Großes Ringen in der SVP eröffnet

Nach der Ära Kompatscher: Wer wird neuer Landeshauptmann?

Sonntag, 01. November 2026 | 11:36 Uhr

Von: Matthias Knapp

Bozen – Nach 15 Jahren an der Spitze des Landes gibt Arno Kompatscher den Taktstock bald aus der Hand. Obwohl die nächsten Landtagswahlen erst im Herbst 2028 anstehen, laufen in der Südtiroler Volkspartei hinter den Kulissen bereits die Drähte heiß, um die Weichen für die Nachfolge zu stellen. Die große Frage, um die sich alles dreht, lautet: Wer kandidiert für den Posten als Landeshauptmann?

Im Zentrum der parteiinternen Überlegungen steht derzeit eine mögliche Rochade zwischen dem amtierenden Landeschef und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann. Dorfmann, der in einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Apollis im Auftrag der Südtiroler Wirtschaftszeitung auf dem dritten Platz landete, gilt als potenzieller Brückenbauer zwischen den verschiedenen Parteiflügeln.

Ob er den Schritt zurück nach Südtirol wagt, lässt er offen: Es sei verfrüht, die Entscheidung treffe die Partei, erklärte Dorfmann. Kompatscher selbst könnte im Gegenzug im Frühjahr 2029 nach Brüssel wechseln, wie die Zeitung Alto Adige berichtet. Dafür bringt die SVP-Spitze bereits einen eigenen europäischen Wahlkreis für Südtirol ins Spiel, um von nationalen Bündnissen unabhängig zu sein.

Doch auch abseits dieser Möglichkeit bringen sich prominente Gesichter in Stellung. Rosmarie Pamer, Soziallandesrätin und ehemalige Bürgermeisterin von St. Martin in Passeier, macht aus ihren Ambitionen keinen Hehl. Sie schnitt in Umfragen stark ab, punktet mit Bürgernähe und könnte als erste Landeshauptfrau Südtirols Geschichte schreiben – auch wenn sie als Vertreterin des sozialen Flügels parteiintern Hürden überwinden muss.

Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider verfügt über exzellente Kontakte nach Rom und hohe fachliche Kompetenz. Einziger Stolperstein im traditionellen Gefüge könnte seine Zugehörigkeit zur ladinischen Sprachgruppe sein, zumal der Landeshauptmann in Südtirol bislang stets der deutschen Muttersprache angehörte.

Senator Meinhard Durnwalder und SVP-Obmann Dieter Steger gelten ebenfalls als aussichtsreiche Mitbewerber: Während Durnwalder allerdings den Verbleib in Rom bevorzugen soll, besitzt SVP-Obmann Dieter Steger zwar alle Voraussetzungen, könnte jedoch durch die jüngsten Änderungen des Senatswahlkreises im Süden des Landes geschwächt sein.

Raumordnungslandesrat Peter Brunner, der lange als aussichtsreicher Kronprinz galt, hat unterdessen in den letzten Jahren jedoch an politischem Profil eingebüßt.

Die Parteizentrale hält den Ball einstweilen immer noch flach: Sämtliche Diskussionen seien verfrüht, heißt es offiziell. Angesichts des Gewichts der anstehenden Ära nach Kompatscher ist das Rennen um die Macht in Südtirol jedoch längst eröffnet.

Bezirk: Bozen

Kommentare

Aktuell sind 10 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen