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Sanfte Strafe

Dienstag, 02. Juni 2026 | 01:26 Uhr

Von: mk

Bozen – Bunte Häuser, grüne Gärten und grasende Ziegen – die italienische Insel Gorgona im toskanischen Archipel wirkt wie ein Urlaubsparadies. Tatsächlich leben hier jedoch Schwerverbrecher. Rund 40 Kilometer von Italiens Festland entfernt befindet sich die einzige Gefängnisinsel Europas. Die Insassen dort versorgen sich selbst.

85 Männer leben derzeit auf Gorgona – Möder, Vergewaltiger, Schmuggler und andere verurteilte Straftäter. Untertags dürfen sich alle frei bewegen. Doch um 20.00 Uhr werden die Türen verriegelt – der Moment, in dem klar wird, dass es doch einen Haken an der Sache gibt. Die Insel bleibt ein Gefängnis.

Was sich wie ein skandinavisches Konzept von Strafvollzug anhört, ist mitten in Italien gelebte Realität: Statt die Strafe in den Vordergrund zu stellen, geht es hier um die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Weil sich die Häftlinge selbst versorgen – etwa durch Gartenbau, Viehwirtschaft und dem Backen von eigenem Brot, zählt nicht nur ihre Leistung, sondern auch ihre soziale Kompetenz und die Art, wie sie miteinander kommunizieren.

Außerdem gibt es klare Regeln: Die Gefangenen werden vom Wachpersonal jeden Morgen geweckt und müssen an ihrem Arbeitsplatz bleiben. Obwohl auf der Insel ein teurer Wein hergestellt wird, der pro Flasche 100 Euro kostet, herrscht für die Insassen striktes Alkoholverbot. Die Einnahmen kassiert der Staat.

Auf die Insel dürfen nur Gefangene, die sich anderswo bereits durch gute Führung hervorgetan haben – und es gibt viel Besuch. So finden immer wieder Lehrfahrten für Schulklassen auf die Insel statt.

Wenn Häftlinge gleich von Anfang an auf ihre Entlassung vorbereitet werden und dazu motiviert werden, zu arbeiten, eine Familie zu haben und Steuern zu zahlen, steigen die Chancen, dass der Teufelskreislauf aus Kriminalität und Rückfallquote durchbrochen wird. Das zeigen ähnliche Modelle aus Norwegen.

Bezirk: Bozen

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