Kreml hat auch Europa im Blick

Machtkampf im Kreml: Wie lange kann sich Putin noch halten?

Mittwoch, 21. Oktober 2026 | 17:03 Uhr

Von: Matthias Knapp

Moskau – Ein vermeintlich starker Herrscher vermag einer Diktatur zwar oft nach außen hin den Anschein von Einigkeit zu verleihen, im Inneren kann aber ein wahrer Machtkampf toben. Glaubt man dem russischen Oppositionellen Michail Chodorkowski, ist das jetzt genau in Russland der Fall. Ihm zufolge ringen zwei rivalisierende Fraktionen stillschweigend um die Kontrolle in Moskau, während die Macht von Kreml-Despot Wladimir Putin schwindet.

Gegenüber dem polnischen Nachrichtenportal Fakt erklärte der Oppositionelle, dass Putin nach den jüngsten Parlamentswahlen keinen echten Widerstand von den Wählern erfahre. Stattdessen finde ein „Konflikt zwischen den beiden Türmen des Kremls“ statt.

Laut Chodorkowski bekämpfen sich hinter den Kulissen Putins Präsidialverwaltung und der Föderale Sicherheitsdienst FSB – Russlands wichtigster Inlandsgeheimdienst. Konkret geht es um politischen Einfluss und um staatliche Ressourcen.

„Das Neue ist, dass die Präsidialverwaltung früher über dem FSB stand, aber jetzt steht der FSB tatsächlich über dem Präsidialamt“, erklärte der langjährige Kreml-Kritiker.

Trotz interner Machtkämpfe und der sich verschlechternden Bedingungen im russischen Inland vermutet der ehemalige Oligarch allerdings, dass Putin dennoch genügend Rückhalt habe, um den Krieg in der Ukraine „noch eine ganze Weile“ in die Länge zu ziehen. Laut einer aktuellen Umfrage in Russland, in der Menschen gefragt wurden, ob sie oder ein Familienmitglied bereit wären, in der Ukraine zu kämpfen, hätten nur 35 Prozent der Befragten dies verneint. Demnach steht dem Kreml laut Chodorkowski noch viel Spielraum zur Verfügung, um weitere Truppen einzuberufen.

Chodorkowski zufolge gibt Moskau etwa acht Prozent seiner gesamten Wirtschaftsleistung für den Angriffskrieg auf die Ukraine aus, während es eine positive Devisenbilanz aufrechterhält. Gleichzeitig liefere China derzeit 90 Prozent der von Russland benötigten Ausrüstung.

Dennoch ist der russische Oppositionelle laut Fakt davon überzeugt, dass westliche Staats- und Regierungschefs Sand ins Getriebe des russischen Einfalls ins Nachbarland streuen könnten. Nötig seien echte Technologiesanktionen, um die Kriegsanstrengungen des Kremls zu behindern.

Außerdem ermuntert Chodorkowski den Westen dazu, Russlands schrumpfenden Pool an Fachkräften abzuwerben. Auch das könne dem Aggressor in seinen Bemühungen, die Ukraine zu unterwerfen, schaden.

Gleichzeitig ist Chodorkowski davon überzeugt, dass man im Kreml genau beobachte, ob Europa sich auch ohne die Hilfe der USA verteidigen könne. Europa liege „im Moment immer noch auf dem Tisch“, betonte der Oppositionelle laut Fakt.

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