Der Kreml eskaliert weiter

Russen verstecken ihr Geld vor Putin

Donnerstag, 20. August 2026 | 07:14 Uhr

Von: Matthias Knapp

Moskau – Russische Sparer und Unternehmen befürchten offenbar, dass sich der Kreml bei ihren Konten bedient und auf private Einlagen zugreift, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter zu finanzieren. Allein in den ersten beiden Augustwochen flossen laut Daten der russischen Zentralbank umgerechnet fast 3,4 Milliarden Dollar ab, während im Juli 7,3 Milliarden Dollar und im Juni mehr als 4,5 Milliarden Dollar abgehoben wurden.

Gleichzeitig verstärken ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele wie die Warenlager des Handelsriesen Wildberries die Nervosität, wie die “Washington Post” berichtet.

Hinter der Flucht ins Bargeld steckt offenbar auch die Überlegung vieler Russen, Geldscheine lieber “unter dem Kopfkissen” aufzubewahren als bei Banken, “wo es möglicherweise nie zurückgegeben wird”, erklärt ein ehemaliger hochrangiger russischer Finanzbeamter laut dem Bericht.

Die Sorgen sind nicht unbegründet. Russische Staatsanwälte bezifferten den Wert der allein im vergangenen Jahr eingezogenen Vermögenswerte laut “Washington Post” auf rund 45,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig wuchs das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr 2026 laut dem Bericht bei der schwächelnden Wirtschaft in Russland nur noch um 0,3 Prozent.

Wie Alexandra Prokopenko, eine frühere Beraterin der russischen Zentralbank, erklärt, seien die Abhebungen Ausdruck eines tiefen Misstrauens gegenüber dem Machtapparat und den Behörden. Zwar hält sie eine Verstaatlichung von Einlagen für unwahrscheinlich, gleichzeitig will sie aber nicht ausschließen, dass Abbuchungen eingeschränkt werden.

Die Abflüsse setzen die Banken unter Druck, die zunehmend vor fehlender Liquidität warnen. Dies erschwert dem Kreml wiederum die Finanzierung des Krieges, da russische Banken zu den wichtigsten Käufern von Staatsanleihen gehören, mit denen Moskau sein wachsendes Haushaltsdefizit deckt.

Auch große russische Unternehmen suchen laut “Washington Post” nach Wegen, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen und dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Insgesamt wurden im zweiten Quartal 2026 nach Daten der Zentralbank umgerechnet etwa 8,1 Milliarden Euro aus Russland transferiert. Unternehmen und vermögende Geschäftsleute nutzen dafür unter anderem Brokerage-Konten in Kasachstan, Kirgisistan und Armenien.

Unterdessen lässt Moskau keine Bereitschaft erkennen, die Kriegshandlungen gegen die Ukraine einzustellen, und eskaliert auch weiter in Richtung NATO – zuletzt mit einem Kriegsschiff, das in der Ostsee als einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten Europas aufgetaucht ist.

Anfang August war am Flughafen Leipzig in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine mit Sprengstoff und Zünder bestückte Drohne entdeckt worden, die aber glücklicherweise nicht explodierte.

Militärexperte Markus Reisner aus Österreich will in Äußerungen des russischen Außenministers Sergej Lawrow ein indirektes Eingeständnis einer russischen Beteiligung an dem missglückten Anschlag erkennen. Gleichzeitig warnte er davor, dass es sich nur um den Anfang handeln könnte.

Am Sonntag hatte der Telegraph darüber berichtet, dass Russland in der Nähe der ukrainischen Grenze geheime Stützpunkte errichtet, auf denen leistungsfähige Drohnen mit einer Reichweite stationiert werden, die Angriffe tief im Nato-Gebiet ermöglichen.

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