Superreiche lassen sich am Strand die Füße reinigen - Video

Der Kunde ist König – aber wann geht es zu weit?

Mittwoch, 26. August 2026 | 07:04 Uhr

Von: Sophia Molitor

Côte d’Azur – Ein Video aus den sozialen Medien zeigt wie sich extrem reiche Menschen in einem luxus Resort an der Côte d’Azur in Südfrankreich den Sand von den Füßen entfernen lassen. In den Kommentaren entzündet sich daran eine Debatte über die Frage, wie weit bezahlter Service gehen darf und wo die Grenze zwischen Luxus und sozialer Ungleichheit verläuft.

Das Video soll aus einem privaten Beachclub an der Côte d’Azur stammen. Darauf ist ein Mitarbeiter des Strandclubs zu sehen, wie er mit einem Besen den Sand von den Füßen eines auf einer Liege sitzenden Gastes entfernt. Ein Tag in dem exklusiven Beachclub soll rund 220 Euro kosten.

Während viele den Service als unverschämt und überzogen kritisieren, sehen andere darin ein Beispiel für die zunehmende soziale Ungleichheit. Gerade in Luxus-Hotels und exklusiven Resorts scheint die Erwartung an besondere und teils ungewöhnliche Dienstleistungen besonders hoch zu sein. Die Grenzen zwischen aufmerksamem Service und Unterwerfung unter die Wünsche des Gastes können dabei verschwimmen.

Sobald Menschen für eine Dienstleistung bezahlen, entsteht offenbar schnell das Gefühl, Anspruch auf alles zu haben, was irgendwie im Rahmen des Möglichen liegt. Was im eigenen Zuhause selbstverständlich selbst erledigt wird, wird plötzlich zur Aufgabe des Personals.

Was darf ein Mensch von einem anderen verlangen, nur weil er für dessen Dienstleistung bezahlt?

Dabei zeigt sich dieses Verhalten keineswegs nur in Luxusresorts. Auch in gewöhnlichen Lokalen sind die Ansprüche an das Personal mitunter erstaunlich hoch: Der Cappuccino soll genau die richtige Menge Schaum haben, die Tasse halb voll oder bis zum Rand gefüllt sein, im Getränk eine bestimmte Anzahl an Eiswürfeln schwimmen. Nicht selten wird den Mitarbeitern zudem in herablassendem Ton erklärt, warum sie angeblich nicht schnell genug waren oder welcher Tisch zuerst hätte bedient werden müssen.

Je teurer die Dienstleistung, desto größer scheint auch der Anspruch auf individuelle Wünsche zu werden. In exklusiven Hotels und Beachclubs gehören deshalb Angebote zum Alltag, die weit über einen gewöhnlichen Service hinausgehen und wo selbst kleinste Handgriffe für die Gäste übernommen werden.

Auch wenn viele Kommentatoren sich das Verhalten im Beachclub vor allem mit dem Wohlstand der Gäste und deren Möglichkeiten erklären, geht es bei der Debatte letztlich um eine grundlegendere Frage: Was darf ein Mensch von einem anderen verlangen, nur weil er für dessen Dienstleistung bezahlt?

Sobald Geld eingesetzt wird, scheint sich für manche Menschen eine Grenze zu verschieben. Bezahlt wird dann nicht mehr nur für eine konkrete Leistung, sondern zunehmend dafür, eigene Wünsche und Bedürfnisse an andere abzugeben und für einen Moment selbst keine Verantwortung mehr übernehmen zu müssen.

Geld kann die persönliche Verantwortung für eigene Bedürfnisse, Frustrationen und Wünsche zwar nicht ersetzen, dennoch entsteht der Eindruck, dass bezahlte Dienstleistungen zunehmend auch dazu genutzt werden, diese Verantwortung an andere abzugeben. Sich einen Kaffee servieren, ein Gepäckstück tragen oder den Sand von den Füßen kehren zu lassen, gehört zum Service. Daraus sollte jedoch kein Anspruch entstehen, auch Geduld, Selbstbeherrschung oder den Umgang mit den eigenen Bedürfnissen an andere abzugeben.

Das gilt nicht nur für Luxusresorts, sondern für jedes Restaurant, jedes Hotel und jede andere Einrichtung, in der Menschen für andere Menschen arbeiten.

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