Von: ka
San Severo/Bacoli – Einer der aufsehenerregendsten Mordfälle der letzten Jahre scheint aufgeklärt. Der 48-jährige Ciro Caliendo, ein bekannter Weinunternehmer aus San Severo in Apulien, wurde wegen des vorsätzlichen Mordes an seiner 47-jährigen Frau Lucia Salcone verhaftet.
Er soll seine Frau, deren verbrannte Leiche im September 2024 in ihrem Auto aufgefunden wurde, bewusstlos geschlagen und das Auto anschließend angezündet haben, um einen Verkehrsunfall vorzutäuschen. Als Motiv gilt eine Affäre mit einer anderen Frau. Caliendo wollte sich von seiner Frau trennen, fürchtete jedoch finanzielle Nachteile. Doch damit nicht genug. Der Weinunternehmer steht außerdem im Verdacht, eine Bombe für einen Anschlag in Neapel vorbereitet zu haben.

Der 48-jährige Caliendo aus San Severo wurde wegen des vorsätzlichen Mordes an seiner 47-jährigen Frau Lucia Salcone verhaftet. Sie wurde am 27. September 2024 tot in ihrem Auto aufgefunden. Zunächst war man von einem Verkehrsunfall ausgegangen. Der Mann wurde am Montag von Beamten der Polizeieinsatzgruppe Foggia unter dem Vorwurf des Mordes festgenommen.
Den Ermittlungen der Polizei zufolge soll er seine Frau zunächst mit einem stumpfen Gegenstand, der nie gefunden wurde, bewusstlos geschlagen haben. Dabei habe er ihr vor allem Schläge auf den Kopf, insbesondere auf Stirn und Nacken, zugefügt. Anschließend soll er das Auto mit seiner noch lebenden Frau an Bord in Brand gesetzt haben. Die Tatsache, dass die Frau zum Zeitpunkt des Brandes des Fiat 500L noch am Leben war, wurde durch die bei der Autopsie festgestellte Anwesenheit von Kohlenmonoxid in der Lunge belegt. Das Opfer hatte das Gas eingeatmet, als es noch lebte.
Unmittelbar nach dem mutmaßlichen Verkehrsunfall mit anschließendem Fahrzeugbrand, in dem sich der Verdächtige und seine später verstorbene Ehefrau befanden, begannen die von der Staatsanwaltschaft Foggia koordinierten Ermittlungen. Laut dem Mann, der das Fahrzeug fuhr und den Unfall überlebte, kam die Frau durch den Verkehrsunfall ums Leben. Dieser sei durch den Zusammenstoß ihres Wagens mit einem Fahrzeug aus der Gegenrichtung verursacht worden. Dadurch sei das Auto von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Das Ehepaar habe vorübergehend das Bewusstsein verloren und das Auto sei in Brand geraten.
Die Flammen im Innenraum hätten die Kleidung der Frau erfasst, die im Fahrzeug gefangen gewesen sei. Seit dem ersten Einsatz der Verkehrspolizei gibt es jedoch einige Unstimmigkeiten zwischen dem Zustand des Unfallortes und den Aussagen des Mannes. Laut den Ermittlern weist der angebliche tragische Unfalltod der Frau eine ganze Reihe von Merkwürdigkeiten auf. So scheint der Aufprall des Kleinwagens gegen den Baum bei einer Geschwindigkeit von nur 30 Kilometern pro Stunde erfolgt zu sein. Die Karosserie des Fiat 500L wurde beim Aufprall kaum beschädigt, wodurch auch die Auslösung der beiden Airbags verhindert wurde. Das größte Rätsel war jedoch, wie der mit Diesel betriebene Kleinwagen nach dem Aufprall in Brand geraten konnte.

Daraufhin schaltete die Staatsanwaltschaft die Polizeieinsatzgruppe von Foggia ein, um gezielte Ermittlungen durchzuführen und ein mögliches vorsätzliches Verhalten auszuschließen. Einige Tage nach dem Unfall wurde der Tatvorwurf gegen Caliendo, gegen den zunächst wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr ermittelt wurde, auf vorsätzlichen Mord geändert. Die Ermittlungen umfassten die Auswertung von Videoüberwachungssystemen und Zeugenaussagen sowie vor allem technische Untersuchungen, für die Sachverständige aus verschiedenen Bereichen hinzugezogen wurden. Letztere waren für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Aussagen des Verdächtigen erforderlich. Die Ermittlungen ergaben offensichtliche Unstimmigkeiten in Bezug auf die Darstellung des Unfallhergangs durch den Verdächtigen.
Zu den Beweisen zählte die Sicherstellung von Spuren brennbarer Flüssigkeit im Inneren des Autos. Mithilfe dieser Spuren konnten die Ermittler die Vorbereitungsphase des Verbrechens sowie die Momente danach rekonstruieren. Auch die möglichen Motive, die den 48-Jährigen zu der Tat veranlasst haben könnten, wurden ermittelt. Dabei steht vor allem eine Verflechtung zwischen leidenschaftlichen und finanziellen Motiven im Vordergrund.
Am Abend der Tragödie war die Frau mit ihrem Mann und einigen Freunden zum Abendessen ausgegangen. Laut Caliendo machte das Paar am Ende des Abends auf den Feldern des Grundstücks des Unternehmers an der Landstraße zwischen San Severo und Castelnuovo della Daunia Halt. Bevor er nach Hause zurückkehrte, wollte der Unternehmer einige Weinberge kontrollieren, die kurz zuvor von Dieben heimgesucht worden waren. Dann kam es zum Aufprall auf einen Baum und zum Brand, den die Frau nicht überlebte. Caliendo, der Verbrennungen an Armen und Händen erlitten hatte, erzählte den Rettungskräften, dass er verzweifelt versucht habe, seine Frau aus den Flammen zu retten.

Die Aussage des 48-Jährigen wird durch Aufnahmen der Überwachungskameras seines Hauses widerlegt. Darauf ist zu sehen, wie er nach Hause zurückkehrt, um das Nötigste zu holen, darunter eine Flasche mit Benzin. Spuren dieses Kraftstoffs wurden später im Auto des Paares gefunden, obwohl es einen Dieselmotor hatte. Außerdem gab der Mann an, dass er seine Frau nach dem Aufprall gegen einen Baum, bei dem er einem entgegenkommenden Fahrzeug ausweichen wollte, nicht aus dem Pkw befreien konnte, da sie angeschnallt war. Auch dieses Szenario wurde durch das Gutachten widerlegt.
Zudem gibt es einen Brief, den Ciro Caliendo wenige Tage vor dem Vorfall an eine Nichte geschickt hatte. Darin brachte er seinen Wunsch zum Ausdruck, sich zu trennen, da er sich in eine andere Frau verliebt hatte.

Doch damit nicht genug. Der Weinunternehmer wird außerdem des versuchten Mordes an dem Offizier der Finanzwache Gabriele Agostini verdächtigt. In dessen Auto war am 21. März 2023 in Bacoli bei Neapel eine Bombe explodiert. Nach den Ermittlungen der Carabinieri soll die 40-jährige Rechtsanwältin Viviana Pagliarone, die ehemalige Lebensgefährtin des Unternehmers, den Anschlag auf den Offizier in Auftrag gegeben haben. Grund dafür war ein Streit um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn des Paares. Laut Anklage hat Caliendo die Bombe gebaut und die Fernbedienung geliefert, mit der einer der anderen Verdächtigen – der 52-jährige Franco Pierno aus San Severo in Apulien – die selbstgebaute Bombe gezündet hat. Für den Täter des versuchten Mordes hat Staatsanwalt De Marco eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren beantragt.

Der begründete Verdacht, dass der 48-jährige Kellereiinhaber Ciro Caliendo der Bombenbauer des missglückten Mordanschlags auf einen Offizier der italienischen Finanzwache ist, wirft einen weiteren dunklen Schatten auf ihn. Er ist das Bindeglied zwischen beiden Fällen. „Der mutmaßliche Bombenbauer von Bacoli hat aller Wahrscheinlichkeit nach auch seine Ehefrau umgebracht”, glauben die Ermittler in Foggia und Neapel. Sie hegen kaum mehr Zweifel.






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