Demonstration startete in der Nähe des Westbahnhofs

Hunderte demonstrierten gegen ESC-Teilnahme von Israel

Samstag, 16. Mai 2026 | 22:35 Uhr

Von: apa

Während in der Wiener Stadthalle die letzten Vorbereitungen auf das Finale des 70. Eurovision Song Contests liefen, hat am Samstagnachmittag eine Großdemonstration mit Hunderten von Teilnehmern unter dem Motto “Keine Bühne für den Völkermord” gegen die Teilnahme von Israel beim ESC stattgefunden. Eine genaue Zahl der Protestierenden lag nicht vor, da die Polizei keine offizielle Zählung mehr kommuniziert.

Demonstration verlief friedlich

Die Teilnehmer zogen dabei ab 14.00 Uhr vom Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof über die Schmelzbrücke hinter die Stadthalle. Die Demonstration verlief friedlich. Bei der Schlusskundgebung wurde zwar Pyrotechnik abgebrannt, doch nach einer Durchsage der Polizei war der Zwischenfall auch wieder rasch vorbei. Zwei Demonstranten kletterten kurz auf ein Gerüst. Die Kundgebung sei ohne Festnahmen oder größere Zwischenfälle über die Bühne gegangen, sagte ein Polizeisprecher.

Wie schon beim “Song Protest” am Freitag wurde das Demo-Bild vor allem von Palästina-Fahnen geprägt. Mit Salah Abdel Shafi war auch der palästinensische Botschafter in Österreich vertreten. Dieser sprach von einer “Schande”. “Die Teilnahme Israels ist ein Versuch, Völkermord zu normalisieren”, so Shafi. Kunst sei auch niemals unpolitisch. “Wir sind vereint in der Liebe, wir sind vereint im Frieden, aber wir sind nicht vereint im Genozid”, sagte der Botschafter.

Auch die Organisation hatte für die Teilnahme von Israel kein Verständnis. “Während trotz eines angeblichen ‘Waffenstillstandes’ täglich Palästinenserinnen und Palästinenser im Gazastreifen umgebracht werden, während Hilfsgüter weiter zurückgehalten werden, wird Israel im Rahmen des Song Contests eine Propaganda-Bühne geboten”, hieß es. Zudem könnte die Stadt Wien die geschätzten rund 23 Millionen Euro, die für den Song Contest aufgebracht worden sind, besser in die Mindestsicherung oder den öffentlichen Verkehr investieren.

14 Festnahmen wegen Versammlungsrecht am Abend

Am Abend kam es dann bei der Hauptbibliothek am Urban-Loritz-Platz zu einem Zwischenfall: Hier wurden von der Polizei mehrere vermummte Teilnehmer einer unangemeldeten Versammlung wahrgenommen, nachdem die angemeldete Demo bereits zu Ende gegangen war. “Die Personen wurden aufgefordert ihre Vermummung abzulegen. 14 Versammlungsteilnehmer kamen dieser Aufforderung trotz mehrfachem Ersuchen nicht nach. Eine Verwaltungsübertretung war daher erfüllt, weshalb die Festnahmen ausgesprochen wurden”, hieß es seitens der Polizei.

Auch Protest gegen “antizionistischen Boykott-Wahnsinn”

Protest gab es Samstag aber auch gegen “den grassierenden antizionistischen Boykott-Wahnsinn”. Bei einer Kundgebung und einem Infostand von 14.00 bis 21.00 Uhr am Urban-Loritz-Platz wollten das Bündnis gegen Antisemitismus und Artists Against Antisemitism Wien ein “Zeichen für Gastfreundschaft und Solidarität” setzen.

Im Rahmen der Aktion verteilten Aktivisten einen Leitfaden mit dem Titel “12 Punkte gegen Antisemitismus”. Darin forderten sie u.a. die Zivilgesellschaft auf, soziale Medien kritisch zu hinterfragen und antisemitische Vorfälle konsequent bei der Meldestelle der IKG zu melden. “Wir versprechen, weiterhin entschieden gegen jeden Antisemitismus Stellung zu beziehen, genau wie wir es bei Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungen tun”, betonen die Organisatorinnen und Organisatoren. In einer Zeit der “globalen Intifada”-Rufe und Brandanschläge sei “Wegsehen keine Option mehr”.

Public Viewing als Kundgebung

Die Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH) sahen sich gezwungen, ihre Public Viewing-Veranstaltung am Samstag am Wiener Universitätscampus im Alten AKH als Kundgebung durchzuführen, um so vermehrten Polizeischutz zu erhalten. “Wir haben in den vergangenen Wochen versucht, einen Ort zu finden, doch alle sagten uns aus Sicherheitsgründen ab”, sagten Lia Guttmann und Milli Li Rabinovici von der JöH der APA. Hintergrund seien Drohungen gegen jüdische und israelische ESC-Fans.

Besonders seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe der Antisemitismus – auch in Österreich – stark zugenommen. Es sei “ein Skandal, dass jüdische Studierende ein Public Viewing des ESC nicht mehr unter gewöhnlichen Bedingungen veranstalten können”.

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