Kundgebung läuft

Brennersperre heute – Die aktuelle Lage

Freitag, 29. Mai 2026 | 17:34 Uhr
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Von: apa

Brenner – Wegen einer Demonstration im Wipptal ist der Brennerkorridor am heutigen Samstag für mehrere Stunden gesperrt. Bisher blieb das befürchtete Verkehrschaos aus – doch ab 10.30 Uhr gilt: kein Durchkommen mehr. Die Aktuelle Lage heute Vormittag zeigte, dass zwei Stunden vor Beginn der Sperre sich die Brennerautobahn A22 ungewohnt leer präsentiert. Kaum Lkw, so gut wie keine Pkw – die Fahrzeit zwischen Bozen und dem Brennerpass betrug deutlich unter einer Stunde. Auch der österreichische Autofahrerclub ÖAMTC meldet eine überraschend entspannte Lage: „Es ist im Moment ruhiger als sonst“, so ein Sprecher. Erwartet worden war, dass viele Urlauber versuchen würden, den Pass noch vor Beginn der Sperre zu überqueren – dieser Ansturm blieb bisher aus.

Aktuelle Lage

Die Lage bleibt ruhig – zumindest vorerst. Die bayerische Polizei rechnet jedoch damit, dass nach Ende der Demonstration ein Nachholeffekt einsetzt. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd empfiehlt Autofahrern, die Rückreise möglichst auf Montag zu verschieben, um den Verkehr zu entzerren.

Unterdessen schickt die Tiroler Polizei Lkw im Transitverkehr bereits an der Grenze bei Kufstein nach Deutschland zurück. Damit soll verhindert werden, dass sich auf den Zufahrtsstrecken lange Staus aufbauen. Zu kleineren Diskussionen zwischen Lkw-Fahrern und Grenzbeamten kam es laut ADAC vereinzelt, größere Zwischenfälle blieben jedoch aus.

In Matrei am Brenner hat unterdessen die Protestkundgebung begonnen. Nach Schätzungen von Reportern vor Ort kamen mehrere tausend Menschen zur Demonstration – weit mehr als Initiator und Bürgermeister Karl Mühlsteiger im Vorfeld erwartet hatte. Er hatte erklärt, bereits mit ein paar hundert Teilnehmern zufrieden zu sein.

Freitag: Stau bis zu 14 Kilometer – dann Entspannung

Bereits am Freitag zeigte sich, was viele befürchtet hatten: Zahlreiche Transportunternehmen und Urlauber versuchten, den Brenner noch vor der Sperre in Richtung Süden zu passieren. Das sorgte auf der Tiroler Brennerautobahn A13 für überdurchschnittlich starkes Verkehrsaufkommen mit Staus und Verzögerungen – erschwerend kam hinzu, dass sich der Reiseverkehr mit dem morgendlichen Berufsverkehr vermischte. An der Mautstelle Schönberg staute es sich laut Berichten auf bis zu 14 Kilometer. Am Vormittag beruhigte sich die Lage jedoch wieder und der Verkehr floss in einem für einen Freitag zu dieser Jahreszeit normalen Ausmaß, wie ein Sprecher der Verkehrspolizei gegenüber der APA erklärte.

Was gilt heute am Brenner?

Ab 10.30 Uhr wird die Brennerautobahn A22 auf Südtiroler Seite in Fahrtrichtung Norden gesperrt. Alle Fahrzeuge müssen die Autobahn spätestens bei der Ausfahrt Sterzing verlassen. Sollte der Rückstau stark werden, kann die Sperre weiter südlich – etwa in Brixen, Klausen oder sogar Bozen – beginnen.

Auf österreichischer Seite sind die Brennerautobahn A13 und die Brennerbundesstraße B182 zwischen Staatsgrenze und Schönberg von 11 bis 19 Uhr in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Auf der Brennerstraße B182, der Ellbögener Straße L38 und der Stubaitalstraße B183 ist zudem nur der Ziel- und Quellverkehr erlaubt – wer passieren möchte, muss einen entsprechenden Nachweis erbringen, etwa eine Hotelbuchung oder einen Lieferschein. Radfahrer dürfen die Landstraße weiterhin nutzen.

