Von: Matthias Knapp
Bozen – Zum Schulstart zieht die Initiativgruppe Qualitätsmarke Bildung Südtirol eine kritische Bilanz: Der Protest des vergangenen Jahres habe zwar Bewegung gebracht, im Schulalltag sei davon aber wenig angekommen. Besonders an den Stadtschulen spitzt sich die Lage zu. Über 10.000 Lehrpersonen fordern jetzt entschiedene Schritte – und rufen zu einem gemeinsamen Zeichen auf.
Zum Start des neuen Schuljahres veröffentlicht die Initiativgruppe Qualitätsmarke Bildung Südtirol ein Positionspapier, das den aktuellen Stand der bisher gesetzten Maßnahmen kritisch bewertet. Grundlage dafür sind zahlreiche Gespräche mit Lehrpersonen aller drei Sprachgruppen, Rückmeldungen aus den offenen Sprechstunden der Initiativgruppe sowie der laufende Austausch mit Netzwerkpartnern.
„Das vergangene Schuljahr stand im Zeichen des Protests. Was wir aus den Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen an Schulen im ganzen Land mitnehmen, ist eindeutig: Der Protest hat Bewegung gebracht, doch der Alltag in den Klassenzimmern hat sich für viele kaum verändert”, so die Initiativgruppe.
In den Sprechstunden und im Austausch mit Netzwerkpartnern zeigt sich ein wiederkehrendes Bild – vor allem bei den Arbeitsbedingungen:
o Lehrpersonen berichten von wachsender Belastung.
o Besonders an Schulen in den Städten häufen sich die Rückmeldungen: hohe Fluktuation, angespannte Situationen und ein Ressourcenbedarf, der mit der Realität vor Ort nicht Schritt hält. Gerade an Stadtschulen blieben sehr viele Stellen bei der Stellenwahl offen. Dabei bräuchte es gerade an diesen Schulen pädagogisch kompetentes Personal.
o Bei der Integration von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Bildungsbedürfnissen sowie im Umgang mit zunehmender Vielsprachigkeit berichten Lehrpersonen übereinstimmend, dass die vorhandenen Personal- und Stundenressourcen nicht ausreichen, um dem Anspruch einer inklusiven Schule gerecht zu werden.
o Sozialpädagogische und psychologische Angebote wurden ausgebaut, reichen aus Sicht der Schulen aber bei Weitem nicht aus, um vulnerable Schüler und belastete Klassen frühzeitig zu unterstützen.
o Auch bei den Gehältern und der Abfertigung oder der Vergütung von Zusatzleistungen bleiben noch Themen offen.
„Diese Rückmeldungen kommen nicht aus einzelnen Schulen oder sind Einzelmeinungen, sondern ziehen sich durch alle Schulstufen und Sprachgruppen im Land – mit besonders deutlichen Signalen aus den Stadtschulen. Genau das gibt unserer Forderung Gewicht”, so die Initiativgruppe weiter.
Die Initiativgruppe fordert eine Bildungspolitik, die den Arbeitsbedingungen der Lehrpersonen und den Herausforderungen einer zunehmend komplexen, vielfältigen Schülerschaft tatsächlich gerecht wird – von ausreichenden Integrationsressourcen bis zu einer spürbaren Entlastung im Schulalltag. Sie ruft die Lehrpersonen im Land dazu auf, abzuwägen, welches Zeichen sie zu Schulbeginn setzen wollen – etwa durch eine bewusste, im Kollegium oder individuell entschiedene Reduzierung von Ausflügen oder Expertenvorträgen im Rahmen der Lehrfreiheit. „Wir sind über 10.000 Lehrpersonen – das ist eine Stärke. Gemeinsam wollen wir die Schule formen, die unsere Kinder und die Gesellschaft brauchen”, so die Initiativgruppe.




Aktuell sind 13 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen