Euregio-Jubiläum in Alpbach

“Nicht perfekt, aber auf sehr gutem Weg”

Donnerstag, 27. August 2026 | 15:24 Uhr

Von: Lukas Unterkofler

Alpbach – Kräfte bündeln, als kleines Europa im großen die gemeinsame Identität neu beleben und dank Zusammenarbeit einen Mehrwert für die Bevölkerung schaffen: Diese Ziele hatten Günther Platter, Luis Durnwalder und Lorenzo Dellai vor Augen, als sie am 14. Juni 2011 auf Castel Thun im Trentino die Gründungsverträge der Euregio Tirol-Südtirol-Trentino unterzeichneten. 15 Jahre später blickten die damaligen Landeshauptleute zum Auftakt der Euregio-Days 2026 beim European Forum Alpbach (Land Tirol) auf die bisherige Euregio-Geschichte zurück.

Beim Runden Tisch der Euregio-Akademie am 27. August fiel das Fazit der Gründungsväter weitgehend positiv aus: Die Euregio sei sichtbarer geworden. Sie habe konkrete Angebote geschaffen, politische Erfolge in Rom, Wien und Brüssel erzielt und sei mit ihrer Reform nach rund zehn Jahren demokratischer geworden. “Man kann immer besser werden. Die Euregio ist heute nicht perfekt. Aber sie ist auf einem sehr guten Weg”, brachte es Südtirols Landeshauptmann a. D. Durnwalder auf den Punkt.

Gespräch gesucht, Solidarität gelebt

Sein Tiroler Amtskollege Platter fügte hinzu: “Die Euregio hat vor und nach der Gründung bewegte Momente erlebt. Aber besonders in Krisenzeiten haben wir das Gespräch gesucht, Solidarität gelebt und Stärke bewiesen. So haben wir uns bei der Flüchtlingswelle 2016 oder in der Coronazeit gegenseitig geholfen und gegen nationale Bestrebungen öfters die Schließung der Brennergrenze verhindert.”

Auf ein “grundlegendes Zusammengehörigkeitsgefühl” verwies der ehemalige Trentiner Landeshauptmann Dellai: “Unsere Identität beruht nicht nur auf der gemeinsamen Geschichte: Wir wollten immer nach vorne blicken und die europäische Integration nutzen, um unsere Herausforderungen im Herzen der Alpen gemeinsam zu bewältigen. Es ist Zeit für den Versuch, über den EVTZ hinaus eine echte europäische Region zu schaffen.”

Bereits die Gründung sei kein Selbstläufer gewesen, gab Durnwalder zu bedenken: “Die Spannungen zwischen Italien und Österreich wegen der Südtirolfrage haben den Ausbau grenzüberschreitender Zusammenarbeit gebremst. Dennoch haben wir Möglichkeiten gefunden, freiwillig zusammenzuarbeiten. Wo ein politischer Wille, da auch ein Weg!”

Unter österreichischer EU-Ratspräsidentschaft kam schließlich ein Durchbruch: 2006 hat die EU die Institution ‘Europäischer Verbund Territorialer Zusammenarbeit’ eingeführt. Als eigene Rechtspersönlichkeit kann ein solcher EVTZ über Grenzen hinweg verbindlich tätig werden. “Im Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009 haben wir diese Chance ergriffen und der Dreierlandtag hat die Gründung beschlossen”, berichtete Platter.

Rund 100 Projekte und Initiativen pro Jahr

Das Ergebnis könne sich sehen lassen, sagte Dellai: “Mit Freude sehe ich, wie weit sich der inhaltliche Bogen der Euregio-Projekte heute spannt.” Allein im ersten Jahrzehnt hat die Euregio mehr als 350 Projekte und Initiativen auf den Weg gebracht. Inzwischen organisiert, koordiniert, delegiert oder unterstützt sie rund 100 Projekte pro Jahr.

Bezirk: Bozen

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