Das steckt tatsächlich hinter der "Plage"

Schlangen in der Stadt: Ist das noch normal?

Freitag, 05. Juni 2026 | 07:56 Uhr

Von: mk

Bozen – Ein Foto auf Facebook-Gruppe, ein kurzes Video auf WhatsApp und schon geht das Gerücht um: Bozen wird von Schlangen überrannt. Doch die Realität sieht deutlich nüchterner aus, als es die Aufregung in den sozialen Netzwerken vermuten lässt. Die Feuerwehr hat in Bozen im Zeitraum vom 1. April bis zum 4. Juni 2026 Bilanz gezogen: Gerade einmal zehn Schlangeneinsätze wurden verzeichnet. In sechs Fällen wurden die Reptilien behutsam eingefangen und an sicheren Orten wieder ausgesetzt.

Dass gefühlt an jeder Straßenecke eine Schlange vermutet wird, liegt laut Experten vor allem an der digitalen Echokammer. Taucht ein Reptil im urbanen Raum auf, verbreiten sich die Bilder im Netz rasant. Das verzerrt die Wahrnehmung der Bürger und nährt den Mythos eines Schlangen-Booms.

Tatsächlich handelt es sich bei den jüngsten Sichtungen um ein völlig natürliches Phänomen. Dass sich die Tiere aktuell vermehrt zeigen, liegt am Wetter: Der lang anhaltende, kalte Frühling hat das Erwachen der Reptilien aus dem Winterschlaf in diesem Jahr schlicht nach hinten verschoben. Nun drängt es sie ins Freie. Bei den gesichteten Tieren handelte es sich zudem fast ausschließlich um harmlose Arten wie die Äskulap- oder die Zornnatter.

„Die Begegnungen im Alltag betreffen fast immer völlig ungiftige Arten“, beruhigt Ivan Plasinger, Präsident des Vereins Herpeton, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ANSA. „In Südtirol sind die Tiere vor allem im Mai nach dem Erwachen und im Oktober auf der Suche nach den letzten warmen Sonnenstrahlen aktiv.“

Auch vor den einheimischen Giftschlangen muss niemand in Panik verfallen. Bei rund 540.000 Einwohnern und Millionen von Touristen werden in ganz Südtirol jährlich im Schnitt nur vier Kreuzotter- bzw. Vipernbisse registriert. „Die Aspisviper meidet das Stadtzentrum und bleibt lieber am Stadtrand. Wenn sie sich überhaupt mal in urbane Zonen verirrt, dann nur im Frühjahr“, so Plasinger.

Richtiges Verhalten

Wer beim Spaziergang oder im Garten auf eine Schlange trifft, sollte vor allem eines: Ruhe bewahren. Experten raten dazu, Abstand zu halten – mindestens einen Meter – und ein Foto zu machen. Anschließend kann man die Feuerwehr oder den Verein Herpeton kontaktieren. Die Fachleute können anhand des Bildes schnell Entwarnung geben oder – falls es sich doch um eine Viper handelt – das Tier fachgerecht entfernen.

Bezirk: Bozen

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