Von: importer
Bei neuen russischen Angriffen in der Ukraine sind am Donnerstag mindestens 20 Menschen getötet worden. Allein bei einem Drohnenangriff auf einen Bahnhof in Dnipro starben laut Behörden mindestens 14 Menschen. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte indes mit, in der Nacht auf Donnerstag 1.214 ukrainische Drohnen über russischem Gebiet abgewehrt zu haben. Die Waffenruhe in der russisch besetzten südukrainischen Frontstadt Oleschky hält unterdessen weiter.
Bei dem russischen Drohnenangriff auf einen Bahnhof in der ukrainischen Großstadt Dnipro kamen mindestens 14 Menschen ums Leben und mindestens 14 weitere wurden verletzt, schrieb Gebietsgouverneur Olexander Hanscha bei Telegram. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb in sozialen Medien von einem “entsetzlichen Angriff” auf den Bahnhof, in dem demnach ein gewöhnlicher Nahverkehrszug und ein regulärer Passagierzug standen. Er forderte einmal mehr, dass Sanktionen gegen Russland nicht gelockert werden dürften, solange der Krieg andauere. Es sei Zeit für härtere Sanktionen der EU, der USA und der G7.
Selenskyj veröffentlichte auch Fotos und ein Video, das demnach die Folgen der Attacke zeigt. Zu sehen sind Verletzte, die von Rettungskräften davongetragen werden und unkenntlich gemachte Tote auf dem Bahnsteig.
Ukrainische Eisenbahn: Russland setzte Drohne mit Düsenantrieb ein
Eine Drohne mit Düsenantrieb habe einen Bahnsteig getroffen, auf dem sich der Zug Dnipro-Saporischschja befunden habe, teilte die ukrainische Eisenbahn mit. Menschen hielten sich demnach trotz einer bekannt gegebenen erhöhten Gefahr am Bahnsteig auf. Bürgermeister Borys Filatow sprach von einer Tragödie. Es habe sich um einen zivilen Zug gehandelt.
Mindestens sechs Tote bei weiteren Angriffen in der Ukraine
Bei verschiedenen weiteren Angriffen Russlands wurden nach ukrainischen Angaben mindestens sechs Menschen getötet. In Tschernihiw im Norden der Ukraine kamen nach Behördenangaben zwei 15-Jährige ums Leben. Verletzt wurden dem städtischen Militärverwaltungschef Dmytro Bryschynskij zufolge 23 weitere Menschen. Er sprach von Terror gegen die Zivilbevölkerung. Der Angriff habe das Zentrum der Stadt getroffen. Zur Art der Attacke machte er zunächst keine Angaben.
In der Industriestadt Krementschuk im Gebiet Poltawa kamen nach Angaben von Militärverwaltungschef Witalij Djakiwnytsch drei Menschen ums Leben. Um medizinische Hilfe hätten 19 Menschen gebeten. Elf seien ins Krankenhaus gebracht worden. Eine Drohne sei in einem mehrstöckigen Wohnhaus eingeschlagen, schrieb Djakiwnytsch bei Telegram.
Auch im Dorf Bilenke im südostukrainischen Gebiet Saporischschja wurde nach Behördenangaben ein 49 Jahre alter Mann durch einen russischen Angriff getötet. Militärgouverneur Mychajlo Semikin zufolge wurden drei weitere Männer zwischen 51 und 75 Jahren verletzt ins Krankenhaus gebracht. Zur Art des Angriffs machte er zunächst ebenfalls keine Angaben. In Saporischschja sei zudem ein öffentlicher Kleinbus von einer Drohne attackiert worden, wobei ein Mensch verletzt worden sei. Bei einem weiteren Drohnenangriff auf einen Bus sei eine 56-Jährige verletzt worden, ihr Zustand sei kritisch.
Ukraine griff Russland mit mehr als 1.200 Drohnen an
Die Ukraine führte unterdessen im Zuge ihres Abwehrkampfes nach russischen Angaben einen der bisher größten Gegenangriffe aus. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Donnerstag in der Früh mit, 1.214 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten abgewehrt zu haben. Die seit Dienstag geltende Waffenruhe in der von russischen Truppen besetzten Frontstadt Oleschky im südukrainischen Gebiet Cherson hält unterdessen weiter.
Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von 613 Drohnen, die in Richtung der Hauptstadtregion geflogen seien. Der größte Teil von ihnen sei abgeschossen worden, 231 davon beim Anflug auf Moskau. An drei der vier Hauptstadtflughäfen gab es in der Nacht auf Donnerstag Einschränkungen.
In Sterlitamak im Uralgebiet in der russischen Teilrepublik Baschkortostan wurden nach Behördenangaben acht Drohnen abgewehrt. Trümmer seien auf das Gelände eines nicht näher genannten Unternehmens gestürzt, es gebe leichte Schäden. Die Stadt war schon in der Vergangenheit mehrfach Ziel ukrainischer Gegenangriffe.
Ukrainer und Russen bereiten Evakuierungin Oleschky vor
Die seit Dienstag geltende Waffenruhe in der von russischen Truppen besetzten Frontstadt Oleschky im südukrainischen Gebiet Cherson hält unterdessen weiter. In der Stadt liefen für die Schaffung eines sichereren Hilfskorridors die Arbeiten zur Beseitigung und Entschärfung von Minen erfolgreich, wie der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez und seine russische Kollegin Jana Lantratowa zeitgleich mitteilten. “Parallel dazu stellen wir bereits die humanitäre Hilfslieferung zusammen, die wir morgen nach Oleschky bringen wollen”, sagte Lubinez, der auch selbst dort sein wird. Demnach stimmen sich die Vertreter beider Kriegsparteien eng ab.
Nach seiner Landung in Russland verbreitete Lubinez ein Video davon, wie er mit einem russischen Beamten Seite an Seite geht. Er sei gekommen, um den Menschen in Oleschky zu helfen und so viele wie möglich zu retten. “Für mich gibt es nichts Wichtigeres als das menschliche Leben”, sagte er.
“Die Waffenruhe hält schon 54 Stunden. Beide Seiten erfüllen ihre Verpflichtungen”, teilte Lantratowa bei Telegram mit. Es gebe keine Verstöße. Die Menschen aus Oleschky sollen am Samstag über einen humanitären Hilfskorridor die Stadt verlassen können. Die in die Ukraine ausreisenden Bewohner sollen in die russische Schwarzmeer-Stadt Anapa gebracht und von dort nach Gomel in Belarus ausgeflogen werden, von wo aus sie weiter in die Ukraine reisen können.
Größte gemeinsame Aktion seit Kriegsbeginn
Wer in der seit Monaten abgeriegelten und völlig unterversorgten Stadt bleiben will, soll Lebensmittellieferungen und Medikamente erhalten. Lubinez und Lantratowa dankten erneut US-First-Lady Melania Trump, die die Waffenruhe vermittelt hatte. Auch Papst Leo XIV. hatte sich bei Telefonaten mit Kremlchef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für die humanitäre Feuerpause eingesetzt.
Putin warf der Ukraine vor, die Stadt Oleschky durch die Verminung der Zugänge von der Außenwelt abgeschnitten zu haben. Dadurch sei “praktisch eine humanitäre Katastrophe” geschaffen worden, sagt er beim Russland-Afrika-Gipfel in Moskau. Er ließ unerwähnt, dass er den Angriffskrieg selbst begonnen, die Besetzung von Gebieten befohlen und Tod und Zerstörung über die Ukraine gebracht hat. Russland sei dabei, den Konflikt mit der Ukraine zu lösen, sagte Putin erneut.
In Oleschky leben nach Schätzungen noch etwa 1.500 bis 2.000 Menschen, darunter Dutzende Kinder. Vor dem Krieg waren es 24.000 Bewohner.
Es handelt sich um die größte gemeinsame Aktion von Ukrainern und Russen seit Kriegsbeginn im Februar 2022. Die Kriegsparteien hatten immer wieder Gefangenenaustausche umgesetzt und auch die Leichen von gefallenen Soldaten übergeführt. Eine solche große gemeinsame Hilfsaktion für die Zivilbevölkerung mit einer mehrtägigen Waffenruhe hat es so bisher nicht gegeben. Die Waffenruhe ist bis Sonntagabend angesetzt.




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