich über diese Personen weiß, nicht vorstellen.“
Kritisch beurteilt Steger hingegen die Art und Weise des Vorgehens der Ermittlungsbehörden. „Die rasche Entlassung aus der Haft wirft zumindest die Frage auf, ob hier mit der gebotenen Verhältnismäßigkeit vorgegangen wurde. Das weitere Verfahren wird Klarheit bringen müssen – sowohl hinsichtlich der Vorwürfe selbst als auch hinsichtlich der Angemessenheit der gesetzten Maßnahmen.“
Den Betroffenen gelte jedenfalls weiterhin Solidarität und menschliche Unterstützung, erklärt Steger abschließend.
Grüne pochen auf Wahrung der Unschuldsvermutung
Die Südtiroler Grünen begrüßen die Haftentlassung von Giulio Angelucci und den weiteren Beschuldigten als wichtigen Schritt und mahnen zu Sachlichkeit an Stelle von Vorverurteilung. Während für die Grünen Umweltschutz, Legalität und Transparenz weiterhin oberste Priorität hätten, fordere sie die strikte Einhaltung der Unschuldsvermutung und den Respekt vor dem rechtsstaatlichen Verfahren, schreibt Luca Bertolini in einer Aussendung.




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