Langer Schatten des Nahostkriegs: Gewalt an italienischen Nationalfeiertag – VIDEO

Schüsse auf 25.-April-Aktivisten: 21-Jähriger gefasst

Donnerstag, 30. April 2026 | 07:24 Uhr

Von: ka

Rom – Eine in dieser Heftigkeit nicht erwartete Welle der Gewalt überschattete den Tag der Befreiung vom Faschismus und Nationalsozialismus, der in Italien jedes Jahr am 25. April begangen wird. In Mailand zwangen gewalttätige Pro-Palästina-Demonstranten, die die Straße blockierten, Mitglieder der Jüdischen Brigade, den alljährlich stattfindenden Demonstrationszug zu verlassen. In Bologna wurde ein 80-Jähriger, der eine ukrainische Fahne schwenkte, gewaltsam aus der Demonstration gedrängt.

Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich jedoch in Rom, wo ein junger Mann auf einer Vespa mit einer Airsoft-Pistole das Feuer auf zwei Aktivisten des italienischen Partisanenverbandes ANPI eröffnete. Fünf Tage nach der Tat konnte der Täter gefasst werden. Der 21-Jährige gab an, Mitglied der Jüdischen Brigade zu sein. Das Tatmotiv des geständigen jungen Mannes ist noch unklar. Es könnte jedoch in dem tiefen Graben liegen, den der Nahostkrieg in die italienische Gesellschaft und die jüdische Gemeinde Italiens getrieben hat.

Der 21-jährige Mann, der wegen der Verletzung zweier ANPI-Aktivisten während der Feierlichkeiten zum 25. April festgenommen wurde, hat gestanden. In der Wohnung von Eithan Bondi, einem in der jüdischen Gemeinde der Hauptstadt eingetragenen Römer, fand die italienische Anti-Terrorpolizei Digos mehrere Messer.

Die Luftdruckwaffe, mit der der Mann und die Frau am Tag der Befreiung angegriffen wurden, wurde hingegen noch nicht gefunden. Der junge Mann, der in der Nacht auf Mittwoch festgenommen wurde, hatte zu Hause außerdem mehrere israelische Flaggen. Die Motive werden derzeit von Ermittlern und Untersuchungsbeamten geprüft. „Ich gehöre zur Jüdischen Brigade“, soll der 21-Jährige den Ermittlern gesagt haben.

ANSA/US POLIZIA

Die Digos sicherte umgehend die Aufnahmen der Überwachungskameras in der Umgebung und befragte Zeugen. Im Rahmen der von der Staatsanwaltschaft Rom koordinierten Ermittlungen gelang es ihnen schließlich, den 21-Jährigen zu identifizieren, der zum Tatzeitpunkt eine Vespa fuhr und eine Tarnjacke sowie einen Integralhelm trug.

Er feuerte mindestens drei Schüsse auf die beiden Demonstranten ab, die das rote Halstuch der ANPI um den Hals trugen. Dabei wurde der 66-jährige Nicola Fasciano im Bereich des Halses und der Wange verletzt, die 62-jährige Rossana Gabrieli hingegen an der Schulter. Beide erlitten leichte Schürfwunden und wurden vor Ort von den Rettungskräften versorgt.

Der junge Mann soll anhand des Kennzeichens seiner Vespa identifiziert worden sein. Von diesem Roller aus hat er mit einer Airsoft-Waffe geschossen. Eine der Überwachungskameras im Bereich des Schuster-Parks zeichnete eine Person auf einer weißen Vespa auf, die die Waffe zog. Später wurde dieselbe Person mit demselben Kennzeichen am Lungotevere von einer anderen Kamera gefilmt.

