Schutzhüttenbetreiber spricht Klartext

“Verdammtes Thunfischöl” – ungehobelte Besucher in den Dolomiten

Dienstag, 21. Juli 2026 | 08:13 Uhr

Von: ka

Vodo di Cadore – Daniele Bortoluzzi bewirtschaftet zusammen mit seiner Mutter Barbara Feltrin die CAI-Schutzhütte Rifugio Venezia am Monte Pelmo in den Belluneser Dolomiten. Er gehört eher zu den freundlichen und toleranten Vertretern seiner Zunft, denn es stört ihn nicht, wenn in der Nähe seiner Hütte aus dem Rucksack mitgebrachte Speisen und Getränke genossen werden.

Rifugio Venezia

Aber neben einigen Berggästen, die mit ungeeignetem Schuhwerk und Bekleidung in seiner Hütte auftauchen oder – viel schlimmer – ihren Abfall hinterlassen, bringen ihn jene „Gäste” zur Weißglut, die ihre Thunfischdosen öffnen und das Öl, das sie meistens nicht essen wollen, auf den Boden oder in die Regenablaufrinne des Biwakdachs schütten. Vielen ist nicht bewusst, dass wenig der Umwelt, insbesondere dem Boden und dem Trinkwasser, mehr schadet als achtlos in die Landschaft geschüttetes Öl.

Es ist daher kein Wunder, dass Daniele Bortoluzzi solchen Schmutzfinken ein eigenes Instagram-Video mit dem Titel „Verdammter Thunfisch” widmete. „Ihr macht unseren Chefkoch wütend! Aber er hat völlig recht. Nehmt eine zusätzliche Plastiktüte mit und gießt das Öl darin ab!”, so die Instagram-Seite des Rifugio Venezia.

Rifugio Venezia

Die CAI-Schutzhütte Rifugio Venezia zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Schutzhütten der Dolomiten. Die auf 1.947 Metern Höhe gelegene Hütte befindet sich an den südöstlichen Hängen des majestätischen Monte Pelmo. Mit einer Höhe von 3.168 Metern zählt der Berg zu den Wahrzeichen der Dolomiten und wird in Venetien auch als Il caregon del Padreterno (der Thron des Gottvaters, Anmerkung der Redaktion) bezeichnet.

Die Hütte liegt nicht weit vom Passo di Rutòrto entfernt auf einem weitläufigen Sattel zwischen Weiden und bietet einen atemberaubenden Panoramablick auf die Cadore-Dolomiten. Sie ist ein absolutes Muss für alle, die die authentische Bergwelt lieben. Sie ist über verschiedene Wanderwege erreichbar und der ideale Ausgangspunkt für den Aufstieg zum Pelmo entlang der eindrucksvollen Cengia di Ball. Das Rifugio Venezia ist aber auch ein perfektes Ziel für Familien und Naturfreunde, die nicht auf den Pelmo-Gipfel wollen, sondern einen entspannten Spaziergang durch Wälder und Weiden bevorzugen, umgeben von der Stille der Natur.

Facebook/Barbara Feltrin

Die Hütte zieht eine Vielzahl verschiedenster Bergfreunde an, weshalb sie insbesondere in der Hochsaison sehr stark besucht ist. Unter den Besuchern befinden sich leider auch „Gäste”, die sich daneben benehmen, indem sie ihren Abfall in der Umgebung der Hütte hinterlassen.

Ein eigenes Instagram-Video widmete Hüttenwirt Daniele Bortoluzzi jedoch jenen, die das Öl ihrer Thunfischdosen achtlos auf den Boden schütten. Der Titel „Verdammter Thunfisch“ klingt zweifellos etwas seltsam für eine Dolomitenhütte. Und doch passt die Aussage des zutiefst verärgerten Hüttenwirts perfekt zu einem Grundprinzip, das jeder, der in die Berge geht, immer im Hinterkopf haben sollte: „Was man in die Berge mitnimmt, muss man auch wieder mit nach Hause nehmen!“

Facebook/Eris Costa

Daniele Bortoluzzi, der die Hütte gemeinsam mit seiner Mutter Barbara Feltrin bewirtschaftet, sitzt auf einem Holzbalken und wendet sich über Instagram direkt an die Bergliebhaber. „Wir möchten euch etwas sagen. Wir haben ein paar Plätze im Außenbereich und treffen keine Auswahl, wer dort sitzen darf und wer nicht. Wenn ihr etwas zu essen mitgebracht habt, könnt ihr euch gerne hinsetzen, sofern die Hütte nicht voll ist. Ihr könnt euch hinsetzen und essen, ja sogar kochen, wenn ihr möchtet. Das heißt, niemand verbietet euch, euch an einen unserer Tische zu setzen und eure eigene Suppe, euren Kräutertee oder was auch immer zuzubereiten. Das könnt ihr tun, solange ihr den Platz der Gäste der Hütte nicht unnötig beeinträchtigt.“

Instagram/Rifugio Venezia

Aber dann kommt er auf den Punkt. „Aber eines möchten wir noch sagen“, fährt der junge Hüttenwirt fort. „Wenn ihr etwas von zu Hause mitbringt, müsst ihr es auch wieder mit nach Hause nehmen. Einschließlich des Thunfischöls. Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass wir sehen, wie Leute die Thunfischdose öffnen und das Öl entweder neben dem Auto oder in die Regenablaufrinne des Biwakdachs ausleeren. Leute, wir befinden uns hier an einem Ort, den wir so unberührt wie möglich halten wollen. Lasst uns versuchen, ihn zu schützen. Lasst uns den Müll und das Thunfischöl mit nach Hause nehmen. Auch wenn es nur wenig ist, lasst uns diese kleine Anstrengung unternehmen.“

Facebook/Barbara Feltrin

Viele glauben, dass das Wegschütten von Öl der Umwelt kaum schade. In Wahrheit belastet das auf diese Weise „entsorgte“ Öl jedoch Boden und Trinkwasser stark. Thunfischöl sollte daher keinesfalls im Haushalt in den Abfluss oder die Toilette gegossen werden, da es Rohre verstopfen und das Abwassersystem belasten kann. Stattdessen sollte es in ein verschließbares Gefäß, etwa eine leere Plastikflasche, gegossen und über den Restmüll entsorgt werden. In vielen Teilen Südtirols kann das Öl auch im praktischen, wiederverwendbaren ÖLI-Behälter gesammelt werden. Dieser kann kostenlos am Recyclinghof abgegeben und gegen einen sauberen Behälter getauscht werden. Für den Raum Bozen gibt es zudem spezielle Sammelstellen.

In der unberührten Bergnatur ist der Schaden noch größer, daher gilt: „Was man in die Berge mitnimmt, muss man auch wieder mit nach Hause nehmen!”

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