Von: luk
Bozen/Trient – Die italienische Umweltorganisation Legambiente hat bei ihrem zehnten Alpen-Summit erneut vorbildliche Projekte ausgezeichnet und zugleich problematische Entwicklungen angeprangert.
Für das Jahr 2026 wurden insgesamt 19 „Grüne Flaggen“ für nachhaltige Initiativen vergeben, aber auch sieben „Schwarze Flaggen“ für umweltschädliche Praktiken.
Besonders im Fokus steht dabei die Region Trentino-Südtirol, die sowohl positive als auch negative Beispiele liefert.
Vier grüne Projekte in Trentino-Südtirol
In der Region gingen insgesamt vier Grüne Flaggen an Projekte, die laut Legambiente beispielhaft für eine nachhaltige Entwicklung im Alpenraum stehen.
Im Trentino wurde unter anderem das Projekt „Bollait – gente della lana“ ausgezeichnet. Es belebt die lokale Wollproduktion im Lagorai-Gebiet neu und schafft eine regionale, nachhaltige Wertschöpfungskette. Ebenfalls prämiert wurde die Imkervereinigung APIVAL aus der Valsugana, die sich für biologische Imkerei, Biodiversität und Umweltbildung engagiert.
Eine weitere Auszeichnung ging an die Universität Trient gemeinsam mit Slow Food Trentino-Südtirol für einen innovativen Studiengang zur nachhaltigen Nutzung gemeinschaftlicher Ressourcen im Alpenraum.
In Südtirol wurde die Initiative „Unser Wald – Il nostro bosco“ gewürdigt. Die Vereinigung setzt sich aktiv für den Schutz von Waldflächen – etwa eines Buchenwaldes in Kaltern – ein und stellt sich gegen großflächige Eingriffe wie den Bau von Speicherbecken.
Drei Schwarze Flaggen für Trentino-Südtirol
Neben den positiven Beispielen hat Legambiente im Jahr 2026 auch drei Schwarze Flaggen für Trentino-Südtirol vergeben – von insgesamt sieben. Sie stehen für Projekte oder Entscheidungen, die aus Sicht der Umweltschützer nicht nachhaltig sind.
Es geht dabei vor allem um problematische Tendenzen, etwa durch übermäßige Nutzung von Ressourcen, Flächenverbrauch oder große Bauprojekte im sensiblen Alpenraum.
Die schwarzen Flaggen in der Region richteten sich an die Autonome Provinz Bozen und die Gemeinde Rasen-Antholz wegen des für das olympische Biathlonzentrums in Antholz errichtete Speicherbecken in einem Waldgebiet, an die Gemeinde Martell wegen einer geplanten touristischen Großanlage im Martelltal sowie an die Gemeinde San Giovanni im Fassatal (Sèn Jan) im Trentino.
Hier vergab Legambiente eine Schwarze Flagge für die geplante, per Ausnahmegenehmigung erlaubte Vergrößerung des Buffaure-Schutzhauses um 450 Prozent. Beanstandet wurde vor allem der massive Eingriff in das Landschaftsbild sowie der Widerspruch zum Prinzip einer sparsamen, maßvollen Berggastlichkeit.
„Zwei gegensätzliche Modelle“ für die Alpen
Für Legambiente spiegeln die Auszeichnungen zwei gegensätzliche Entwicklungen wider. Einerseits gebe es zahlreiche lokale Initiativen, die auf sanften Tourismus, regionale Wirtschaftskreisläufe und den Schutz von Natur und Biodiversität setzen. Andererseits dominierten vielerorts weiterhin intensive Nutzungsmodelle mit hohem Ressourcenverbrauch.
Die Organisation fordert daher mehr politische Unterstützung und Investitionen für Bergregionen. Lokale Gemeinschaften dürften nicht allein gelassen werden, betonte Vizepräsidentin Vanessa Pallucchi. Gleichzeitig müsse der Fokus stärker auf nachhaltige Entwicklung, Klimaanpassung und den Erhalt sozialer Strukturen gelegt werden.
Bedeutung der lokalen Gemeinschaften wächst
Eine begleitende Studie zum sogenannten „Gemeinschaftlichen Mehrwert“ zeigt laut Legambiente, dass viele dieser Projekte stark auf ehrenamtlichem Engagement basieren und einen wichtigen Beitrag zur regionalen Entwicklung leisten.
Der Tenor des Summits: Die Zukunft der Alpen entscheidet sich vor Ort – zwischen innovativen, nachhaltigen Ansätzen und weiterhin umstrittenen Großprojekten.




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