Facebook/Questura di Roma

Die Schüsse des mutmaßlichen Täters Eithan Bondi sorgen in Italien für Entsetzen. Davide Riccardo Romano, der Direktor des Museums der Jüdischen Brigade in Mailand, distanzierte sich in einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur ANSA von dem jungen Mann: „Ich empfinde Entsetzen und verurteile auf das Schärfste und ohne jede Rechtfertigung jeden, der es sich erlaubt, den Namen der Jüdischen Brigade zu benutzen, um Gewalttaten zu begehen.“ Er wies außerdem darauf hin, dass die Organisation weder Mitglieder mit diesem Namen noch Vertreter in der Hauptstadt habe. Er kündigte an, rechtliche Schritte gegen diejenigen einzuleiten, die den Namen der Jüdischen Brigade mit dem Vorfall in Verbindung bringen.

Facebook/LƏA – Laboratorio Ebraico Antirazzista

Auch die Jüdische Gemeinde von Rom, in der Bondi registriert ist, zeigte sich bestürzt. Ihr Präsident Victor Fadlun distanzierte sich „vorbehaltlos von jeder Form antidemokratischer Gewalt“, bekundete seine Solidarität mit den Verletzten Rossana Gabrieli und Nicola Fasciano und appellierte gegen jegliche Instrumentalisierung.

Ähnlich äußerte sich Emanuele Fiano, der Vorsitzende von „Sinistra per Israele Due Popoli Due Stati“. Er ist der Ansicht, dass „wer am Tag, an dem die Befreiung des Landes vom Nazifaschismus gefeiert wird, auf Demonstranten schießt, sei es auch nur mit einem Luftgewehr, ein Krimineller ist, unabhängig von seiner Zugehörigkeit oder seinen Motiven“.

Rossana Gabrieli, eine der beiden Personen, die am 25. bei der Feier der ANPI verletzt wurden, dankt den Ermittlern. Gleichzeitig zeigt sie sich „zutiefst betrübt darüber, dass die festgenommene Person so jung ist – gerade einmal 21 Jahre alt – und bereits so sehr von Hass durchdrungen ist“.

„Dennoch bleibe ich bei meiner Haltung als Opfer, das fordert, dass die Justiz ihren Lauf nimmt. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass der Dialog zwischen allen politischen Kräften einen gemäßigteren Ton und eine effektivere Verständigung findet.“

Das Tatmotiv des geständigen jungen Mannes ist noch unklar. Es könnte jedoch in dem tiefen Graben liegen, den der Nahostkrieg in die italienische Gesellschaft und die jüdische Gemeinde Italiens getrieben hat.

In dieser Hinsicht lädt der bekannte und angesehene italienische Journalist Gad Lerner die jüdische Gemeinschaft Italiens dazu ein, Extremisten aus ihren eigenen Reihen zu entfernen.

In einem Facebook-Beitrag spricht er offen von einer „militanten Entartung von Individuen, die im Namen der Selbstverteidigung an Schulen und auf der Straße diejenigen bedrohen und angreifen, die sie als Feinde Israels ausmachen“. Er fügt eine klare Forderung hinzu: „Schluss mit dem Schweigen der Verantwortlichen gegenüber diesen Extremisten, die von unverantwortlichen Anführern zum Fanatismus getrieben werden!“

Facebook/Gad Lerner

In seiner Botschaft kritisiert Lerner auch scharf bestimmte interne Dynamiken innerhalb der italienischen jüdischen Gemeinden. Er erinnert daran, dass „auch wir Juden, die wir uns gegen die Einschleppung des Nahostkonflikts in unsere Gemeinden aussprechen, seit langem Ziel ähnlicher Drohungen sind – nicht nur verbaler Art“.

Von daher kommt auch seine Forderung, die von ihm als paramilitärische Zellen bezeichneten Gruppen aufzulösen. Mit dieser Äußerung richtet er sich an diejenigen, die die ANPI angegriffen und ihr Antisemitismus vorgeworfen haben. Für Lerner ist es heute an der Zeit, sich zu entschuldigen.

Facebook/LƏA – Laboratorio Ebraico Antirazzista

Der Nahostkonflikt spaltet nicht „nur” die italienische Öffentlichkeit und die jüdischen Gemeinden Italiens, sondern birgt auch die Gefahr, dass Fanatiker „ihren Krieg” mitten im Stiefelstaat austragen – keine schönen Aussichten.

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