Von: Martin Geier
Castelvetro Piacentino – In der Emilia-Romagna sorgt Halloween in diesem Jahr für heftige Diskussionen. Während Kinder und Jugendliche dem gruseligen Treiben frönen, ruft der Pfarrer des 5.000-Einwohner-Ortes in der Provinz Piacenza zur Teilnahme an einer eigens organisierten „Sühne-Messe” auf. Damit möchte er ein klares Zeichen gegen das „importierte Fest“ setzen.
Angesichts der Feierlichkeiten und Ausschweifungen fordert der Geistliche die Gläubigen zum Gebet auf, da Halloween seiner Meinung nach alles andere als harmlos ist: „Dieses Fest ist nicht harmlos, es ist ein Fest des Bösen.“ Die Bürgermeisterin der Gemeinde sieht das jedoch anders und betont: „Unabhängig von seinen Entscheidungen verurteile ich jede Art von Stigmatisierung und jede Form der Spaltung.“

Wie andernorts herrscht auch in der 5.000-Einwohner-Gemeinde Castelvetro Piacentino zu Halloween reges, gruseliges Treiben. Kinder und Jugendliche haben ihren Spaß und schrecken auch vor dem einen oder anderen Streich nicht zurück. Doch nach drei Tagen voller Feierlichkeiten lädt Pfarrer Don Massimiliano Camporese seine Gemeinde dazu ein, die ursprüngliche christliche Bedeutung von Allerheiligen wiederzuentdecken. Zu diesem Zweck hat der Geistliche eine „Sühne-Messe” anberaumt, zu der er die Familien und ihre Kinder mit unmissverständlichen Worten einlädt.

Am Samstag, den 31. Oktober, ist es so weit: Um 18.00 Uhr feiert der Pfarrer der Gemeinden Santo Spirito und San Giovanni Battista diesen Gottesdienst in der Kirche San Giovanni Battista. Er wird als „ein Moment des Gebets im Hinblick auf das Allerheiligenfest und zum Gedenken an unsere Verstorbenen“ angekündigt.
Für erhebliche Diskussionen sorgt der Text des Plakats, das die Messe ankündigt und in den sozialen Netzwerken des katholischen Kindergartens und des Oratoriums Croce Santo Spirito verbreitet wurde. „Während die Kirche das Allerheiligenfest feiert, feiert die Welt Halloween – ein kommerzielles Fest, das Dämonen, Hexen und das Böse im Allgemeinen verherrlicht“, heißt es darin. Darin wird die Sorge um die Kinder geäußert, „die in ihrer Naivität oft als Monster und Teufel für ein ‚Fest‘ verkleidet werden, das lediglich eine Feier des Bösen darstellt, obwohl es weiterhin als harmlos präsentiert wird“.

Dem Text stehen zwei prägnante, vermutlich KI-generierte Bilder gegenüber: Auf der einen Seite ist die Heilige Familie mit Kreuz, Heiligen und Jesuskind in sanften Pastelltönen zu sehen, auf der anderen Seite ein kleiner Teufel, umgeben von zwei Hexen, vier Gespenstern und sechs böse grinsenden Kürbissen vor einem düsteren Hintergrund.
Es ist eine entschlossene Haltung, die aneckt. Auch wenn der Priester die Töne dämpft und erklärt, dass es „nicht falsch ist, sich mit Verkleidungen und Süßigkeiten zu amüsieren, es aber auch nicht richtig ist, zu denken, dass dieser Tag ausschließlich dazu dienen kann, den Tod zu banalisieren oder das Böse lächerlich zu machen“, hofft er auf eine stärkere Beteiligung der Familien – und ihrer Kinder – am Pfarreileben. „Nachdem die Plätze und Straßen voller Kinder in Kostümen waren, werden wir sehen, ob diese ‚guten‘ Eltern sie zu Allerheiligen und zu den Totenfeiern in die Kirche oder auf die Friedhöfe bringen?”, fragt der Pfarrer und fügt hinzu: „Die Faszination von Halloween ist kein Zufall.”

Don Massimiliano kennt Halloween gut: Er hat zwanzig Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt, drei Jahre in Boston und siebzehn Jahre in Michigan. Dort nahm er, wie er sagt, an der Tradition teil, indem er den Kindern, die an seine Tür klopften, Süßigkeiten schenkte – verbunden mit einem Heiligenbildchen. In Südamerika lernte er wiederum Gemeinschaften kennen, die die Heiligen und Verstorbenen gemeinsam feierten und sich sogar auf dem Friedhof trafen, um dort ein Picknick zu veranstalten. Diese unterschiedlichen Erfahrungen bestärken den Pfarrer von Castelvetro in seinem Wunsch, diesen Tagen eine spirituelle Dimension zurückzugeben.

Doch jetzt rümpft mancher im Ort die Nase – und das nach einem Wochenende voller Feierlichkeiten, die vom Verein GeKa GenerAzioni und weiteren Initiativen unter der Schirmherrschaft der Gemeinde organisiert worden waren. Auf der Piazza Biazzi vor dem Rathaus bot ein Festzelt Platz für Familien, Kinder und Jugendliche. Es gab Kürbisgerichte, Spiele, einen Escape Room in der Bibliothek, Geschichten über die keltischen Ursprünge von Halloween und einen Kostümwettbewerb. Auch „Süßes oder Saures” entlang der Hauptstraße sowie spielerische Aktivitäten für die Jüngsten durften nicht fehlen.

Gerade die zeitliche Nähe zwischen den frisch beendeten Feierlichkeiten und der für den 31. Oktober anberaumten Messe hat im Ort einige Bedenken geweckt. Bürgermeisterin Silvia Granata ruft jedoch dazu auf, Gegensätze zu vermeiden: „Unabhängig von den Entscheidungen des Pfarrers verurteile ich jede Art von Stigmatisierung und jede Form der Spaltung. Wir stehen für Integration und wollen eine offene und tolerante Gesellschaft.“

Granata, die selbst in jenem Pfarrgebäude in ihrer Jugend viel Freizeit verbracht hat – „obwohl ich keine praktizierende Christin bin“ –, gibt zu, dass sie und Don Massimiliano in der Vergangenheit bereits einige Differenzen hatten. Sie betont jedoch erneut, wie wichtig die Teilnahme am Gemeindeleben ist. „Offensichtlich richtet sich meine Arbeit als Bürgermeisterin an alle, während sich seine nur auf einen Teil der Bürger bezieht.“
Nach Halloween dürften sich die Wogen in Castelvetro Piacentino bald wieder glätten. Die Frage, wie „gruselig“ das ursprünglich keltische Fest sein darf, das aus den angelsächsischen Ländern einen weltweiten Eroberungszug antrat, und ob an diesen Tagen nicht das Totengedenken im Vordergrund stehen sollte, dürfte jedoch auch andere Pfarrgemeinden – auch in Südtirol – beschäftigen.









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