Ermittler zweifeln an Version des Motorradfahrers

Wende nach schwerem Unfall in Bozen

Dienstag, 25. August 2026 | 08:33 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Bozen – Nach dem schweren Unfall an der Kreuzung zwischen Bari- und Alessandriastraße am vergangenen Freitag scheint sich die Rekonstruktion der Ereignisse grundlegend zu verändern. Entgegen der ersten Darstellung des 27-jährigen Motorradfahrers gehen die Ermittler inzwischen offenbar nicht mehr davon aus, dass ein Renault Clio den Unfall verursacht hat.

Der junge Bozner hatte gegenüber der Stadtpolizei angegeben, das Auto habe ihm die Vorfahrt genommen und ihn zu einem abrupten Ausweichmanöver gezwungen. Dabei sei er mit seiner Kawasaki von der Fahrbahn abgekommen und habe eine 79-jährige Frau erfasst. Anschließend habe er die vermeintliche Unfallverursacherin noch kurz verfolgt und sich einige Kennzeichenfragmente gemerkt.

Nach den bisherigen Ermittlungen des Unfallkommandos der Stadtpolizei soll die Renault allerdings keine entscheidende Rolle gespielt haben. Das Auto habe zwar die Kreuzung passiert und sei kurz zuvor in die Alessandriastraße abgebogen – allerdings zu einem versetzten Zeitpunkt als das Motorrad. Die derzeitige Hypothese lautet daher, dass der 27-Jährige die Kontrolle über seine Maschine selbst verloren hat. Möglicherweise spielten die nasse Fahrbahn und eine zu hohe Geschwindigkeit eine Rolle.

Der Motorradfahrer ist inzwischen wegen schwerer Körperverletzung angezeigt worden. Er ist der einzige Beschuldigte in dem Fall.

Zustand der 79-Jährigen verschlechtert

Besonders besorgniserregend ist der Gesundheitszustand des 79-jährigen Unfallopfers. Die Frau war nach dem Zusammenstoß mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus gebracht worden. Ihr Zustand hatte sich zunächst stabilisiert, anschließend aber wieder verschlechtert. Sie wird inzwischen auf der Intensivstation des Bozner Krankenhauses behandelt. Neben der schweren Kopfverletzung soll sie auch an einem Bein erheblich verletzt worden sein.

Die Frau befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls am Straßenrand beziehungsweise zwischen Fahrbahn und Gehsteig. Ob sie gerade die Straße überquert hatte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Sie wurde von der mehr als 100 Kilogramm schweren Maschine frontal erfasst und stürzte zu Boden.

Ermittlungen gegen den Motorradfahrer

Die Stadtpolizei untersucht weiterhin die genauen Abläufe kurz nach 18.00 Uhr. Nach den ursprünglichen Angaben des Motorradfahrers war zunächst eine groß angelegte Suche nach dem vermeintlichen Unfallflucht-Auto eingeleitet worden. Nachdem die Ermittler die Bedeutung des Renault für das Unfallgeschehen offenbar weitgehend ausgeschlossen haben, konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf den 27-Jährigen.

Der Mann soll bereits wegen früherer Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung aufgefallen sein. Unmittelbar nach dem Unfall wurde bei ihm ein Alkoholtest durchgeführt. Zu dessen Ergebnis äußern sich die Ermittler bislang aber nicht, berichtet die Zeitung Alto Adige. Es wird jedoch geprüft, ob Alkohol eine Rolle gespielt haben könnte.

Der 27-Jährige soll inzwischen einen Anwalt eingeschaltet haben. Möglich ist, dass er erneut von der Polizei befragt wird, um seine erste Schilderung zu präzisieren. Die Behörden halten diese nach bisherigen Erkenntnissen jedenfalls für widersprüchlich beziehungsweise nicht glaubwürdig.

Auch sein Verhalten unmittelbar nach dem Unfall wird untersucht. Der Motorradfahrer soll zunächst versucht haben, der am Boden liegenden Frau zu helfen, sich anschließend aber kurz in Richtung einer nahegelegenen Bar entfernt haben. Gegenüber den später eintreffenden Ordnungshütern zeigte er sich kooperativ.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 2 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen