Von: APA/dpa
Ein verzweigtes Betrugsnetzwerk im Darknet ist aufgeflogen: Der Betreiber der Plattform soll “in betrügerischer Absicht” Darstellungen von Kindesmissbrauch gegen Bezahlung mit Bitcoins angeboten haben, teilten die Ermittler am Freitag mit. Nach dem Kopf hinter dem Ganzen wird international gefahndet. Es handle sich um einen 35-jährigen Chinesen mit Wohnsitz in der Volksrepublik. In Österreich wurden vier Verdächtige ausgeforscht, die solches Material beziehen wollten.
“Insgesamt konnten vier männliche Tatverdächtige im Alter zwischen 21 und 38 Jahren identifiziert werden”, hieß es am Freitag auf APA-Anfrage. Es handle sich um zwei österreichische, einen bosnischen sowie einen ungarischen Staatsbürger in Niederösterreich, Oberösterreich, Tirol und der Steiermark. Der Ungar sei saisonal in einem Tiroler Hotel beschäftigt gewesen. In Zusammenarbeit mit den ungarischen Behörden fanden Hausdurchsuchungen sowohl in Österreich als auch in Ungarn statt.
Mehrere sichergestellte Datenträger werden nun ausgewertet. “Das Bundeskriminalamt geht mit voller Härte gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Durch die enge internationale Zusammenarbeit ist es jetzt gelungen, kriminelle Netzwerke zu zerschlagen, die im vermeintlichen Schutz der Anonymität agiert haben”, sagte BK-Direktor Andreas Holzer.
Hunderttausende Darknet-Seiten abgedreht
Mit der “Operation Alice” wurden mehr als 373.000 Seiten abgeschaltet und bisher 440 von rund 600 Tatverdächtigen – die Kunden – identifiziert, teilten Europol, das bayerische Landeskriminalamt, die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und das bayerische Justizministerium am Freitag in München mit. Seit fast fünf Jahren hatten die bayerischen Ermittler die Darknet-Plattform im Visier, auf der in letztlich betrügerischer Absicht vorrangig Abbildungen schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder angepriesen wurden. Insgesamt waren Polizeibehörden aus 23 Ländern in die Operation eingebunden.
Die Ermittlungen begannen Mitte 2021 und richteten sich zunächst gegen die Darknet-Plattform “Alice with Violence CP”. Im Verlauf Untersuchung stellten die Behörden fest, dass der Betreiber ein weit verzweigtes Netzwerk betrügerischer Webseiten aufgebaut hatte, die Material sexuellen Kindesmissbrauchs (CSAM) sowie Cybercrime-as-a-Service (CaaS)-Angebote offerierten.
Nachfrage “erschreckend groß”
Auch wenn letztlich nicht geliefert wurde: Die Fake-Shops hatten mit echten Missbrauchsdarstellungen geworben, betonte Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU). “Man darf nicht vergessen: Hinter jedem Bild, hinter jedem Video steht das unfassbare Leid eines Kindes.” Das Verfahren zeige auch, wie erschreckend groß die Nachfrage sei.
Die Behörden schätzen laut Europol, dass der Hauptverdächtige einen Gewinn von mehr als 345.000 Euro durch Zahlungen von rund 10.000 Kunden weltweit erzielt hat. Der Chinese betrieb demnach ein Netzwerk von bis zu 287 Servern, von denen sich 105 in Deutschland befanden. Indem sie für die – nie gelieferten – Kindesmissbrauchsabbildungen zahlten, wurden die Kunden selbst zu Verdächtigen, obwohl sie das Material nie erhielten, hielt die europäische Polizeibehörde fest.




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