Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Rund eine Stunde vor dem Einsturz des Gerichtsgebäudes in Bozen sollen Überwachungskameras bereits erste Anzeichen für die spätere Katastrophe aufgezeichnet haben. Das berichtet am Donnerstag die Zeitung Alto Adige. Auf den Aufnahmen sei zu sehen, wie gegen 5.30 Uhr Staub und kleinere Trümmerteile von oben herabfielen. Der verheerende Teileinsturz ereignete sich dann schließlich gegen 6.20 Uhr.
Die Aufnahmen könnten für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein. Nach ersten Vermutungen könnten Staub und Bauschutt aus Rissen gestammt haben, die sich im Bereich der laufenden Baustelle gebildet hatten.
Zum Zeitpunkt des Einsturzes hielten sich der Portier und sechs Reinigungskräfte im Gebäude auf. Eine Reinigungskraft wurde leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bekanntermaßen gegen fünf Personen wegen des Verdachts auf fahrlässige Verursachung eines Unglücks.
Sicherungsarbeiten laufen weiter
Unterdessen gehen die Arbeiten zur Sicherung des Gebäudes weiter. Auf dem Gerichtsplatz vor der Einsturzstelle steht mittlerweile ein enormes Gerüst. Zunächst sollen lose und herabhängende Gebäudeteile entfernt werden. Anschließend sind Abstützungen und Verstärkungen vorgesehen. Besonders betroffen ist offenbar ein Büro im linken Gebäudetrakt neben dem Büro des Staatsanwalts. Dort soll der Boden eine leichte Neigung aufweisen.
Erst wenn die oberen Gebäudeteile gesichert sind, können die noch zugänglichen Bereiche gefahrloser betreten und zurückgelassene Akten und Materialien geborgen werden. Zudem sollen die Gutachter im Rahmen des sogenannten Beweissicherungsverfahrens Zugang zum Gebäude erhalten.
Staatsanwaltschaft nimmt Arbeit auf
Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen ihren vorübergehenden Sitz in der Rittner Straße bezogen. Staatsanwalt Axel Bisignano sowie vier Staatsanwälte haben ihre Arbeit dort bereits aufgenommen.
Die Strafverhandlungen am Bozner Gericht sollen hingegen erst im Oktober wieder beginnen. Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti hatte diesen Zeitraum als Ziel für die Wiederaufnahme des Strafbereichs genannt. Bis dahin laufen die organisatorischen Vorbereitungen für die Rückkehr zum regulären Gerichtsbetrieb.
Die Gerichtspräsidentin und das Verwaltungspersonal sind vorübergehend im vierten Stock des Gebäudes in der Freiheitsstraße 23 untergebracht, wo sich unter anderem das Oberlandesgericht und das Jugendgericht befinden.




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