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Der bayerische Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) ist tot. Der 55-Jährige wurde am Mittwochabend tot in einem Berliner Hotelzimmer entdeckt, teilten die Behörden mit. Laut vorläufigem Ergebnis der Obduktion starb Aiwanger ohne Fremdverschulden. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Berlin am Donnerstagnachmittag mit. Aiwangers Tod löste große Bestürzung in Deutschland aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich “tief betroffen”.
Die Staatsanwaltschaft in Berlin kündigte “weitere gerichtsmedizinische Untersuchungen” im Rahmen des Todesermittlungsverfahrens an. Wer Aiwanger gefunden hat, ist öffentlich nicht bekannt.
Am Mittwochnachmittag hätte Aiwanger in Berlin bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler eine Rede halten sollen. Er habe sich aber aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet und vertreten lassen. Später sei er nicht mehr erreichbar gewesen und dann leblos gefunden worden.
Kanzler Merz “tief betroffen”
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich “tief betroffen” vom Tod Aiwangers. “Die Bundesrepublik verliert einen streitbaren Politiker, der leidenschaftlich für seine Überzeugungen eingetreten ist”, erklärte Kanzler-Sprecher Stefan Kornelius am Donnerstag in Berlin. Merz spreche der Familie und den Angehörigen sein Beileid aus.
Ministerpräsident Söder: “Werden in seinem Sinn weiterarbeiten”
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder schrieb auf der Plattform X: “Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern. Wir trauern mit ihnen und beten für sie.”
Söder kündigte an, die gemeinsame Politik von CSU und Freien Wählern im Freistaat fortzusetzen. Er habe mit Aiwanger eng zusammengearbeitet, sagte Söder am Donnerstag vor Journalisten in Nürnberg. Gemeinsam hätten sie eine bürgerliche, liberal-konservative Politik gemacht. “Wir werden das auch mit den Freien Wählern in seinem Sinn, in unserem Sinn, so fortsetzen”, kündigte Söder an.
Aiwanger war Wirtschaftsminister in der bayerischen Landesregierung. Seine Vertretung übernimmt nun Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler). Ob und wann die Freien Wähler ihre Posten nach- oder umbesetzen, wird sich noch zeigen müssen. Gotthardt werde umgehend von einer Delegationsreise aus Singapur nach Bayern zurückkehren, teilte das Ministerium am Mittwochabend mit.
“Wir verlieren eine prägende Figur der bayerischen Politik”
Mit Aiwanger gehe “ein echtes Mannsbild, ein starker Bayer, guter Wirtschaftsminister, aber auch ein warmherziger Mensch”, sagte Söder. Er sei persönlich bescheiden gewesen, dabei “hoch engagiert und fleißig”.
“Wir verlieren mit Hubert Aiwanger eine prägende Figur der bayerischen Politik”, sagte Söder und ergänzte: “Naturverbunden, aus dem ländlichen Raum, mit Herz und Verstand, ohne Ideologie, aber mit einem großen Herz – so einer fehlt.”
Söder ordnete Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden im Freistaat an. Dies gelte für Donnerstag und den Tag der Beisetzung, teilte die Staatskanzlei in München mit. Gemeinden, Landkreise und Bezirke sowie die übrigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts würden gebeten, in gleicher Weise zu verfahren. Im Prinz-Carl-Palais in München soll ab Freitag an ein Kondolenzbuch ausliegen.
Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) schrieb auf Instagram: “Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.” Auch die Opposition reagierte geschockt.
Betroffenheit in deutscher Spitzenpolitik
Zahlreiche Spitzenpolitiker zeigten sich betroffen vom Ableben Aiwangers. “Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger bestürzt mich sehr. Er war ein streitbarer Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte”, teilte der baden-württembergische Ministerpräsident Özdemir auf X mit. “Er war ein streitbarer Politiker, für den seine bayerische Heimat immer im Mittelpunkt stand”, schrieb auch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), auf X. Als “sehr traurige Nachricht” bezeichnete auch AfD-Chefin Weidel den Tod Aiwangers.
Seit 2018 bayerischer Vize-Ministerpräsident
2008 war Aiwanger mit den Freien Wählern erstmals in den bayerischen Landtag eingezogen und wurde deren Fraktionschef. Zehn Jahre später, 2018, schmiedeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Mit Aiwanger verlieren die Freien Wähler ihren markantesten und sicher auch streitbarsten Kopf. Erst bei den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr hatten die Freien Wähler unter Aiwangers Führung noch große Siege gefeiert und viele Landrats-Posten gewonnen. Der Niederbayer hatte zwei Kinder und lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen.
Freie Wähler verschieben Parteitag
Nach dem Tod Aiwangers verschieben die Freien Wähler ihren Bundesparteitag. “Jetzt sind ja andere Dinge zu regeln, von daher wollen wir den Bundesparteitag absagen und an einem anderen Termin, das wird wahrscheinlich nächstes Jahr sein, ihn stattfinden lassen”, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende und rheinland-pfälzische Europa-Abgeordnete Joachim Streit am Donnerstag dem SWR. Aiwanger hatte sich am 14. November in Geiselwind bei Würzburg als Bundesvorsitzender zur Wiederwahl stellen wollen.




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