Von: Redaktion Südtirol News
Bozen – Die Radiologie macht sichtbar, was dem menschlichen Auge verborgen bleibt und liefert entscheidende Informationen für Diagnose und Behandlung. Zum Welttag der Radiologie am 8. November gibt Dr.in Federica Ferro, Primaria der Radiologie im Gesundheitsbezirk Bozen, Einblicke in ein Fachgebiet, das aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken ist.
Ein Schatten auf einem Röntgenbild, ein auffälliger Befund im MRT oder eine winzige Veränderung im Gewebe: Radiologische Bilder enthalten oft Hinweise, die für Patientinnen und Patienten nicht unmittelbar erkennbar sind. Für Radiologinnen und Radiologen können selbst kleinste Veränderungen wichtige Anzeichen für eine Erkrankung sein. In Verbindung mit den klinischen und laborchemischen Befunden helfen sie, Krankheiten zu erkennen und die passende Behandlung zu planen. „Die Radiologie ist heute eine der tragenden Säulen der modernen Medizin. Sie ermöglicht es, den menschlichen Körper ohne operative Eingriffe zu untersuchen, Erkrankungen zu erkennen und ihren Verlauf zu beurteilen. Von der Früherkennung bis zur Kontrolle des Behandlungserfolgs begleitet die bildgebende Diagnostik Patientinnen und Patienten durch den gesamten Krankheitsverlauf“, erklärt Dr.in Federica Ferro.
Die Radiologie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm weiterentwickelt. Neben dem klassischen „Durchleuchten“ gehören heute Ultraschall, Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zum diagnostischen Alltag. Jede Methode hat ihre besonderen Einsatzgebiete: „Es gibt nicht die eine beste Untersuchungsmethode. Entscheidend ist, welche Information wir benötigen und welche Untersuchung dafür am besten geeignet ist. Das Röntgen ist beispielsweise bei Erkrankungen des Brustkorbs und des Bewegungsapparates unverzichtbar. Ultraschall eignet sich besonders für Bauchorgane und Blutgefäße, CTs liefern detaillierte Bilder und sind vor allem in Notfallsituationen und in der Onkologie wichtig. MRTs wiederum ermöglichen eine besonders genaue Darstellung von Geweben und kommen unter anderem bei Untersuchungen des Nervensystems, der Gelenke und des Bewegungsapparates zum Einsatz“, so Ferro.
Eine wichtige Ergänzung ist die interventionelle Radiologie: Dabei dienen bildgebende Verfahren als präzise Orientierung für minimalinvasive Eingriffe, etwa um gezielt Gewebeproben zu entnehmen oder Behandlungen durchzuführen.
Auch hinsichtlich der Sicherheit unterscheiden sich die Verfahren: Röntgen und CT arbeiten mit ionisierender Strahlung, Ultraschall und MRT kommen ohne diese aus. „Untersuchungen mit Röntgenstrahlung werden nur dann durchgeführt, wenn sie medizinisch notwendig sind und der erwartete Nutzen das mögliche Risiko überwiegt. Dank moderner Technologien und individuell angepasster Untersuchungsprotokolle können wir heute Bilder von hoher Qualität mit möglichst geringer Strahlendosis erstellen. Eine Mammographie beispielsweise ist mit einer vergleichsweise geringen Strahlenbelastung verbunden. Bei einem Screening-Programm muss dieses Risiko dem großen Nutzen einer möglichen Früherkennung von Brustkrebs gegenübergestellt werden. Entscheidend ist, die jeweils passende Methode gezielt und so sicher wie möglich einzusetzen“, betont die Primaria.
Hinter einer funktionierenden radiologischen Versorgung steht ein ganzes Team. Neben den Ärztinnen und Ärzten tragen medizinische Radiologietechnologinnen und -technologen sowie das Krankenpflegepersonal wesentlich dazu bei, dass die Untersuchungen professionell und sicher durchgeführt werden. In allen sieben Krankenhäusern des Südtiroler Sanitätsbetriebes steht spezialisiertes Personal bereit, um auch nachts, an Wochenenden und in Notfallsituationen rasch die notwendigen Untersuchungen durchzuführen – eine für die Patientinnen und Patienten oft unsichtbare, im entscheidenden Moment aber mitunter lebensrettende Leistung.
Allein im Gesundheitsbezirk Bozen werden jährlich rund 115.000 Röntgenaufnahmen, knapp 33.500 CT- und mehr als 12.500 MRT-Untersuchungen durchgeführt und befundet. Hinzu kommen rund 11.500 Ultraschalluntersuchungen, 15.500 Mammographien und Brustultraschalluntersuchungen, mehr als 8.500 Mammographie-Screenings sowie über 1.100 interventionell-radiologische Eingriffe. Insgesamt sind es das knapp 198.000 diagnostische Leistungen pro Jahr. Fast 70.000 davon entfallen auf Patientinnen und Patienten der Notaufnahme, knapp 39.000 auf stationär aufgenommene Personen. „Radiologie ist Teamarbeit. Der regelmäßige Austausch mit den Fachleuten anderer medizinischer Disziplinen ist entscheidend. Erst durch diese interdisziplinäre Zusammenarbeit werden aus Bildern konkrete Entscheidungen für den weiteren Behandlungsweg“, erklärt Ferro.
Für die Primaria ist der Welttag der Radiologie auch eine Gelegenheit, die Menschen hinter den Bildern in den Mittelpunkt zu stellen. „Ich finde die Radiologie nach wie vor ausgesprochen spannend, weil sie sich ständig weiterentwickelt und technologische Innovation, medizinisches Fachwissen, Austausch und Verantwortung miteinander verbindet. Besonders erfüllend ist für mich auch die Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Es ist schön zu sehen, wie sie von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen begleitet werden, sich weiterentwickeln und zu selbstständigen, kompetenten Fachleuten werden. Wenn alle Berufsgruppen ihre jeweiligen Kompetenzen zum Wohl der Patientinnen und Patienten einsetzen, zeigt sich, was eine gute radiologische Versorgung ausmacht.“




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