Selfie wird zum zerstörerischen Desaster

„Mamis, eure Männer schauen euch nicht mehr an!“

Mittwoch, 06. Juni 2018 | 07:18 Uhr

Ravenna – Wegen eines beim Schulabschlussfest geschossenen Selfies verlor eine Mutter fast alles, was ihr im Leben wichtig war. „Mein Leben ist zerstört. Ich habe einen Fehler gemacht und alles verloren: Arbeit, Freundschaften und den familiären Frieden“, so die verzweifelte Frau, die diesen verhängnisvollen Moment am liebsten zurückspulen würde.

Die Geschichte des zerstörerischen Selfies begann beim Schulabschlussfest eines ihrer beiden Kinder. Während der kleinen Schulparty im Freien zückte die Mama ihr Smartphone und machte ein Selfie. Dabei achtete sie sehr genau darauf, dass neben ihr im Hintergrund auch eine Runde übergewichtiger und wenig vorteilhaft aussehender Mütter mit auf das Selfiebild kommen. Später postete sie das Selfie auf ihrer Facebook-Seite und fügte, um ein vermutlich von ihr vertriebenes Diätprodukt zu bewerben, einen gegenüber den anderen Müttern wenig netten und mehr als nur süffisanten Kommentar hinzu.

Facebook/Selvaggia Lucarelli

Sie empfahl den anderen Frauen das Diätprodukt, “weil eure Ehemänner sehen sich nach anderen Mamis um, die wesentlich gepflegter aussehen als ihr“, schrieb Cristina, so der Vorname der Frau, auf ihrem Profil.

Aber der Facebook-Post blieb nicht unbeachtet. Selvaggia Lucarelli, eine bekannte und sehr beachtete Schriftstellerin, Bloggerin und Frauenrechtlerin, wurde auf Cristinas Eintrag aufmerksam. Auf ihrer Seite ging Selvaggia Lucarelli mit der laut ihrer Ansicht eingebildeten Mama aus Ravenna hart ins Gericht und beschuldigte sie, das Schulabschlussfest ihrer Tochter auf widerlichste Weise missbraucht zu haben. Dabei, so Lucarelli, habe sie penibel darauf geachtet, die Mütter der Schulkolleginnen und -kollegen ihrer Tochter auf dem Selfie ganz besonders schlecht aussehen zu lassen. „Das Fett kann man besiegen, die Dummheit nicht“, so abschließend die Bloggerin.

Facebook/Selvaggia Lucarelli

Der Facebook-Post schlug ein wie eine Bombe und riss Cristina’s Leben aus allen Fugen. Über Cristina brach ein unglaublicher Shitstorm herein, wobei besonders Frauen sie auf übelste Weise beschimpften. Dabei half es auch nicht mehr, den zerstörerischen Eintrag von ihrem Profil zu löschen.

„Mein Leben ist zerstört. Mir bleibt nichts mehr und ich bin mitten auf der Straße. Ich würde nur allzu gerne zu diesem verfluchten Dienstag zurückkehren können und diesen Eintrag nie geschrieben haben, denn wegen dieses Fotos habe ich alles verloren. Mir kommt vor, ich lebe in einem Albtraum. Ich habe meine Arbeit und Freundschaften verloren. Meine Kinder gehen nicht mehr zur Schule und sogar mein Mann hat Probleme am Arbeitsplatz bekommen. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich schwöre, dass es nie meine Absicht war, jemanden zu verletzten. Mein unglücklicher Satz bezog sich nicht auf die Frauen auf dem Bild und noch weniger wollte ich damit sagen, dass die Ehemänner mich anschauen, sondern gepflegte Frauen generell. Ich wollte nur die gleiche Botschaft rüber bringen, die ich auch meinen Kundinnen, Frauen, die mit ihrem Körper nicht zufrieden sind und zu ihrer alten Form zurückkehren wollen, zu vermitteln versuche“, so die verzweifelte Cristina.

Einmal mehr zeigt dieser nachdenklich stimmende Fall die Macht der sozialen Medien und der Herdentrieb, der in ihnen herrscht. Cristinas Post mag kritikwürdig und mehr als nur unglücklich sein, aber der Ärger über das kommentierte Selfie ist längst über das Ziel hinausgeschossen und ist dabei, Cristina’s Leben und das ihrer Lieben zu zerstören.

Io non so se la gente si rende conto dell’inarrestabile abbrutimento a cui i social ci stanno portando, ma se qualcuno…

Pubblicato da Selvaggia Lucarelli su martedì 29 maggio 2018

 

 

 

Von: ka