Von: Matthias Knapp
Bozen – Demenzerkrankungen zählen zu den großen Herausforderungen einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft. Laut Schätzungen könnte die Zahl der Menschen mit Demenz in Südtirol bis 2050 auf 8700 steigen. Eine einheitliche, koordinierte und qualitativ gesicherte Betreuung dieser Personen ist ein zentrales Ziel der Gesundheitspolitik des Landes. Die Landesregierung hat am 28. August deshalb den landesweiten diagnostisch-therapeutischen Betreuungspfad (PDTA) für Demenz und Alzheimer 2026-2028 genehmigt.
Der neue Betreuungspfad bildet erstmals einen verbindlichen landesweiten Rahmen, der staatliche Leitlinien auf die Südtiroler Gegebenheiten überträgt und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Sozialdiensten sicherstellen soll.
“Eine Demenzerkrankung verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Umso wichtiger ist es, dass sie frühzeitig Unterstützung bekommen und nicht mit der Erkrankung allein gelassen werden. Der neue Betreuungspfad soll hier Orientierung und Sicherheit schaffen, von der ersten Abklärung bis zur weiteren Begleitung”, betont Gesundheitslandesrat Hubert Messner.
Konkret spricht der Betreuungspfad dem Hausarzt bzw. der Hausärztin eine zentrale Rolle bei der frühzeitigen Erkennung möglicher Demenzerkrankungen zu. Früherkennung soll künftig aber auch verstärkt in Notaufnahmen, Krankenhausabteilungen und Seniorenwohnheimen berücksichtigt werden. Zudem werden durch den Betreuungspfad die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und -ärztinnen, Memory Clinics, Gesundheitsdiensten und Sozialdiensten sowie die Zuständigkeiten entlang des gesamten Versorgungsweges klar definiert. Besonderes Augenmerk gilt der Stärkung der Zentren für kognitive Störungen und Demenz (CDCD), die eine zentrale Funktion bei Frühdiagnose, Nachsorge und Vernetzung der Versorgung übernehmen sollen. Vorgesehen sind außerdem eine frühzeitige Einbindung der Hauskrankenpflege sowie der Palliativversorgung, wenn dies medizinisch angezeigt ist, und eine stärkere Berücksichtigung nicht-medikamentöser Behandlungsangebote.
“Wir wollen die Zusammenarbeit der unterschiedlichen bestehenden Dienste weiter verbessern, damit Betroffene, ebenso wie deren Angehörige, gut betreut und begleitet werden”, betont auch Soziallandesrätin Rosmarie Pamer. Mit der Pflegegeldeinstufung von Amts wegen bei einer bestätigten Demenzdiagnose habe man eine wichtige Maßnahme bereits umgesetzt; durch den landesweiten Ausbau von Zentren für Schwerpunktpflege Demenz solle die Betreuung weiter gestärkt werden, erinnert Landesrätin Pamer.
Zur Begleitung der Umsetzung wird laut Beschluss der Landesregierung ein ständiger Landestisch zur Überwachung von Demenzerkrankungen eingerichtet. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter der Bereiche Gesundheit, Soziales und des Südtiroler Sanitätsbetriebs an. Auch Angehörigenverbände und Organisationen des Dritten Sektors sollen eingebunden werden. Das Gremium soll die Entwicklung der Versorgung beobachten, Unterstützungs- und Inklusionsmaßnahmen fördern und die Grundlage für die Ausarbeitung eines Landesdemenzplans schaffen.
Für die Umsetzung des Betreuungspfads sind 150.000 Euro für das Jahr 2026 vorgesehen. Für die darauffolgenden Jahre stehen weitere 300.000 Euro zur Verfügung. Die Mittel dienen insbesondere der Stärkung von Frühdiagnose, Behandlung, Betreuung und Monitoring.




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