Von: Lukas Unterkofler
Bozen/Rom – In keiner italienischen Provinz liegt im Schnitt so viel Geld auf den Girokonten der Einwohner wie in Südtirol.
Pro Kopf verfügen die Haushalte über knapp 30.400 Euro auf dem Bankkonto.
Das geht aus einer Studie des Verbraucherschutzverbandes für Bank- und Finanzdienstleistungen “Adusbef” hervor, die auf Daten der italienischen Zentralbank basiert.
Landesweit summieren sich die Bankguthaben der privaten Haushalte auf rund 1.163 Milliarden Euro. Die Unterschiede zwischen den Regionen und Provinzen sind allerdings erheblich.
Auf regionaler Ebene liegt die Lombardei mit knapp 239 Milliarden Euro an der Spitze. Dort befinden sich rund 20 Prozent des gesamten italienischen Guthabens auf Girokonten. Es folgen Latium mit 122 Milliarden und Venetien mit 105 Milliarden Euro.
Bozen deutlich vor Mailand
Bei der Betrachtung der Guthaben pro Einwohner führt hingegen die Provinz Bozen die Rangliste an. Mit durchschnittlich rund 30.400 Euro pro Kopf liegt Südtirol deutlich vor Mailand mit 27.900 Euro. Dahinter folgen Piacenza mit 26.800, Sondrio mit 26.000 und Belluno mit 25.650 Euro.
Am unteren Ende der Rangliste liegt Crotone mit durchschnittlich 9.679 Euro pro Einwohner. Es folgen Sassari mit 9.741 Euro und Nuoro mit rund 10.600 Euro.
Girokonten werden teurer
Gleichzeitig sind die Kosten für die Führung eines Girokontos in Italien deutlich gestiegen. Nach Angaben von “Adusbef” erhöhten sie sich innerhalb von zehn Jahren um 23 Prozent – von durchschnittlich 82,20 auf 101,10 Euro pro Jahr.
Besonders stark legten die variablen Kosten zu, etwa für Überweisungen, Zahlungen und Bargeldabhebungen. Sie stiegen um 34,2 Prozent von 26,60 auf 35,70 Euro. Die sogenannten Ausführungsgebühren erhöhten sich sogar um 62,6 Prozent. Die Fixkosten für Kontoführung und Karten legten dagegen um 17,6 Prozent auf durchschnittlich 65,40 Euro zu.
Bankguthaben steigen stärker als Inflation
Auch die Summe der Bankeinlagen ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen. Nominal stieg sie um 28,3 Prozent. Berücksichtigt man allerdings die Gesamtinflation von 23,6 Prozent im selben Zeitraum, bleibt ein realer Zuwachs von lediglich rund 4,7 Prozent.
Den stärksten nominalen Anstieg der Bankguthaben verzeichnete zwischen 2016 und 2026 die Region Trentino-Südtirol mit 43,2 Prozent. Dahinter folgen Sardinien mit 42,7 Prozent und Friaul-Julisch Venetien mit 39,7 Prozent. Am geringsten fiel das Wachstum in den Marken mit 10,6 Prozent und Ligurien mit 14,5 Prozent aus.
Kein Zeichen höheren Wohlstands
Adusbef-Präsident Antonio Tanza warnt allerdings davor, die gestiegenen Bankguthaben unmittelbar als Zeichen eines höheren allgemeinen Wohlstands zu interpretieren.
Häufig seien die höheren Ersparnisse auch Ausdruck von Vorsicht und einem Verzicht auf Konsum angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit. Die Banken müssten diese Ersparnisse deshalb mit transparenten Bedingungen und angemessener Verzinsung behandeln, fordert Tanza.




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen