Von: mk
Cles – Fast fünf Jahre nach dem Verschwinden der jungen Gynäkologin Sara Pedri haben die Behörden eine erneute Suchaktion im Santa-Giustina-See bei Cles gestartet. Während die Feuerwehr den aktuell niedrigen Wasserstand nutzt, bewegt ein emotionaler Appell der Familie die Öffentlichkeit.
Am 4. März 2021 verlor sich die Spur von Sara Pedri im Trentino. Nun, kurz vor dem Jahrestag ihres Verschwindens, konzentrieren sich die Einsatzkräfte erneut auf den Stausee im Nonstal. Mit Schlauchbooten und Uferbegehungen wird das Areal systematisch abgesucht. Die Strategie: Bevor die Schneeschmelze in den Bergen einsetzt und den Pegel ansteigen lässt, ist die Chance am größten, Gegenstände oder sterbliche Überreste zu finden.
Die Familie der Ärztin äußerte sich in den sozialen Netzwerken mit einer Botschaft, die tiefe Trauer und ungebrochene Hoffnung vereint. Man sei sich der geringen Wahrscheinlichkeit bewusst, Sara nach dieser langen Zeit noch zu finden, doch die Ungewissheit sei unerträglich. „Ein Schuh oder ihre markante blau-violette Brille würden uns schon reichen“, so die Angehörigen. Es gehe um die endgültige Antwort auf die quälende Frage, ob die junge Frau dort ihre letzte Ruhe gefunden hat.
Symbolfigur im Kampf gegen Mobbing
Über das persönliche Schicksal hinaus hat der Fall Sara Pedri in Italien eine landesweite Debatte über Arbeitsbedingungen und psychischen Druck im Gesundheitswesen ausgelöst. Die Ermittlungen zum Verschwinden der Ärztin rückten mutmaßliches systematisches Mobbing an ihrer ehemaligen Arbeitsstelle in den Fokus. In einem Verfahren vor Gericht wurden der ehemalige Primar in der gynäkologischen Abteilung am Krankenhaus in Trient und seine Stellvertreterin allerdings freigesprochen. Ihnen war wiederholte Misshandlung vorgeworfen worden.
Für die Familie ist die fortgesetzte Suche unterdessen ein symbolischer Akt: Es handle sich um Anerkennung ihrer Anwesenheit in ihrer Abwesenheit. „Die Suche nach ihr bedeutet, ihre Stimme durch uns weiterhin am Leben zu erhalten. Sara hat Berge versetzt und mit uns gemeinsam wird sie dies auch weiterhin tun. Durch ihre Geschichte haben wir ein Bewusstsein für einen stillen Schmerz erzeugt, der viele Personen betrifft und über den noch viel zu wenig gesprochen wird“, schreiben die Angehörigen auf Facebook in Bezug auf Mobbing.




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