"Tourists go home", wird gefordert

Protest mit Wasserspritzen gegen Touristen in Barcelona

Sonntag, 07. Juli 2024 | 16:16 Uhr

Von: APA/dpa

Der Unmut in Spanien über die negativen Folgen des Massentourismus nimmt immer mehr zu. In der Mittelmeermetropole Barcelona forderten nach Behördenangaben bei der zweiten Demonstration dieser Art rund 2.800 Menschen angesichts immer höherer Wohn- und Lebenshaltungskosten Beschränkungen für die Tourismusbranche, wie die Zeitung “La Vanguardia” berichtete. Gäste von Restaurants, die vor allem bei Urlaubern beliebt sind, wurden mit Wasserspritzen attackiert.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es solche Demos schon auf Mallorca sowie auf den Kanaren und im südspanischen Málaga. Nicht allein die Wohnkosten, sondern auch die Umweltbelastung, Staus, allgemeine Überfüllung, Wassermangel sowie die Überlastung des Gesundheitssektors und der Abfallentsorgung durch immer mehr Besucher empört viele Einheimische.

“Tourists go home. You are not welcome” stand in Barcelona auf mitgeführten Plakaten. Oder: “Reduzierung des Tourismus jetzt!”. Weil immer mehr Wohnungen in Ferienwohnungen umgewandelt worden sind, steigen die Kosten. Im vergangenen Jahrzehnt erhöhten sie sich in Barcelona um 68 Prozent. Manche Alteingesessene können sich solche Preise nicht leisten und werden in Trabantenstädte am Stadtrand verdrängt, junge Leute müssen weiter bei ihren Eltern wohnen.

Die Touristenmetropole hat gerade erst die Notbremse gezogen und im Kampf gegen Wohnungsnot angekündigt, die Vermietung von Ferienwohnungen solle bis Ende 2028 ganz abgeschafft werden, indem die Genehmigungen einfach nicht erneuert werden. Allerdings droht juristische Gegenwehr der Vermieter.

Die zunehmende Besucherzahl wird in Spanien für viele Probleme verantwortlich gemacht. Zuletzt hatten Tausende in Málaga gegen die immer größere Zahl ausländischer Touristen demonstriert und eine “Invasion” beklagt.

Bis Ende Mai wurden schon 33,2 Millionen ausländische Touristen in dem Land mit knapp 48 Millionen Einwohnern gezählt. Schätzungen gehen davon aus, dass es bis zum Jahresende 91 Millionen Urlauber werden könnten, die rund 125 Milliarden Euro in die spanischen Kassen spülen werden. Die Hochkonjunktur beim Tourismus beschert Spanien derzeit auch wesentlich bessere Wirtschaftsdaten als zum Beispiel Deutschland.

Kommentare

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6 Kommentare auf "Protest mit Wasserspritzen gegen Touristen in Barcelona"


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Doolin
Doolin
Kinig
13 Tage 21 h

…da ist’s auch bald so weit…

krokodilstraene
13 Tage 4 h

…und das Schlimmste sind die teilweise unverschämt billigen Flugtickets!!!
Wenn die Flüge das kosten würden, was sie aufgrund der Umweltrelevanz kosten müssten, könnten sich nicht sehr viele solche Flüge leisten….

Doolin
Doolin
Kinig
13 Tage 3 h

…zu uns kommen nicht viele mit Flugzeug, dennoch ersticken wir in der Touristenflut…

oschpile
oschpile
Tratscher
13 Tage 16 h

 große Treiber für Overtourism sind außerdem, wie schon oben erwähnt, die Sozialen Medien, allen voran die Plattform Instagram. Daraus hat sich ein neuer, junger Massentourismus entwickelt. Teilweise wird das Reiseziel sogar danach ausgesucht, wie gut es sich für Fotos eignet – Instagrammability nennt sich das dann.
Responsable tourism anstatt ouvertourism.

Astronaut
Astronaut
Grünschnabel
13 Tage 7 h

Das schnelle Reisen durch fliegen macht’s möglich. Heute wird kurz teleportiert zum Fototermin, vor 20Jahren war sowas eher teuer und noch nicht “in”.

Stefan.rab
Stefan.rab
Grünschnabel
10 Tage 5 h

Bessere Wirtschaftsdaten von denen die “normale” Bevölkerung nichts hat.
Warte nur auf die ersten Proteste bei uns. Aber wir kuschen ja nur vor den Lobbys

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