Wenn die Berge nur noch hübsche Kulisse sind

Anstehen statt Aufsteigen: Ärger über Krapfen-Hype in den Dolomiten

Montag, 17. August 2026 | 16:04 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Fassatal – Lange Schlangen vor einer Berghütte, Hunderte Menschen auf der Suche nach einem gefüllten Krapfen und ein Panorama, das dabei fast zur Nebensache wird: Im Fassatal – nicht weit von Südtirol enfernt – sorgte in den vergangenen Tagen ein viraler Food-Trend für neuerliche Diskussionen über den Massentourismus in den Dolomiten.

Im Mittelpunkt steht der sogenannte “Bombolone” der Friedrich-August-Hütte am Col Rodella in der Langkofelgruppe zwischen dem Sellajoch und dem Fassatal. Der mit Creme oder Nutella gefüllte Krapfen ist längst mehr als eine süße Spezialität der Hütte. Auf Instagram und TikTok wurde er zum Fotomotiv – und damit zum eigentlichen Ausflugsziel.

In den vergangenen Tagen verbreiteten sich Aufnahmen von langen Warteschlangen auf rund 2.000 Metern Höhe. Teilweise sollen Besucher bis zu einer Stunde auf ihren Krapfen gewartet haben.

Ein virales Video erreichte laut italienischen Medien mehrere Millionen Aufrufe. Auf einem der Bilder reiht sich eine lange Menschenschlange unter der Sonne vor der Hütte auf – nicht für eine Bergtour, sondern für das Gebäck. Auch die “BILD”-Zeitung in Deutschland griff das Thema auf und stellte die kritische Frage, ob das noch Urlaub sei.

Dabei dürfte zumindest eine der besonders langen Schlangen nicht ausschließlich auf den Andrang zurückzuführen gewesen sein. Eine Verantwortliche der Hütte erklärte, dass es an einem Vormittag gegen 9.00 Uhr Probleme mit der Internetverbindung gegeben habe. Dadurch seien unter anderem die Kartenzahlungen ausgefallen und der Ablauf vorübergehend ins Stocken geraten.

Dennoch: Der Trend steht auch für eine Veränderung des Urlauberverhaltens in den Dolomiten. Nach Angaben des Tourismusverbandes des Fassatals hat sich die Gästestruktur insbesondere seit der Pandemie verändert. Es komme zunehmend eine Kundschaft in die Berge, die wenig oder gar keine Bergerfahrung habe und ihren Aufenthalt kürzer plane.

Soziale Medien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Food-Creator haben den Krapfen der Hütte bereits seit einigen Jahren auf Instagram und TikTok in Szene gesetzt. Auch die Inszenierung der Hütte trägt zum Erfolg bei: Auf einer großen Tafel mit Blick auf den Langkofel werden zahlreiche “Bomboloni” präsentiert – ein Motiv, das sich für soziale Netzwerke geradezu anbietet.

Der Tourismusverband selbst versucht inzwischen, den Trend nicht weiter anzukurbeln. Seit zwei Sommern arbeite man nicht mehr mit Influencern und Food-Bloggern zusammen. Denn zusätzliche Werbung sei angesichts der ohnehin hohen Nachfrage kaum notwendig. Vielmehr stellt sich inzwischen die Frage, wie verhindert werden kann, dass beliebte Orte durch den Besucheransturm ihren ursprünglichen Charakter verlieren.

Die “Krapfen-Schlange” ist dabei nur ein Beispiel. Auch an anderen Hotspots der Dolomiten kam es zuletzt zu erheblichen Menschen- und Verkehrsaufkommen. Auf dem Passo di Giau etwa soll der Verkehr am Tag der Sonnenfinsternis zeitweise völlig zusammengebrochen sein. Und bereits vor einigen Wochen hatte eine lange Warteschlange an einer Bushaltestelle bei den Drei Zinnen international für Diskussionen über den Massentourismus in den Bergen von Norditalien gesorgt.

Ein Blick in die Sozialen Medien zeigt, dass über diese Entwicklung mittlerweile auch Influencer besorgt sind. Viele haben sich nach der “Krapfen-Schlange” zu Wort gemeldet und angemerkt, dass dies nicht das sein sollte, dass die Menschen beim Besuch der Bergen mitnehmen sollten. Die Berge seien kein “Disneyland”, meint auch Facebook-User Umberto Baldo.

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