Ratko Mladic verstorben

Bosnisch-serbischer Kriegsverbrecher Mladić tot

Donnerstag, 27. August 2026 | 17:29 Uhr

Von: importer

Der wegen Völkermords verurteilte frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladić ist tot. Mladić, der wegen seiner Rolle im Bosnienkrieg 1992-1995 eine lebenslange Haftstrafe verbüßte, starb im Alter von etwa 83 Jahren, wie ein UNO-Vertreter am Donnerstag bestätigte. Mladić war wegen seiner Brutalität auch als “Schlächter vom Balkan” bekannt. Er befand sich seit seiner Festnahme 2011 in Haft und war zuletzt schwer krank. Die genaue Todesursache wird noch untersucht.

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (IStGH) hatte Mladić wegen des Massakers von Srebrenica im Juli 1995 verurteilt. Damals wurden mindestens 8.000 muslimische Männer und Burschen ermordet. Es gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Zudem machten die Richter Mladić für die jahrelange Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo verantwortlich, bei der rund 10.000 Menschen getötet wurden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mladić gemeinsam mit dem ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milošević und dem bosnischen Serbenführer Radovan Karadžić das Ziel einer “ethnischen Säuberung” verfolgte, um ein großserbisches Reich zu schaffen.

Mladić selbst wies die Vorwürfe stets zurück. Bei seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft im Jahr 2017 schrie er im Gerichtssaal: “Das sind alles Lügen, Sie sind alle Lügner!” Seine Berufung wurde im Jahr 2021 endgültig zurückgewiesen.

Langes Register von grausamen Verbrechen an Zivilisten

Seinem Sohn zufolge wiesen Dokumente zwar den 12. März 1942 als Geburtsdatum von Mladić aus, tatsächlich wurde er jedoch am 8. März 1943 geboren. Mit knapp über 20 Jahren absolvierte Mladić die Militärakademie in Belgrad mit Auszeichnung. Für die Serben in Serbien und in Bosnien galt er stets als Kriegsheld. Professionell inszenierte Fernsehbilder unterstützten die Mythenbildung. Sie zeigten einen bulligen Mann im Kampfanzug, das Haar millimeterkurz geschoren, stets bei den einfachen Soldaten an irgendeiner Front. Besonders perfide: Das serbische Fernsehen filmte ihn im Juli 1995 bei Srebrenica, als er Schokolade an Kinder verteilte und weinende Frauen beruhigte. Sobald die Kameras nicht mehr liefen, begann die Vertreibung der Frauen und Kinder aus Srebrenica in eigens dafür vorbereiteten Autobussen. Männer und männliche Jugendliche brachten die Milizionäre von Mladić weg, um sie ein paar Kilometer entfernt in Lagerhallen oder auf Fußballfeldern massenhaft zu erschießen.

Mladić war während des Bosnien-Kriegs der Oberbefehlshaber der Bosnisch-Serbischen Armee (BSA). Das war eine Bürgerkriegsmiliz, die ohne die Unterstützung der damaligen Führung in der serbischen Hauptstadt Belgrad nicht existiert hätte. Mladić selbst erhielt seinen Sold aus Belgrad und gehörte dem serbischen Generalstab an. Zusammen mit Karadžić und im Sinne des damaligen serbischen Machthabers Slobodan Milošević, wollte er den größeren Teil Bosniens erobern, um das Gebiet an Serbien anzuschließen. Karadžić verbüßt gleichfalls eine lebenslange Gefängnisstrafe wegen Kriegsverbrechen. Milošević starb 2006 im Untersuchungsgefängnis in Den Haag, bevor das Tribunal ein Urteil über ihn fällen konnte.

Schon im ersten Kriegssommer 1992 massakrierten die bosnisch-serbischen Milizen unter dem Kommando von Mladić tausende Muslime und Kroaten im Osten und im Norden Bosniens. Sie errichteten Gefangenenlager, in denen sie nicht serbische Zivilsten unter unmenschlichen Bedingungen festhielten und oft zu Tode quälten. Sie betrieben Vergewaltigungslager für nicht serbische Frauen und Mädchen. Sie belagerten mehr als drei Jahre lang die bosnische Hauptstadt Sarajevo, wo ihre Scharfschützen und Artilleristen Jagd auf die Zivilbevölkerung machten. Allein dort starben mehr als 11.000 Menschen, unter ihnen auch viele Kinder. Die Milizen von Mladić vertrieben hunderttausende nicht serbische Zivilisten, um “ethnisch reine” Gebiete zu schaffen, in denen nur ethnische Serben leben sollten.

Erst 2011 nach jahrelanger Flucht festgenommen

Nach dem Ende des Krieges war Mladić jahrelang untergetaucht und lebte in Belgrad, bis er 2011 festgenommen wurde. Er leistete dabei keinen Widerstand, war jedoch durch Schlaganfälle gesundheitlich gezeichnet. In den vergangenen Jahren verschlechterte sich sein Zustand zusehends, weshalb er mehrfach im Krankenhaus behandelt werden musste. Anträge auf Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen lehnten die Richter ab. Kürzlich erklärte ein UNO-Arzt, dass der Tod des ehemaligen Generals jederzeit eintreten könne.

In Serbien wird der Völkermord geleugnet

Das offizielle Serbien unter seinem Präsidenten Aleksandar Vučić leugnet bis heute den vom UNO-Tribunal festgestellten Völkermord von Srebrenica. Es sei lediglich ein “Kriegsverbrechen” gewesen, wie sie auch die andere Seite an Serben in Bosnien verübt hätten. Unter der Hand wird Mladić in Belgrad weiterhin als Kriegsheld und “Retter der Serben” glorifiziert.

Die Regierung in Belgrad bemühte sich intensiv, seine Freilassung auf humanitärer Basis zu bewirken. Sein Sohn Darko Mladić behauptete sogar noch kürzlich, an seinem Vater werde ein “stiller Mord” verübt. Das Gericht widersprach dem entschieden. Zuletzt lehnte es am 20. August seine Freilassung mit der Begründung ab, dass er gar nicht mehr transportfähig sei und sein Tod kurz bevorstünde. Es sei daher humaner, ihn nicht noch einer Überstellung auszusetzen.

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