Viele wünschen sich, dass der Fall endlich vor Gericht landet

Tausende gedenken in Novi Sad der Opfer des Bahnhofunglücks

Sonntag, 01. November 2026 | 12:51 Uhr

Von: importer

Tausende Menschen haben am Sonntag an den zweiten Jahrestag des Einsturzes des Bahnhofvordaches in Novi Sad gedacht. Bei dem Unfall waren am 1. November 2024 16 Personen ums Leben gekommen, nur eine Person überlebte. Das Bahnhofsgebäude war erst kurz zuvor im Rahmen der Bauarbeiten an der Eisenbahnstrecke zwischen Novi Sad und der ungarischen Grenze renoviert worden. Das Unglück war Ursache für landesweite Studentenproteste und eine fast einjährige Blockade staatlicher Unis.

Ziel der Proteste war es, die Rechtsstaatlichkeit in Serbien wiederherzustellen. Die Gedenkfeier verlief auch in der klaren Hoffnung, dass die Verantwortlichen für den Unfall nun auch vor Gericht kommen würden.

Falsche Behauptung von Vučić

Der damalige serbische Präsident Aleksandar Vučić erklärte jedoch gleich nach dem Unfall, dass das Vordach nicht renoviert worden sei. Die Behauptung stellte sich als falsch heraus, da es zahlreiche Fotos von den Bauarbeiten gab. Auch Ermittlungen einer unabhängigen Expertengruppe bestätigten daraufhin die Arbeiten am Vordach, das demnach offensichtlich überbelastet wurde. Die Öffentlichkeit führte den Unfall auf Korruption und ausgebliebene Kontrolle der Bauarbeiten zurück. Trotz dreier Ermittlungen, die in dieser Causa geführt wurden, gab es bisher noch keinen Gerichtsprozess.

Höchste Staatsfunktionäre bezeichneten die Demonstranten immer wieder mit Schimpfworten und beschuldigten sie, eine bunte Revolution im Lande umsetzen zu wollen. Durch ihre landesweiten Aktionen gelang es den Studenten, die immer mehr übermäßiger Polizeigewalt und Angriffen der “Loyalisten” ausgesetzt waren, breite Bevölkerungsschichten zu mobilisieren. Die “Loyalisten” waren eigentlich von der damals regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) organisierte Schlägertruppen.

Wahlsieg für Studentenliste

Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag sicherte sich die Studentenliste mehr als 53 Prozent der Stimmen, die SNS kam auf knapp 39 Prozent. Vučić bestätigte die SNS-Niederlage, unterließ es aber nicht, die Wahlsieger auch bei dieser Gelegenheit als “Blockierer” (blokaderi) zu bezeichnen.

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