Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Zwei mutmaßliche professionelle Einbrecher sollen seit Monaten auf der Flucht sein. Die Staatsanwaltschaft Bozen ermittelt gegen den Fahri Ebenbichler (38) und den ebenfalls Spahiu Ljabinot (38). Beide stammen aus dem Kosovo und werden mit einer Reihe spektakulärer Einbrüche im Jahr 2025 in Verbindung gebracht.
Im Visier der Ermittler stehen unter anderem mehrere Einbrüche in Banken und Hotels, schreibt die Zeitung Alto Adige. Im Jänner 2025 sollen die beiden zunächst versucht haben, in den Sitz des Bestattungsunternehmens „Gratiam Vitae“ in der Vittorio-Veneto-Straße in Brixen einzudringen. Die Täter schlugen laut Ermittlungen Wände ein und verwüsteten Möbel und Computer. Ihr eigentliches Ziel soll ein nahegelegener Bankomat der Sparkasse gewesen sein – an das Geld gelangten sie jedoch nicht.

Nur vier Tage später soll die Bande die Raiffeisenkasse in Frangart ins Visier genommen haben. Diesmal war der Coup erfolgreich: Rund 100.000 Euro sollen die Täter erbeutet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass ein Komplize während des Einbruchs als Aufpasser fungierte. Die maskierten Täter sollen sich rund eine halbe Stunde im Gebäude aufgehalten haben.
Darüber hinaus werden Ebenbichler und Ljabinot mit weiteren Einbrüchen in den Hotels Sonne in Toblach sowie Hotel Riega und Waldheim in Sexten in Verbindung gebracht. Als der Fahndungsdruck in Südtirol zunahm, sollen die Verdächtigen ihre Aktivitäten nach Venetien verlagert haben.
Am 2. April 2025 sollen sie mit zwei Fahrzeugen mit österreichischen beziehungsweise Schweizer Kennzeichen nach San Pietro di Cadore in der Provinz Belluno gefahren sein. Dort versuchten sie laut Ermittlungen, den Tresor eines Bankomaten in einer Volksbank-Filiale aufzubrechen. Dabei sollen ihnen mehrere Fehler unterlaufen sein. Die Ermittlungen führten die Carabinieri schließlich zu einem Bed & Breakfast nahe dem Bahnhof in Udine, wo sich die beiden Männer aufgehalten haben sollen. Es erfolgte die Festnahme.
Justizchaos: Haft aufgehoben – jetzt auf der Flucht
Ebenbichler und Ljabinot saßen mehrere Monate in Untersuchungshaft. Im Jänner dieses Jahres hob das Überprüfungsgericht in Venedig die Haft jedoch auf. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden aber noch nicht wegen der Taten ins Ermittlungsregister eingetragen, die nun von der Bozner Staatsanwaltschaft untersucht werden.
Erst nach ihrer Freilassung verschärfte sich ihre Lage: Im Mai hob der Kassationsgerichtshof auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft die Entscheidung des Haftprüfungsgerichts wieder auf. Die Richter kritisierten die Begründung als unlogisch und stuften die beiden kosovarischen Staatsbürger als Personen mit einer „hohen kriminellen Professionalität“ ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Männer jedoch bereits untergetaucht. Sie gelten offiziell als flüchtig.
Allein in Südtirol sollen bei den ihnen zugeschriebenen Einbrüchen Schäden in Höhe von mehreren Zehntausend Euro entstanden sein. Hinzu kommt die mutmaßliche Beute von rund 100.000 Euro aus dem Banküberfall in Frangart.
Wenn eine Person, gegen die eine Untersuchungshaft angeordnet wurde, nicht auffindbar ist, erstellt die Justizpolizei in der Regel ein Protokoll über die ergebnislosen Fahndungsmaßnahmen. Das Gericht erlässt daraufhin einen Haftbefehl wegen Flucht. Ab diesem Moment gilt die ursprüngliche Haftanordnung als vollstreckbarer Haftbefehl für alle Polizeikräfte im gesamten Staatsgebiet.
Für die beiden Männer gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.




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