Sexistischer Skandal: Chef von „Futuro Nazionale“ teilt online ein manipuliertes Bild der Politikerin

Roberto Vannacci “entblößt” Matilde Siracusano mit einem Fake-Foto

Montag, 28. September 2026 | 08:07 Uhr

Von: Martin Geier

Reggio Calabria/Rom – Nach seinem geschmacklosen Witz über Röcke – „Ich bevorzuge Frauen ohne Rock“ war seine Reaktion auf den Ausrutscher von Außenminister Antonio Tajani – begeht Roberto Vannacci einen weiteren Fauxpas, der nicht nur als sexistisch kritisiert wird, sondern auch die Betreuung seiner Social-Media-Seiten in ein schiefes Licht rückt.

Der Vorsitzende von „Futuro Nazionale“ hat am Freitag einen Beitrag geteilt, in dem er der Mitte-Rechts-Koalition vorwirft, Kandidaten von oben zu bestimmen – auch anlässlich der Nachwahlen in Reggio Calabria. Auf dem auf seiner Facebook-Seite geteilten Bild ist jedoch ein Foto von Matilde Siracusano, Staatssekretärin und Lebensgefährtin des kalabrischen Präsidenten Roberto Occhiuto, manipuliert. Während die 41-jährige Politikerin auf dem Originalfoto unter der Jacke ein weißes Top trägt, ist auf dem manipulierten Foto ein tiefer Ausschnitt zu sehen. Als es Kritik hagelt, ringt „der General“ um Ausflüchte und behauptet, das Fake-Foto stamme von einem Blog. Doch am Ende könnte ihm die durch die Polemiken erhöhte Aufmerksamkeit nutzen, denn seine „Futuro Nazionale“ legt in den Umfragen ständig zu.

ANSA/FACEBOOK ROBERTO VANNACCI / INSTAGRAM MATILDE SIRACUSANO

Am 27. und 28. September finden in Reggio Calabria Nachwahlen statt, um zu entscheiden, wer anstelle des derzeitigen Bürgermeisters der kalabrischen Provinzhauptstadt, Francesco Cannizzaro, ins Parlament einziehen wird. „Für Fabio Roscioli (den Kandidaten des Mitte-Rechts-Lagers) zu stimmen, bedeutet, jene kolonialistische Fremdenliebe, die von Occhiuto und Cannizzaro geprägt ist, endgültig zu legitimieren – ein System, das jede Macht monopolisiert hat, um Kalabrien in einen goldenen Zufluchtsort für diejenigen zu verwandeln, die in anderen Regionen keinen Platz und keine Stimme mehr haben. Sie behandeln euch wie Knechte. Holt euch eure Würde und Ehre zurück!“, schrieb Vannacci in seinem Beitrag. „Der Wahlkreis Reggio ist weder eine Zweigstelle von Arcore noch die Biotonne der nationalen Politik“, langt er über dem Foto noch deftiger zu.

Facebook/Roberto Vannacci

Im Mittelpunkt des Fotos wird Fabio Roscioli, der Schatzmeister von Forza Italia, der der Familie Berlusconi nahesteht, gezeigt. Rechts neben ihm ist Claudio Lotito zu sehen, der neue Eigentümer von Reggina Calcio. Links neben ihm ist Matilde Siracusano, Staatssekretärin für die Beziehungen zum Parlament, abgebildet. Die Abgeordnete trägt eine geblümte Jacke und darunter offenbar nur einen BH.

Doch das Foto ist nicht echt. Es wurde von jemandem manipuliert, der die 41-jährige Politikerin entblößen wollte. Tatsächlich trägt die Abgeordnete im Original ein weißes Top und eine andere Halskette als in Vannaccis Beitrag dargestellt. Das Bild wurde also gezielt verändert, möglicherweise mithilfe eines Tools der künstlichen Intelligenz.

„Das Originalfoto wurde von meinem persönlichen Instagram-Profil entnommen und bearbeitet“, erklärte Siracusano empört über den Angriff, dem sie ausgesetzt war. „Dass ein ehemaliger General, der so viel von Ehre und Werten spricht, das Foto einer Frau mit einer Software bearbeiten muss, sagt viel über ihn als Person aus. Ich finde auch diese Fixierung auf Frauen etwas übertrieben. Was will Vannacci damit beweisen? Er hatte sich bereits mit den Röcken in die Kritik gebracht, indem er sagte, er bevorzuge Frauen ohne. Was will er noch hinzufügen?“, fuhr die Staatssekretärin fort.

Facebook/Maria Francesca Amodeo/Originalfoto mit weißem Top.