Die eigentliche Protestversammlung bei Matrei am Brenner findet von 13 bis 16.30 Uhr statt.

Lkw-Fahrverbot im gesamten Land

Besonders einschneidend sind die Maßnahmen für den Schwerverkehr: Für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen gilt am heutigen Samstag von 7 bis 20 Uhr ein Fahrverbot auf dem gesamten Südtiroler Straßennetz – also nicht nur auf der Brennerautobahn, sondern auch auf wichtigen Ausweichrouten wie der Vinschger und der Pustertaler Staatsstraße. Ausnahmen gelten für bestimmte Transporte, etwa von verderblichen Lebensmitteln, Tieren oder Treibstoffen.

Auch abseits des Brenners mehr Verkehr erwartet

Die Landesverkehrsmeldezentrale erwartet erhöhtes Verkehrsaufkommen nicht nur entlang der Brennerachse. Auch im Vinschgau, im Pustertal und in anderen Landesteilen ist mit Behinderungen zu rechnen. In Österreich empfiehlt der ÖAMTC, Tirol großräumig zu umfahren – mit stärkerem Reiseverkehr auf der Tauernautobahn A10 und der Pyhrnautobahn A9 ist zu rechnen. Auch am Sonntag sind Auswirkungen zu erwarten, da ein Teil des Verkehrs erfahrungsgemäß auf den Tag nach der Sperre verlagert wird.

Das Land hat sich auf die Situation vorbereitet: Eine eigene Leitstelle wurde eingerichtet, die Verkehrsüberwachung ausgebaut und die Polizeipräsenz entlang der Brennerachse verstärkt. Freiwillige Feuerwehren und Rettungsorganisationen stehen in erhöhter Bereitschaft.

Die wichtigsten Sperrzeiten im Überblick

  • Lkw-Fahrverbot Südtirol: Samstag, 30. Mai, 7 bis 20 Uhr
  • A22 Richtung Norden: Samstag, 30. Mai, 10.30 bis 20 Uhr – Ausfahrt spätestens Sterzing
  • A13 / B182 Österreich: Samstag, 30. Mai, 11 bis 19 Uhr
  • Demonstration bei Matrei am Brenner: 13 bis 16.30 Uhr
  • Empfehlung der Behörden: Unnötige Fahrten vermeiden, mehr Zeit einplanen, vor Abfahrt aktuelle Verkehrslage prüfen.

Warum wird demonstriert – und warum durfte die Demo überhaupt stattfinden?

Hintergrund der Sperrung ist eine Demonstration der Wipptaler Bevölkerung gegen die wachsende Transitbelastung. Initiiert wurde sie von Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner, der den Antrag als Privatperson stellte. „Das ist ein Hilfeschrei des Wipptales, dass es so mit dem Transit nicht mehr weitergehen kann”, sagte er. Die Forderungen: besserer Lärmschutz, Beibehaltung des Nacht- und Feiertagsfahrverbots sowie höhere Lkw-Maut.

Der Weg zur Genehmigung war jedoch alles andere als einfach: Die Bezirkshauptmannschaft hatte die Demo gleich zweimal untersagt. Erst das Tiroler Landesverwaltungsgericht gab einer Beschwerde statt – mit der Begründung, eine Demonstration gegen Verkehrsbelastung wegen eben dieser Verkehrsbelastung zu verbieten, führe die Versammlungsfreiheit ad absurdum. Die Demo durfte damit nicht mehr untersagt werden.

Seit Eröffnung der Brennerautobahn in den 1960er-Jahren hat sich das Verkehrsaufkommen laut Asfinag fast versiebenfacht. 2025 nutzten knapp elf Millionen Autos und 2,5 Millionen Lkw die mautpflichtige Strecke – bei den Lkw entspricht das einem Zuwachs von rund 40 Prozent seit 2010.

Bezirk: Wipptal

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