Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Südtirol lässt sich gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden. Ein Tourist hat dabei allerdings eine Fahrt mit dem Bus 180 erlebt, bei der gleich mehrere Probleme zusammenkamen. In einem Erfahrungsbericht vom gestrigen Sonntag schildert er unter anderem einen verpassten Anschluss, überfüllte Busse, Schwierigkeiten mit den Türen und Probleme beim Aussteigen und der Gepäckausgabe.
Südtirol ist bekannt für seine Berge, seine Gastfreundschaft und ein öffentliches Verkehrssystem, das dem Besucher ermöglicht, das Auto stehen zu lassen. Manchmal ermöglicht es ihm sogar noch etwas mehr: Geduld zu üben, seinen Gleichgewichtssinn zu entwickeln und sich mit der Funktionsweise von Bustüren eingehender zu beschäftigen, als er es während eines Urlaubstages eigentlich vorgesehen hatte.
Die Fahrt begann an der Rittner Seilbahn. Laut Südtirolmobil-App waren für den Umstieg auf den Bus 180 in der Brennerstraße lediglich zwei Minuten vorgesehen. Für den Touristen und seine Begleiter war diese Zeit nicht ausreichend.
Zwei Minuten sind eine interessante Zeiteinheit. Sie reichen zum Zähneputzen, für einen Espresso im Stehen und offenbar nach Auffassung der Fahrplangestaltung auch dazu, aus einer Seilbahn auszusteigen, sich zu orientieren, zur entsprechenden Bushaltestelle zu gelangen und dort den Bus 180 zu erreichen. Wir schafften es nicht. Der Bus war weg. Der nächste kam eine Stunde später. So lernten wir gleich zu Beginn eine wichtige touristische Tugend Südtirols kennen: Entschleunigung.
Der nächste Bus war laut der Schilderung bereits nahezu voll. Mehrfach hätten Fahrgäste zudem Schwierigkeiten gehabt, die Türen zu öffnen. Eine hintere Tür habe sich gar nicht beziehungsweise nicht vollständig geöffnet. Das habe unter anderem die Mitnahme und spätere Ausstieg eines Kinderwagens erschwert.
Mehrfach wollten Fahrgäste aussteigen, doch dem Fahrer gelang es nicht, die Tür zu öffnen. Ein Teil der hinteren Tür öffnete überhaupt nicht. Besonders anschaulich wurde das bei einem Kinderwagen: Er konnte wegen der nicht vollständig öffnenden Tür zunächst nicht hinein und später entsprechend schwierig wieder hinaus.
Auch beim Aussteigen und bei der Gepäckausgabe kam es laut dem Bericht zu Problemen. An einer Haltestelle sei der Bus wieder losgefahren, obwohl sich noch Fahrgäste auf dem Weg zur Tür befunden hätten.
Auf den Hinweis darauf erklärte er sinngemäß, er habe niemanden gesehen, der noch aussteigen wollte.
Zudem hätten Reisende Mühe gehabt, an ihr Gepäck im seitlichen Gepäckraum zu gelangen. Weil sie befürchteten, der Bus könnte weiterfahren, habe sich schließlich ein Tourist vor den Bus gestellt.
Gleichzeitig seien so viele Menschen an Bord gewesen, dass zahlreiche Fahrgäste im Gang stehen mussten, teilweise bis in den vorderen Türbereich. Gerade auf der kurvenreichen Strecke empfand der Verfasser die Situation als unangenehm und mit Blick auf die Sicherheit problematisch.
“Kein Ausreißer”
Auch die Rückfahrt verlief laut dem anonymen Touristen nicht reibungslos. Wieder seien viele Fahrgäste im Gang gestanden. Zudem habe der Fahrer während eines Großteils der rund einstündigen Fahrt über Bluetooth telefoniert beziehungsweise ein Gespräch geführt. Mehrere Fahrgäste, die aussteigen wollten, seien deshalb nicht rechtzeitig wahrgenommen worden und hätten schließlich später am Straßenrand aussteigen müssen.
Der Verfasser betont, dass es ihm nicht um einen einzelnen verspäteten Bus oder eine defekte Tür gehe. Vielmehr habe die Häufung verschiedener Probleme den Eindruck hinterlassen, dass das System an einem stark frequentierten Ausflugstag an seine Grenzen gekommen sei.
Südtirol wirbt zu Recht damit, dass Gäste die Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln entdecken können“, schreibt der Tourist. Gerade deshalb müsse das Angebot auch bei hohem Andrang zuverlässig funktionieren. An Gästen, die sie benutzen würden, scheint es jedenfalls nicht zu fehlen. Vielleicht wäre das sogar die schönste Fortsetzung des Südtiroler Mobilitätsgedankens: Dass der Gast, nachdem man ihn erfolgreich davon überzeugt hat, sein Auto stehen zu lassen, nicht irgendwann beginnt, es zu vermissen.




Aktuell sind 11 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen