War der Tod von Abderrahim Fakir [42] vermeidbar? – VIDEO

“Bei Unwohlsein muss der Griff sofort gelockert werden”

Mittwoch, 22. Juli 2026 | 08:09 Uhr

Von: ka

Bologna – Der Tod des 42-jährigen Abderrahim Fakir, der am frühen Sonntagnachmittag kurz vor 13.00 Uhr während eines Polizeieinsatzes starb, sorgt in Italien weiterhin für heftige Diskussionen. Während die Polizei beteuert, dass die beiden Beamten korrekt gehandelt haben und der Tod des seit seiner Kindheit in Italien lebenden Marokkaners auf gesundheitliche Ursachen – und möglicherweise auch auf Drogen oder andere psychologische Substanzen – zurückzuführen sei, verweisen die Kritiker und die Angehörigen von Abderrahim Fakir auf ein Video, das zeigen soll, wie die Polizisten ihn minutenlang am Boden fixieren und seine Hilferufe ignorieren.

Näheres zu den Umständen, die zu seinem Tod führten, werden erst weitere Untersuchungen – insbesondere das Ergebnis der Autopsie – bringen. Die Ermittlungen müssen auch klären, ob die jüngsten Empfehlungen des römischen Innenministeriums befolgt wurden: „Die Bauchlage und der Druck auf den Brustkorb dürfen aufgrund der Risiken für das Herz- und Atmungssystem nicht unnötig verlängert werden. Bei Unwohlsein muss der Griff sofort gelockert und die Person auf die Seite gedreht werden.“

Weil sie tatenlos danebenstanden, gerieten auch die vier zum Einsatzort gerufenen Mitarbeiter des Roten Kreuzes Bologna ins Kreuzfeuer der Kritik. Eine Demonstration „für Abderrahim Fakir und gegen Polizeigewalt“ führte in Bologna in der Nacht auf Dienstag zu schweren Ausschreitungen.

Die Staatsanwaltschaft von Bologna untersucht den Tod des 42-jährigen Abderrahim Fakir. Dieser starb am Sonntag, während er von zwei Polizeibeamten, die rittlings auf ihm saßen, am Boden festgehalten wurde und ein weiterer Bürger seine Beine festhielt. Der Tatverdacht lautet auf „fahrlässige Tötung“. Diese Festhaltemaßnahme war notwendig geworden, da sich der Mann im Bologneser Stadtteil Pilastro in einem Zustand extremer Erregung befand, als die Polizisten ihn antrafen – möglicherweise aufgrund von Drogenmissbrauch.

ANSA

Gegen die beiden Polizisten wird jedoch nicht offiziell ermittelt. Für die beiden Beamten sowie für die vier ehrenamtlichen Rettungskräfte des Roten Kreuzes, die Zeugen des Vorfalls waren, haben die Staatsanwälte Paolo Guido und Domenico Ambrosino den sogenannten Scudo penale gewährt. Dabei handelt es sich um den neu im Gesetz vorgesehenen „strafrechtlichen Schutz“. Das bedeutet, dass sie in Register 45 eingetragen wurden. Dieses Register für vorläufige Vermerke ermöglicht es den Ermittlern, Untersuchungen durchzuführen, ohne dass die eingetragenen Personen offiziell unter Verdacht stehen, bis etwaige Verantwortlichkeiten geklärt sind. Voraussetzung ist, dass die Personen einen offensichtlichen Rechtfertigungsgrund vorweisen können.

Staatsanwalt Paolo Guido erklärte, der offensichtliche Rechtfertigungsgrund liege in den Ereignissen vor dem fünfminütigen Video, das die verzweifelten Schreie Fakirs unter dem Gewicht der Beamten sowie seine letzten Atemzüge festhielt und das vielfach im Internet geteilt wird. Diese Ereignisse wurden auch von anderen Bürgern sowie von der Bodycam des Streifenführers aufgezeichnet. Die Aufnahmen hat die Staatsanwaltschaft bereits sichergestellt.

Die Aufnahmen sollen belegen, dass der 42-jährige Abderrahim Fakir eine Gefahr für sich selbst und andere darstellte: Einwohner des Viertels hatten den Notruf gewählt, da Fakir laut dem Video und mehreren Zeugen „seinen Kopf gegen die Garagentore schlug, gegen alle Rolltore trat, um Hilfe rief und schrie, man wolle ihn umbringen“. Als die Beamten eintrafen, trat er auch gegen den Streifenwagen, griff die Polizisten an und versuchte, sie zu beißen. Dabei erlitt einer der beiden Beamten eine Bisswunde. Um ihn zu überwältigen, setzten die Beamten Pfefferspray ein und fesselten ihn mit Kabelbinden in Bauchlage.

Nach dem Einsatz von Pfefferspray verständigten sie den Rettungsdienst unter der Nummer 118 und meldeten „eine Person in einer psychiatrischen Krise“. Ein Rundschreiben des Innenministeriums vom Mai 2026 empfiehlt jedoch, dass bei der Bauchlage „bei Anzeichen von Unwohlsein der Griff sofort gelockert, die Person auf die Seite gedreht und überprüft werden muss, ob sie atmen kann“.

Wurden diese Empfehlungen eingehalten? Beispielsweise die, dass „die Bauchlage und der Druck auf den Brustkorb wegen der Risiken für das Herz- und Atmungssystem“ nicht unnötig verlängert werden dürfen. Der Anwalt der beiden Beamten, Gabriele Bordoni, betont, dass seine Mandanten „keinen Taser eingesetzt haben“ und die gesamte Szene „in Anwesenheit von drei bis vier weiteren Personen, die an dem Einsatz beteiligt waren, sowie vor den Mitarbeitern des Roten Kreuzes und etwa 20 Personen, die von den Gebäuden aus filmten, stattfand“. „Hätte es Rechtsverstöße, brutales Verhalten oder Übergriffe gegeben, hätte jemand etwas gesagt. Niemand hat das aber getan.“

Nun soll eine Obduktion die Todesursache des 42-Jährigen klären. Der Rechtsanwalt der Angehörigen des Marokkaners, Fabio Anselmo, fordert jedoch, dass die Polizei nicht mit den Ermittlungen betraut wird. Er spricht von einer „Verleumdungskampagne gegen das Opfer“ und verweist dabei auf die von der Polizeigewerkschaft Coisp veröffentlichten Informationen über die Vorstrafen des 42-Jährigen. Anselmo erwägt deshalb, den Generalsekretär der Coisp, Domenico Pianese, anzuzeigen. Dieser hatte das Strafregister des 42-Jährigen veröffentlicht: „Eine Festnahme als Minderjähriger wegen Drogenbesitzes, eine im Jahr 2004 wegen Drogenhandels, die zu einer Verurteilung zu vier Jahren und drei Monaten Haft führte, eine Anzeige im Jahr 2005 wegen desselben Delikts, eine Festnahme im Jahr 2019 wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und eine weitere im Jahr 2022 wegen Körperverletzung.“

Seine damalige Strafverteidigerin Donata Malmusi spricht jedoch von „einem anständigen Mann, der sein Leben ändern wollte”. Tatsächlich schien es bis zum Sonntag so, als habe Abderrahim Fakir, der ein Umzugsunternehmen betreibt, sein Leben in den Griff bekommen.

Der Tod von Abderrahim Fakir löste in Bologna heftige Reaktionen aus. Insbesondere die Racheforderung seiner Schwester heizte die Stimmung weiter an. In der Nacht auf Dienstag kam es im Anschluss an eine Demonstration „für Abderrahim Fakir und gegen Polizeigewalt“ zu schweren Ausschreitungen mit massiven Sachbeschädigungen. Mehrere Beamte wurden von gewalttätigen Demonstranten verletzt. Die Familie des Opfers verurteilt die Gewalttätigkeiten und fordert Wahrheit und Gerechtigkeit für Abderrahim Fakir.

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