Von: importer
Die Proteste von Lkw-Fahrern gegen die hohen Treibstoffpreise in Süditalien weiten sich aus. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagiert mit einem härteren Vorgehen gegen Straßenblockaden und mit einem Maßnahmenpaket zur Stützung von Frächtern, Landwirten und Fischern. Das Kabinett verabschiedete am Donnerstag ein entsprechendes Gesetzesdekret. Die Proteste gefährdeten auch die Produktion von Büffelmozzarella aus der Region Kampanien.
Vorgesehen sind unter anderem 60 Millionen Euro für die Landwirtschaft und zehn Millionen Euro für die Fischerei. Weitere 60 Millionen Euro sind als Hilfen für das Transportgewerbe zur Abfederung der stark gestiegenen Treibstoffpreise vorgesehen. Auch kleinere Frachtunternehmen sollen entlastet werden. Nach Angaben von Infrastruktur- und Verkehrsstaatssekretär Edoardo Rixi können Unternehmen mit älteren Lastwagen ihre Leasingzahlungen für sieben Monate aussetzen. Zudem sollen weitere Steuergutschriften die gestiegenen Kraftstoffkosten abfedern.
Störungen bei den Lieferketten
Die anhaltenden Proteste von Lkw-Fahrern und Landwirten hatten zuletzt zu erheblichen Störungen bei den Lieferketten geführt. In mehreren Regionen Süditaliens kam es zu Straßenblockaden und Versorgungsengpässen. Supermarktregale blieben teilweise leer, zudem drohten Einschränkungen im Transportwesen. Auf Sizilien mussten mehrere Restaurants der Fastfood-Kette McDonald ́s schließen. Bei den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.
In zahlreichen italienischen Häfen protestierten Fischer mit Sirenen und stillliegenden Booten gegen die hohen Dieselpreise und EU-Vorgaben. Diese schränkten die Fangtage ein und erhöhten die Auflagen für die Betriebe, teilte der Genossenschaftsverband Confcooperative Agroalimentare e Pesca mit. Ein Schwerpunkt der Proteste liegt im oberen Adriaraum. Die wirtschaftliche Lage der Branche verschärft sich zunehmend. Die Treibstoffkosten machten in einigen Fällen mehr als 60 Prozent der Betriebsausgaben aus. Nach Schätzungen des Verbandes führt der Dieselpreisanstieg bei einem mittelgroßen Trawler zu jährlichen Mehrkosten von bis zu 45.000 Euro. Bei einem geschätzten Verbrauch von 180.000 Litern sei die jährliche Rechnung von 144.000 auf 189.000 Euro gestiegen.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden wegen den Protesten der Landwirte und Frächter italienweit bisher 1.339 Menschen kontrolliert und identifiziert, 71 Personen wurden wegen der Proteste angezeigt und 242 mit Strafen belegt. Die Regierung betonte, die Einhaltung der Gesetze, die Bewegungsfreiheit und der Schutz wirtschaftlicher Aktivitäten hätten höchste Priorität. Das Kabinett ist besorgt: Die Proteste beeinträchtigen zunehmend die Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff in Süditalien. Die Bürgermeister von Neapel und Bari, Gaetano Manfredi und Vito Leccese, warnten vor einer weitgehenden Lähmung ihrer Städte und wachsenden Problemen bei der Müllentsorgung. Sie forderten Verkehrsminister Matteo Salvini auf, ein für den 27. Oktober geplantes Treffen mit Vertretern der Transportbranche vorzuziehen.
Wirtschaftsverbände berichten von erheblichen Schäden für Unternehmen in Kampanien und Apulien und warnen vor Produktionsausfällen. Allein beim Anbau und Vertrieb von Kiwis seien innerhalb von fünf Tagen Schäden von rund 30 Millionen Euro entstanden, teilte der Landwirtschaftsverband Legacoop Agroalimentari mit.
Gravierende Folgen für Büffelmozzarella-Produktion
Besonders gravierend könnten die Folgen für die Produktion des geschützten Büffelmozzarella aus der Region Kampanien sein. Nach Angaben des Konsortiums zum Schutz der “Mozzarella di Bufala Campana DOP” können viele Büffelmilchbauern ihre Milch seit vier Tagen nicht mehr zu den Käsereien transportieren. Gleichzeitig seien die Lieferungen der fertigen Mozzarellas an den Handel unterbrochen, meldete die Nachrichtenagentur dpa. In Kampanien werden demnach täglich 650.000 Liter Büffelmilch produziert.
Für die Herstellung der Mozzarella mit geschützter Herkunftsbezeichnung (DOP) muss die Milch innerhalb von 60 Stunden nach dem Melken verarbeitet werden. Da die Lagertanks auf den Höfen nur begrenzte Mengen fassen, droht ein Teil der Milch zu verderben. Die Einnahmeausfälle der Industrie belaufen sich Medienberichten zufolge auf rund drei Millionen Euro täglich.
Lebensmittelversorgung beeinträchtigt
Die Lebensmittelversorgung ist beeinträchtigt: In Supermärkten in Kampanien, Apulien und Kalabrien fehlen nach Angaben aus der Branche zunehmend verderbliche Waren wie Fleisch, Obst, Frischmilch und Mineralwasser.
Auf Sizilien blieben die Regale nach mehreren Tagen ohne Lieferungen ebenfalls teilweise leer, obwohl ein Teil der Protestierenden die Blockade inzwischen beendet hat. Andere Gruppen setzen ihre Aktionen fort. Nach Angaben des Handelsverbands Confesercenti haben derzeit vier von zehn Unternehmen im Süden Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung. Auch Restaurants müssen wegen ausbleibender Lieferungen schließen. Im Bausektor werden zudem Engpässe bei Stahl und Bitumen gemeldet.
Sorge wegen gewaltsamer Vorfälle
Unterdessen kam es zu ersten gewaltsamen Vorfällen. In der Provinz Caserta wurden nach Medienberichten die Reifen von Lastwagen zerstochen, deren Fahrer weiterfahren wollten. Der Präsident des Handelsverbands Confcommercio, Carlo Sangalli, appellierte an die verantwortlichen Beteiligten und forderte rasche und wirksame Lösungen. Der Präsident des Bauernverbands Coldiretti Ettore Prandini warnte, bei einer Fortsetzung der Proteste würden sowohl die Landwirte als auch die Konsumenten die Folgen tragen müssen.




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