Gebürtige Wienerin gestand ihren Sohn getötet zu haben

Prozess in Leoben – Mutter tötete elfjährigen Sohn

Montag, 21. September 2026 | 12:05 Uhr

Von: importer

Eine 40-Jährige hat sich am Montag im Landesgericht Leoben wegen der Tötung ihres elfjährigen Sohnes verantworten müssen. Die Frau soll den Buben im Jänner mit Messern tödlich verletzt haben. Dann verletzte sie sich selbst, rief aber dann doch die Rettung. Für den Bub kam aber jede Hilfe zu spät. Vor Gericht gestand sie, ihren Sohn getötet zu haben. Sie habe Stimmen gehört und ihr Kind schützen wollen, rechtfertigte sie sich. Laut den Gutachtern war sie zurechnungsfähig.

Staatsanwältin Viktoria Steinegger warnte die Geschworenen vor den Schilderungen über dieses “schreckliche Verbrechen”: “Das ist keine leichte Kost und das wird Sie wahrscheinlich auch nach heute noch beschäftigen, aber ich kann Sie nicht schonen. Ich muss Ihnen die volle Wahrheit antun.” Die Anklägerin beschrieb, wie die Beschuldigte am 30. Jänner in ihrer Wohnung ihren Sohn mit mehreren Messern tödlich im Hals- und Brustbereich verletzt hat.

Laut zwei Gutachten war sie zurechnungsfähig

“Sie ist geständig. Sie gibt es zu”, so Steinegger. Und alle Beweise würden auch darauf hindeuten. “Sie war’s”, daran bestehe kein Zweifel. Als Motiv gab die Angeklagte nach der Tat an, dass sie Angst vor einem “satanischen Kult” hatte, der ihr und ihrem Sohn etwas antun wollte. Die Staatsanwältin meinte, dass die meisten Menschen wohl glauben könnten, dass jemand, der das seinem eigenen Kind antut, wohl krank sein müsse. “Aber nicht jeder Schwerstverbrecher ist psychisch krank”, sagte Steinegger. Und zwei Gutachten seien zum Schluss gekommen, dass die 40-Jährige zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war: “Sie hat keine schwerwiegende Erkrankung”, betonte die Anklägerin in ihrem Eröffnungsplädoyer.

Der Verteidiger der gebürtigen Wienerin erläuterte, dass die Angeklagte die Tat gesteht, die Frage sei aber, ob sie zurechnungsfähig war. Dazu müsse man mehr über ihre Vorgeschichte wissen. Sie habe zuletzt zwar ein “vorbildliches Leben” geführt, war als Schulassistentin tätig, sozial integriert, doch davor war sie viele Jahre lang schwer drogenabhängig und “Opfer schweren Missbrauchs, gleich wie ihr Sohn”, sagte der Verteidiger.

Vor “bösen Mächten schützen”

Mehrmals sei die Beschuldigte schon in Therapie gewesen, teilweise stationär. “Ihre Verschwörungstheorien wurden stärker”, schilderte der Jurist den Geschworenen. Ihr psychischer Zustand habe sich in den Tagen vor der Tat immer weiter verschlechtert und sie habe sich auch schon selbst das Leben nehmen wollen. Am 30. Jänner seien die Stimmen und “Gesänge” so stark geworden, dass sie das Gefühl hatte, dass sie nicht mehr auf ihren Sohn aufpassen könne und ihn umbringen müsse: “Sie dachte, sie könne ihn durch die Ermordung vor den bösen Mächten schützen”, erklärte ihr Verteidiger.

Sie selbst gab an, dass sie sich schuldig fühle und sie wolle auch keine Strafmilderung. Sie schilderte detailliert, was sich in den Tagen und Wochen davor in ihrem Kopf abgespielt hatte. Sie habe sich im Herbst davor “komplett verändert und entfremdet”: “Ich hatte die psychotische Vorstellung, dass jemand auf meine Gedanken zugreift. Ich habe Stimmen gehört, die mich und meinen Sohn in Gefahr brachten.” Zum Arzt sei sie allerdings nicht gegangen, “weil ich dachte, dass es ein spirituelles Problem” sei.

“Habe ganz schnell zugestochen”

Ende Jänner habe sie zunächst einen starken Selbsttötungsdrang verspürt: “Ich habe nicht mehr schlafen und essen können.” Sie nahm stark ab, ihr Zustand sei immer schlechter geworden. Am Morgen der Tat hatte sie das Gefühl, dass die “dunklen Mächte schon da” seien und es keinen Ausweg mehr gebe: “Ich wusste, ich musste ihn schützen. Er kam aus dem Zimmer und ich habe ganz schnell zugestochen”, schilderte sie Richter Roman Weiß beinahe emotionslos.

Nach der Befragung der Angeklagten werden noch drei Gutachten erörtert. Danach werden die Geschworenen in die Beratung gehen und entscheiden, ob sie für ihre Taten verantwortlich gemacht werden kann.

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