Von: importer
Die Ukraine ist in der Nacht auf Donnerstag wieder zur Zielscheibe einer massiven Angriffswelle des russischen Militärs geworden. Städte bis im weit von der Grenze entfernten Westen des Landes seien mit Dutzenden Raketen und Marschflugkörpern sowie Hunderten Drohnen attackiert worden, berichteten ukrainische Medien. Es gebe mindestens acht Tote und mehr als 30 Verletzte. Umgekehrt nimmt das ukrainische Militär auch Ziele in Russland ins Visier.
“Dutzende gewöhnlicher Wohnhäuser, zivile Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen wurden zerstört und beschädigt”, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. Russland habe mehr als 70 Marschflugkörper und Raketen, darunter ballistische, eingesetzt. “Hinzu kamen über 280 Angriffsdrohnen. Mehr als 260 Drohnen konnten zerstört werden”, sagte Selenskyj.
Selenskyj appelliert an Verbündete
Kampfflugzeuge konnten nach seiner Darstellung eine beträchtliche Anzahl von Marschflugkörpern abschießen. Zugleich verwies Selenskyj erneut auf den “kritischen Mangel” an Raketen für die Luftabwehr und forderte die Verbündeten – wie zuletzt immer wieder – zur Lieferung der Waffen auf. “Alle Partner wissen, wie und womit sie helfen können”, sagte Selenskyj. “Verspätete Hilfe und Verzögerungen bei der Lieferung von Raketenabwehrsystemen führen genau zu solchen Zerstörungen und genau zu solchen Opfern, wie wir sie heute leider erleben.”
Überraschend kam die nächtliche Angriffswelle nicht: Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Mittwoch vor einem unmittelbar bevorstehenden schweren Angriff Russlands aus der Luft gewarnt. Erst vor wenigen Tagen hätten die Angreifer die Ukraine attackiert “und die Wahrscheinlichkeit ist hoch”, dass ein solcher Schlag auch heute Nacht ausgeführt werde, schrieb Selenskyj in sozialen Netzwerken. Er berief sich dabei auf einen Lagebericht des ukrainischen Luftwaffenchefs.
Die ukrainischen Streitkräfte beklagen, dass ihnen Flugabwehrraketen fehlten, um feindliche Geschosse vom Himmel holen zu können – insbesondere ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzuwehren sind. In seiner Warnung rief Selenskyj die westlichen Partner daher erneut dazu auf, der Ukraine zu helfen. Das betreffe speziell die USA und andere Länder, die über moderne Patriot-Systeme verfügten.
Russland bestätigt Angriffe
Umgekehrt nimmt das ukrainische Militär auch Ziele in Russland ins Visier, um den Krieg weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von 258 ukrainischen Drohnen; die Flugabwehr sei in der Nacht in zahlreichen Regionen des Landes im Einsatz gewesen seien.
Das Ministerium bestätigte auch die Angriffe auf die Ukraine. Ziele seien Militärflughäfen, Rüstungsbetriebe, militärische Telekommunikationsinfrastruktur und logistische Zentren gewesen. Zudem seien drei für den Transport von militärischen Gütern genutzte Frachtschiffe in der Schwarzmeerregion getroffen worden.
Ukraine greift erneut Online-Händler Wildberries an
Das ukrainische Militär attackierte indes in der Nacht erneut den russischen Online-Händler Wildberries. Durch Drohnenbeschuss wurde ein großes Lager des Unternehmens in der russischen Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, nach Angaben der staatlichen Agentur TASS mitteilte. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien evakuiert worden. Auch in einem Logistikzentrum in Sarapul in der russischen Oblast Udmurtien sei ein Feuer ausgebrochen.
Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Die symbolträchtigen und weithin sichtbaren Angriffe auf Wildberries verursachen große Schäden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft der Firma vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.
Selenskyj will auch russische Mittelschicht treffen
Ein Ziel der ukrainischen Führung scheint aber auch zu sein, Unruhe in der Mittelschicht russischer Städte zu schüren, die gern online einkauft. Infolge der Angriffe und dadurch gestörten Lieferketten bekommt sie die Kriegsfolgen nun stärker zu spüren als zuvor.




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