Von: apa
Innsbrucks Uni-Klinik für Kardiologie hat mit dem Wiener AKH an einer internationalen Studie mitgewirkt, die sich mit der Behandlung akuter Lungenembolien beschäftigt – und zwar mittels eines Katheterverfahrens. Bei ausgewählten Patienten mit intermediärem Risiko seien klare Hinweise für einen Nutzen festgestellt worden, so der Angiologe und Co-Autor Markus Theurl im APA-Gespräch. Die Methode sei nun zwar nachweislich sicher und effektiv, aber noch keine Standardtherapie.
“In den nächsten ein bis zwei Jahren werden noch viele ähnliche Studien veröffentlicht werden”, erklärte der Experte von der Medizinischen Universität Innsbruck. Die hiesige Uni-Klinik sei dabei mit der Universitätsklinik für Kardiologie des AKH Wien unter den vier Zentren mit den meisten eingeschlossenen Patienten gewesen. Die wissenschaftliche Leitung der Studie sei federführend durch Kollegen der Universitätsklinik Mainz sowie des amerikanischen PERT-Konsortiums erfolgt, berichtete Theurl.
Mit Katheter direkt zum Gerinnsel
In der Studie wurde eine ultraschallunterstützte sowie kathetergestützte Fibrinolyse (Abbau von Blutgerinnseln) mit der bisherigen Standardtherapie verglichen. Dabei wurde ein Katheter über die Leiste in die Lungenschlagader vorgeschoben. Dort wurde ein Medikament direkt am Gerinnsel abgegeben, um dessen Auflösung zu beschleunigen und eine raschere Entlastung des Herzens herbeizuführen. Die Standardbehandlung habe bisher vor allem in einer Blutverdünnung über die Vene oder in Tablettenform bestanden, sagte Theurl.
In der Studie wurden insgesamt 544 Patienten mit Lungenembolie und intermediärem Risiko an 59 Zentren in den USA und acht europäischen Staaten untersucht. Diese seien zwar kreislaufstabil gewesen, hätten aber bereits Belastungszeichen des Herzens, einen erhöhten Sauerstoffbedarf oder eine deutlich erhöhte Herzfrequenz gezeigt, berichtete der Forscher. Der primäre kombinierte Endpunkt – also ein Zielkriterium, bestehend aus mehreren Einzelereignissen – trat laut Studie bei vier Prozent in der untersuchten Interventionsgruppe und bei 10,3 Prozent in der Kontrollgruppe auf. In diesem Fall umfasste der kombinierte Endpunkt den lungenemboliebedingten Tod, kardiorespiratorischen Kollaps oder ein symptomatisches Rezidiv innerhalb von sieben Tagen.
Keine allgemeine Standardtherapie
Hinsichtlich der Sterblichkeit gab es zwischen den Behandlungsgruppen indes keinen Unterschied. Für Aussagen zur Sterblichkeit sei die Studie aber auch zu klein gewesen, sagte der Mediziner. Zudem sei die Todesrate insgesamt sehr niedrig gewesen, was die sehr gute Basisversorgung von Patienten mit Lungenembolie widerspiegelt. Beim Blutungsrisiko habe es numerisch etwas mehr Blutungen gegeben, aber keine Hirnblutungen und keine relevanten Unterschiede bei schweren Blutungen. “Momentan sollte man jedenfalls immer noch von Fall zu Fall entscheiden”, ordnete Theurl die Studienergebnisse ein.
Infrage kämen vor allem Patienten mit Zeichen von Rechtsherzbelastung, erhöhten Herzwerten und hohem Sauerstoffbedarf sowie Patienten, bei denen unter der konservativen Therapie eine klinische Verbesserung ausbleibt. Die Entscheidung solle idealerweise interdisziplinär getroffen werden, etwa durch Kardiologie, Angiologie, Anästhesie, Intensivmedizin und Radiologie, betonte Theurl.
Zusammenarbeit Peripherie-Zentrum wichtig
Für die Anwendung solcher kathetergestützter Verfahren ist laut Theurl ein entsprechendes Katheterlabor erforderlich. Damit sei das Verfahren eher an größeren Gesundheitszentren verfügbar. “Die Zusammenarbeit zwischen peripheren Häusern und den Zentren wird daher besonders wichtig werden”, sagte der Kardiologe und Angiologe.
“Die Lungenembolie ist die dritthäufigste kardiovaskuläre Todesursache nach Herzinfarkten und Schlaganfall”, betonte der Mediziner. Davon hätten rund 75 Prozent der Patienten ein niedriges Risiko, rund fünf Prozent eine Hochrisiko-Lungenembolie und rund 20 Prozent ein intermediäres Risiko. Für diese neue kathetergestützte Therapie kämen folglich nicht alle Lungenembolie-Patienten infrage, erklärte Theurl. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht und vom US-amerikanischen Medizintechnikhersteller “Boston Scientific” gesponsert.




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