Die Abgeordnete beabsichtigt, rechtliche Schritte einzuleiten, denn „ich bin zwar hart im Nehmen, aber es handelt sich um eine Straftat, und Frauen müssen geschützt werden“. „Eine Frau als Wahlkampfmittel zu entblößen, mit der klaren Absicht, sie zu verunglimpfen, nur weil sie die Lebensgefährtin des Regionalpräsidenten ist, ist eine perverse und erbärmliche Entscheidung, die keinerlei Bedeutung hat.“ Ich habe mich nie in Reggio Calabria zur Wahl gestellt und werde dies auch nie tun. Daher hat dieser Angriff keinerlei Daseinsberechtigung“, schloss sie.

Auf den „General“ prasselte eine Flut von Kritik ein. „Sollte es noch irgendwelche Zweifel am Machismo von Roberto Vannacci und seiner Partei gegeben haben, sind diese nun ausgeräumt. Um den Gouverneur von Kalabrien, Roberto Occhiuto, zu verspotten, veröffentlichte Vannacci ein Foto seiner Lebensgefährtin, der Staatssekretärin Matilde Siracusano, mit einem künstlich erzeugten tiefen Ausschnitt“, kommentierte Mara Carfagna, Sekretärin von „Noi moderati“. „Das ist ein unerträglicher Angriff und ein Akt sexistischen Mobbings, wie es ihn in unserer Politik noch nie gegeben hat“, betonte sie.

Facebook/Roberto Occhiuto

„Roberto Vannacci soll ruhig FI oder mich angreifen“, sagt Roberto Occhiuto, „wenn er glaubt, dass ihm das bei den Nachwahlen nützen könnte, die ja in Reggio Calabria stattfinden und nicht in Sachsen. Er soll sich, wenn er dazu in der Lage ist, mit mir oder auch mit Matilde Siracusano über die Sachfragen, die Inhalte und die Zukunft unserer Regionen und des Landes auseinandersetzen. Aber wer, um Politik zu machen, den Körper einer Frau mit einer Software retuschieren muss, hat bereits verloren, noch bevor er überhaupt angefangen hat. Das ist nicht das Mitterechts-Lager, mit dem ich mich identifiziere, und ich glaube nicht, dass es das ist, mit dem sich die Italiener identifizieren.“

Facebook/Enrico Bucci/Originalfoto mit weißem Top.

Vannacci verteidigt sich mit der Behauptung, er habe das Foto von einem Blog übernommen. „Denjenigen, die mir ohne jegliche konkrete Beweise vorwerfen, ein Foto mit KI bearbeitet zu haben, antworte ich, sie sollten genauer recherchieren und ihre Vorwürfe gegebenenfalls an die zuständigen Stellen richten.“ Wenn die Argumente fehlen, werden die Angriffe persönlich. Kümmern Sie sich ruhig weiter um Ausschnitte“, so Vannacci. Zu dumm nur, dass er und sein Team, das seine Social-Media-Kanäle betreut, dazu verpflichtet sind, die Originalität eines Fotos zu überprüfen.

Roberto Vannacci hat sich nicht nur nicht entschuldigt oder seinen Fehler eingestanden, sondern sich sogar für die Werbung für seine Partei bedankt. Am Sonntag hat er einen weiteren Beitrag zum sexistischen Skandal um das gefälschte Foto der Staatssekretärin Matilde Siracusano im BH veröffentlicht. Der Chef von „Futuro Nazionale“ bekräftigte, dass das von ihm geteilte Bild „nicht vulgär“ sei. Vielmehr fügte er hinzu, dass die dadurch ausgelösten Diskussionen seiner Partei ermöglicht hätten, wieder in den italienischen Tageszeitungen präsent zu sein.

Facebook/Roberto Vannacci

„Danke, Matilde. Morgen wird Futuro Nazionale in den Umfragen einen Sprung nach vorne hinlegen“, so Vannacci, der sogar von einem Zuwachs von 1,5 Prozent ausgeht. Für den ehemaligen General sind die Polemiken um das gefälschte Foto „fruchtlos und unbegründet, denn darauf ist nichts zu sehen. Es ist weder vulgär noch anstößig oder unanständig.“ Laut Vannacci hätte es niemand bemerkt, wenn Siracusano nicht selbst darauf hingewiesen hätte, um Werbung für sich zu machen.

Leider könnte er sogar recht haben, denn seine Partei „Futuro Nazionale“ legt laut neuesten Umfragen ständig zu. Nachdem sie die Lega ihres „Ex-Partners“ Matteo Salvini und Forza Italia, der Matilde Siracusano angehört, überholt hat, ist sie mit fast neun Prozent derzeit die viertstärkste politische Kraft in Italien.

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